Nahum 1
Nahum 1 Kingcomments Bibelstudien

Einleitung

Über Nahum ist nichts anderes bekannt als das, was er in seinem Buch über sich selbst offenbart. Das ist nicht viel. Er erwähnt seinen Namen und den Ort, aus dem er kommt. Sein Auftrag ist, der Stadt Ninive das Gericht des HERRN anzukündigen.

Auch über die Datierung seiner Prophezeiung ist nicht viel bekannt. Einige wenige Daten in seiner Prophezeiung deuten allerdings auf den zeitlichen Rahmen hin, in dem sie verkündet wurden. Nahum erwähnt etwa den Ort No-Amon und das, was mit diesem Ort geschah als Beispiel für Ninive, das ein ähnliches Schicksal erleiden wird (Nah 3,8-10). Die Eroberung von No-Amon fand ca. 663 v. Chr. statt. Ein weiteres Ereignis ist der Fall von Ninive selbst, über den Nahum prophezeit. Dieser Fall fand im Jahr 612 v. Chr. statt. Die Botschaft Nahums stammt also aus der Zeit zwischen 663 und 612 v. Chr.

Nahum ist der zweite Prophet, von dem wir eine Botschaft des HERRN über Ninive haben. Etwa anderthalb Jahrhunderte früher wurde der Prophet Jona nach Ninive gesandt zurzeit Jerobeams II. – ca. 825-785 v. Chr. (2Kön 14,25). Wie Nahum hatte auch Jona eine Botschaft des Gerichts zu überbringen. Die Antwort darauf waren viele Bekehrungen in der Stadt, „von ihrem Größten bis zu ihrem Kleinsten“(Jon 3,5). Aber mit der Zeit erlosch das Feuer der Erweckung. Die Stadt begann erneut in Sünde zu leben und befand sich damit aufs Neue in Auflehnung gegen Gott.

In der Botschaft, die Nahum für Ninive hat, ist kein Raum für Umkehr. Die Stadt ist so sehr in Sünde versunken, dass es keine Hoffnung auf eine erneute Bekehrung gibt und nichts als das endgültige Gericht bleibt. Die Tatsache, dass Gott die Stadt nach Jonas Predigt verschont hat, ändert daran nichts. Im Gegenteil: Weil Sanherib gegen das Volk und die Stadt streitet, die Gott einst so gnädig verschont hatte, wird Sanheribs Schuld nur noch grösser.

Obwohl das eigentliche Thema des Buches das Gericht über Ninive ist, hören wir auch Worte des Trostes für Gottes Volk. Nahum bedeutet „Trost oder Tröstung“. Das Gericht über Ninive ist ein Trost für das Volk Gottes. Da sie unter der Herrschaft dieses gottlosen Volkes leiden, dürfen sie sich mit dem Gedanken trösten, dass Gott sie nicht vergessen hat und das Joch dieses Feindes zerbrechen wird.

Für uns ist es eine Ermutigung zu wissen, dass das Leid, das uns – aus welchem Grund auch immer – widerfährt, in der Hand des Herrn liegt. Wir dürfen auch wissen, dass Er das Leid schließlich von uns wegnehmen wird, und uns am Ende Gutes tun wird. Im Leben des Gläubigen hat nicht das Böse oder das Leid das letzte Wort, sondern der Herr.

Die Botschaft Nahums mag von Ninive handeln und für Ninive sein, aber sie wird in Juda verkündet. Es ist also auch eine Botschaft für Juda. Nahums Prophezeiung des Gerichts über Ninive dient Gottes Volk als Trost mit Blick auf die vor ihnen liegende Erlösung von einem drückenden Joch. In dieser Hinsicht ist Nahum ein Vorläufer von Simeon in Jerusalem, der auf den „Trost Israels“ wartete (Lk 2,25), der dann auch mit dem Kommen des Messias vielen zuteil wurde, obwohl die Masse des Volkes Ihn verwarf.

Nahum zeigt, wie der Zorn Gottes der Macht und Herrschaft der Welt und dem Stolz des Menschen für immer ein Ende setzt. Aber inmitten des Gerichts finden wir hier auch ein schönes Zeugnis der Treue Gottes (Nah 1,7). Denn obwohl Gott Rache üben muss wegen ihrer Sünden, denkt Er doch stets gnädig an die, die inmitten des Gerichts auf Ihn vertrauen und mit Ausharren auf Ihn warten. In dieser Prophezeiung geht es erstens um die endgültige Zerstörung Assyriens und zweitens um die Befreiung Judas, das schließlich in Frieden leben wird (Nah 2,1).

Das Buch des Propheten Nahum beinhaltet als Hauptthema die Zerstörung von Ninive. Ninive ist die Hauptstadt von Assyrien, dem großen Feind von Gottes Volk und damit auch ein Feind von Gott selbst. Assyrien wurde aber von Gott als Werkzeug benutzt, um sein Volk zu züchtigen, das von Ihm abgewichen war. Dabei hat sich Assyrien nur auf seine eigenen Interessen konzentriert und diese verfolgt, während sich sein Volk Israel mit seiner eigenen Macht gebrüstet und somit Gott verleugnet hat. Gott wird Ninive als Vertreter Assyriens all das Böse, das sie getan haben, vergelten (Jes 10,5-19).

Die Zerstörung von Ninive ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Königreiche der Menschen zwar uneinnehmbar erscheinen, aber letztendlich doch durch das Gericht Gottes untergehen. Im Gericht über Ninive sehen wir das Gericht über Assyrien und über alle feindlichen Nationen am Ende der Tage. Ninive repräsentiert Assyrien und Assyrien repräsentiert alle feindlichen Nationen.

Einteilung des Buches

Das Buch lässt sich in drei Teile gliedern entsprechend den drei Kapiteln, die es enthält:

A. Das Gericht über Ninive (oder Assyrien) und die Wiederherstellung Israels (Nahum 1).
1. Überschrift (Nahum 1,1)
2. Die Eigenschaften des HERRN (Nahum 1,2–7)
3. Das Endgericht über Assyrien (Nahum 1,8–14)

B. Ausführlicher Bericht über die bevorstehende Zerstörung Ninives (Nahum 2).
1. Die gute Nachricht (Nahum 2,1)
2. Belagerung und Einnahme der Stadt (Nahum 2,2–8)
3. Die Plünderung (Nahum 2,9–11)
4. Die Ruine (Nahum 2,12–14)

C. Die Ursachen des Gerichts (Nahum 3).
1. Habgier und Gräuel (Nahum 3,1–3)
2. Verderbtheit und Götzendienst (Nahum 3,4–7)
3. Vergleich mit Ägypten; Beispiel von No-Amon (Nahum 3,8–10)
4. Die nicht wiederaufbaubare Ruine (Nahum 3,11–19)

Die Last von Ninive

Das Thema und der Inhalt dieses Buches ist „Ausspruch (andere übersetzen: die Last) über Ninive“, das heißt ein Wort von Gott, das dem Propheten wie eine Last auferlegt wurde. Das Wort Last kommt von heben oder tragen. Die Last ist das drohende Wort über Ninive, also ein Wort, das auf der Stadt lastet und nicht beseitigt werden kann. Der Name der Stadt wird in diesem Vers und auch in Nahum 2 und Nahum 3 erwähnt (Nah 2,9; Nah 3,7). Assyrien, dessen Hauptstadt und Vertreter sie ist, wird in Nahum 3 erwähnt (Nah 3,18).

Ninive bedeutet Wohnort. Diese Bedeutung sagt uns, dass dort Menschen wohnen, die ihren Wohnort auf der Erde haben. Sie haben ihre gesamte Existenz auf der Erde aufgebaut, ohne Platz für Gott. Wir sehen sie in den Menschen, die im Buch der Offenbarung immer als Menschen bezeichnet werden, „die auf der Erde wohnen“. Es sind Menschen, die ihre Heimat auf der Erde haben, und für die es kein anderes Leben gibt. Dies steht im Gegensatz zu den Gläubigen, die wissen, dass ihre Heimat nicht auf der Erde, sondern im Himmel ist (Phil 3,20). Sie sind Fremdlinge und solche, die ohne Bürgerrecht auf der Erde sind (1Pet 2,11).

Dann wird gesagt, wie diese Last kommuniziert wird und von wem. Die Last wird in einem Buch kommuniziert. Was in dem Buch niedergeschrieben ist, ist das Gesicht, in der die Last mitgeteilt wird. Nahum ist der Mann, dem das Gesicht dessen, was mit Ninive geschehen wird, vom HERRN gegeben wurde und der das Gesicht aufgeschrieben hat. Es scheint, dass Nahum seine Prophezeiung nicht mündlich offenbart hat. „Das Buch des Gesichtes“ ist, mit anderen Worten, eine prophetische Schrift.

Schließlich folgen als Abschluss der Überschrift der Name des Propheten und der Name des Ortes, aus dem er stammt. Der Prophet heißt Nahum, was, wie gesagt, Trost oder Tröstung bedeutet. Dass er Elkoschiter genannt wird, bedeutet, dass er aus Elkosch in Galiläa stammt. Elkos bedeutet: Gottes Härte oder harte Eiche.

Der HERR ist Rächer

Der verheerenden Macht Assyriens, die das Volk Gottes so sehr unterdrückt, stellt Nahum zunächst die Majestät und Allmacht Gottes gegenüber. Er tut dies, um das Volk Gottes zu ermutigen. Das ist auch immer der Weg für uns, wenn wir vor unüberwindbaren Schwierigkeiten stehen. Wir sollten unsere Schwierigkeiten nicht mit unserer Kraft vergleichen, sondern mit unserem allmächtigen Gott. Nahum ruft nicht zur bewaffneten Rebellion, zum Guerillakrieg oder zu politischen Anstrengungen auf, sondern ermuntert sie, zu Gott, dem HERRN, aufzuschauen. Im Licht dessen, wer Gott ist, sieht Nahum, was mit Ninive geschehen wird.

Gott wird zuerst ein eifernder Gott genannt, worin der Gedanke an den brennenden Eifer wie bei der Eifersucht enthalten ist. Es geht um ein Gefühl des verletzten Rechts und um ein starkes Verlangen nach Gerechtigkeit. Gott hat ein exklusives Recht auf den Gehorsam seines Volkes (5Mo 4,24; 5Mo 5,9). Dieses Recht ist in dem Bund verankert, den Er mit seinem Volk geschlossen hat. Damit bindet Er sich auch an sein Volk. Wer also sein Volk benachteiligt, wird es auch mit Ihm in seiner Eifersucht zu tun bekommen. Er rächt sich dann im Grimm.

Gott ist eifersüchtig auf sein Volk. Er ist wie ein eifersüchtiger Mann, der seine Frau vor jedem Eindringen von Fremden schützen wird. Diese Eifersucht bezieht sich nicht auf den Aspekt ihrer Untreue, sondern auf das, was andere ihr anzutun drohen. Er kann es nicht ertragen, wenn Fremde sein Volk züchtigen. Für die Feinde seines Volkes ist Er ein Rächer.

Er ist der HERR. So wird Er dreimal in diesem Vers erwähnt. Dieser Name erinnert uns daran, dass Gott eine Beziehung zu seinem Volk hat. Er wird für sein Volk eintreten gegen „seine Widersacher“ und „seine Feinde“, die die Assyrer sind. Wir sehen hier, wie die Gegner und Feinde seines Volkes auch seine Gegner und seine Feinde sind. Nahum hat die Verwüstung vor Augen, die die Assyrer im Jahr 722 v. Chr. angerichtet haben, als sie die zehn Stämme weggeführt haben, während er jetzt ihren Einfall in Juda sieht.

Die Quelle seiner Eifersucht ist seine große Liebe zu seinem Volk. Dreimal spricht Nahum über die Tatsache, dass der HERR ein Rächer ist. Das betont die Seite Gottes, dass Er in seiner göttlichen Macht das Böse rächen wird, das seinem Volk angetan wird. Rache gehört zu Gott Gerechtigkeit (2Thes 1,6; 7; Röm 12,19). Sie ist der Ausgangspunkt für diese ganze Prophezeiung. Alles, was folgt, wurzelt in dieser Offenbarung der Gerechtigkeit und des brennenden Eifers des HERRN für das Wohl seines Volkes.

Weil die Feinde seines Volkes auch seine Feinde sind, macht Er es zu seiner eigenen Sache, mit den Feinden abzurechnen. Die Völker denken nicht im Geringsten daran, dass Gott all das Unrecht und die Misshandlungen rächen wird, die sie seinem Volk angetan haben. Für sie existiert der Gott Israels nicht, oder sie sehen Ihn lediglich als einen lokalen Gott. Aber sie werden sich mit Ihm auseinandersetzen müssen, sodass sie seine Majestät anerkennen müssen.

Der Schuldige wird bestraft

Die Tatsache, dass der HERR ein Rächer ist, bedeutet nicht, dass Er schnell zornig wird, im Gegenteil, Er ist „langsam zum Zorn“ (vgl. 4Mo 14,18). So ermahnt Er auch uns in seinem Wort, dass wir „langsam zum Zorn“ sein sollen (Jak 1,19; vgl. Pred 7,9). Dass Er geduldig ist, hat Er schon über ein Jahrhundert früher bewiesen, als Er seinen Propheten Jona in diese Stadt Ninive sandte, um sie zu richten (Jona 3,10; Jona 4,2). Er gibt den Menschen Zeit, Buße zu tun. In den Tagen Jonas war dies ein Zeitraum von 40 Tagen. Wenn nun die nächsten Generationen von Ninive Gottes Erbarmung in der Vergangenheit vergessen haben und erneut böse werden, so hat Gott mehr als ein Jahrhundert lang Geduld.

Seine Geduld ist keine schwache Nachsicht, sondern resultiert aus der Kraft seiner Liebe und Barmherzigkeit (2Pet 3,9). Er verliert niemals seine Geduld. Das ist eine glückliche Gewissheit für diejenigen, die Ihn kennen. Seine Geduld hat aber sehr wohl ein Ende. Das ist ein ernster Gedanke für diejenigen, die Spott mit Ihm treiben (Ps 50,21). Sein Zögern im Zorn bedeutet nicht, dass es Ihm an Kraft fehlt und Er deshalb den Schuldigen ungestraft lassen muss. Er ist überaus groß in seiner Güte, doch Er ist auch von großer Kraft im Gericht. Er setzt seine Macht immer zur richtigen Zeit, auf die richtige Weise und in der richtigen Form ein (4Mo 14,17).

In seiner Kraft wird Er den Schuldigen nicht ungestraft lassen, sondern ihn richten (Röm 2,5). Wir sehen eine Offenbarung seiner Kraft „im Sturmwind und im Gewitter“. Darin sehen wir nicht nur seine Kraft, sondern auch die unberechenbare Geschwindigkeit seines Handelns. In seinem Wirken wird Er von Sturmwind und Gewitter begleitet. Sie dienen Ihm bei der Ausübung seines Gerichts (vgl. Jes 29,6). Er „zermalmt durch ein Sturmwetter“ (Hiob 9,17a; Jes 29,6; Ps 83,16).

Nahum fügt einen weiteren Aspekt zu seiner Majestät hinzu und zwar, dass die Wolken „der Staub seiner Füße“ sind. So wie der Mensch auf dem Staub geht und den Staub aufweht, so geht der HERR auf den Wolken, die Ihn begleiten. In diesem Bild wird die Majestät und Erhabenheit Gottes aufgezeigt. Dies geschieht in einer Weise, in der wir an die Offenbarung Gottes am Sinai erinnert werden, als Er das Gesetz gab.

Gleichzeitig bietet diese Illustration von Gottes Majestät und Erhabenheit Trost für jeden, in dessen Leben Wolken die Sonne verdecken. Gott ist über den Wolken des Kummers. Er geht auf ihnen, Er bewegt sich auf ihnen, um sein Werk zu vollenden, obwohl die Wolken manchmal verbergen, wie sein Weg ist und dass es sein Weg ist. Seine Fußstapfen sind für den Menschen nicht wahrnehmbar oder erkennbar. Dennoch darf man im Glauben darauf vertrauen, dass seine Fußstapfen stets in die Richtung von Segen weisen.

Wenn wir Wolken in unserem Leben sehen, ist unser treuer Gott nicht weit weg. Eine Wolke kann für uns groß und erhaben sein, aber für Gott ist sie nicht mehr als Staub. Unsere Schwierigkeiten und Ängste sind für Ihn nicht zu groß. Mit einer Handbewegung kann Er sie beseitigen. Wir können auf Ihn vertrauen, dass Er sie kontrolliert, auch wenn Er sie nicht sofort wegwischt.

Versiegen und verwelken

Die Beschreibung der Kraft des HERRN wird durch das Bild einer Degenerierung der Natur erweitert. Sein Wort „er schilt“ reicht aus, um normale Naturgegebenheiten zu verändern (vgl. Jes 50,2). Wir sehen die Dürre, die die Wasserquellen verschwinden lässt und zum Verwelken der fruchtbaren Gebiete führt. In der Vergangenheit hat Er das Rote Meer und den Jordan trockengelegt (vgl. Jes 51,10; Ps 106,9; Ps 114,3-5; Jes 42,15), und so kann Er Ähnliches mit jedem Meer und Fluss tun. So formbar ist alles für Ihn. Der Herr Jesus – Er ist Jahwe – zeigte ebenfalls seine Macht über das Meer (Mt 8,26).

Der HERR kann die üppige Vegetation und den Reichtum von Gebieten wegnehmen, die dafür bekannt sind, wie Basan, Karmel und Libanon (vgl. Jes 33,9). Wenn schon die Herrlichkeit der Natur vor Ihm in sich zusammenfällt, wie viel mehr dann der Stolz des Menschen.

Berge, Hügel, Erde, Menschen

Selbst die festen, mächtigen Teile der Schöpfung, „die Berge“, bleiben nicht unbewegt, sondern „erbeben“ vor Ihm, wenn Er spricht. „Die Hügel“ zerfließen, was auf eine intensive Hitze hindeutet, die der HERR verursacht, möglicherweise durch Vulkanausbrüche (Ps 97,3-5; Mich 1,3; 4). Dies sind die Begleitphänomene, wenn Er auf die Erde kommt (Sach 14,3-5; 10). Es wird topografische Veränderungen geben, nicht durch Evolution, sondern plötzlich, bei der Ankunft Christi.

Wenn Christus kommt, wird sich die Erde durch seine Gegenwart erheben und erbeben (Off 16,17-19; Jes 24,19). Die Majestät Gottes wird die Welt und alle Menschen, alles, was lebt, mit großer Ehrfurcht erfüllen. Kein Teil der Welt ist außerhalb der Sphäre, in der Er wirkt, alle und alles wird gerichtet werden. Alle Menschen sind unter seiner Kontrolle.

Keiner kann dem HERRN widerstehen

Nahum verwendet verschiedene Ausdrücke, um die Eindrücklichkeit von Gottes Auftreten im Gericht zu beschreiben. Er spricht von „Grimm“, „Zorn“ und „Grimm … wie Feuer“. Nach der Beschreibung der Kraft Gottes können die Fragen gestellt werden: „Wer kann vor seinem Grimm bestehen und wer standhalten bei der Glut seines Zorns?“, wenn Er richtet. Die Antwort lautet: niemand, nicht einmal das mächtige Ninive.

Wenn Gott die ganze Natur und alle Menschen mit seiner Allmacht beeindrucken kann, wer Er ist, dann ist auch klar, dass kein Mensch dem Zorn des HERRN im Geringsten widerstehen kann (Joel 2,11; Jer 10,10; Mal 3,2; Off 6,17). Noch weniger wird sich jemand erheben können, wenn der Zorn des HERRN wie Feuer über ihn gekommen ist. Nichts in seiner Schöpfung kann seiner Macht widerstehen (5Mo 4,24; 1Kön 19,11; Jer 23,29). Er erhebt sich hier gegen die Gegner seines Volkes und zugunsten seines Volkes.

Dass die Felsen von Ihm zerrissen werden, erinnert daran, was geschah, als Gott seinen Sohn für die Sünden aller richtete, die an Ihn glauben. Als Christus starb, geschah es, dass „die Erde erbebte, und die Felsen rissen“ (Mt 27,51b). Wer das Opfer Christi ablehnt, wird bald diesem mächtigen Gott selbst gegenüberstehen.

Der HERR ist gütig

Die detaillierte Beschreibung der Gerichtsgewalt des HERRN soll Israel Sicherheit vermitteln, wenn die Assyrer in das Land einfallen. Nach der Beschreibung der Majestät Gottes im Angesicht der Feinde seines Volkes spricht Nahum hier plötzlich von der Güte des HERRN für sein Volk. Dass Er gütig ist, wird wie ein Loblied im Reich des Friedens klingen (Ps 107,1).

Seine Güte – die ebenso real ist, wie seine Macht im Gericht – zeigt, dass Er für die Seinen „eine Festung am Tag der Drangsal“ ist. Dies ist eine allgemeine Wahrheit, die nicht auf eine bestimmte Zeit in der Geschichte beschränkt ist. So hat beispielsweise Hiskia diese Güte erfahren und unzählige vor und nach ihm.

Man kann von einer Festung wissen, aber man muss dort auch Zuflucht nehmen (Ps 46,2; Jer 16,19). Das tun nur die, die Ihm vertrauen. Er ist ihre Zuflucht, in der sie sich sicher und geborgen vor Gefahren fühlen. Er kennt die, die das tun. Die zu kennen, die Zuflucht zu Ihm nehmen, bedeutet, dass Er sich um ihr Schicksal kümmert und ihnen hilft, weil eine innige Beziehung zu ihnen besteht (vgl. 2Mo 2,25; 1Mo 18,19; Amos 3,2; Joh 10,14).

Das Teil der Feinde

Wieder wechselt Nahum plötzlich sein Thema. Das Teil für seine Feinde ist völlig anders als seine Güte für die Seinen im vorherigen Vers. Diese beiden Seiten von Gottes Handeln werden von Paulus „[die] Güte und [die] Strenge Gottes“ genannt (Röm 11,22).

Gott beweist seine Güte auch in der Offenbarung seines Zorns. Das Strafgericht bewirkt die Ausrottung der Übeltäter zugunsten derer, die Ihn fürchten und Ihm vertrauen. Die Folge für sie ist die Befreiung aus der Qual, in die sie durch die Boshaftigkeit der Welt geraten sind.

Ninive wird buchstäblich durch eine Überschwemmung des Tigris untergehen. Durch diese Flut wird der HERR die Stadt wehrlos machen und für die Heere der Meder und Babylonier öffnen, die Er als „überschwemmende Flut“ benutzt, um Gericht über Ninive zu bringen (vgl. Jes 8,7; 8). Diese Heere repräsentieren die „Finsternis“, die die Assyrer heimsucht, verfolgt und überwältigt. Sie können der Finsternis nicht entkommen. Das Ende der Feinde Gottes ist die Finsternis der Hölle, das heißt, ewig getrennt von Gott.

Das Gericht ist endgültig

Der Prophet richtet diese Worte an die Assyrer, aber sie sollen in Wahrheit beruhigend wirken auf den gottesfürchtigen Teil des Volkes Gottes, der eine neue Invasion der Assyrer befürchtet. Nahum beruhigt sie damit, dass der HERR nicht nur ihre feindseligen Aussagen kennt, sondern auch ihre sündigen Überlegungen, die ihren Worten vorausgehen. Was die Völker sich ersinnen, wird vom HERRN als „Eitles“ beurteilt (Ps 2,1; Apg 4,25; 26).

Was sie sich ausdenken, ist ihrer Meinung nach gegen Juda gerichtet, aber in Wirklichkeit ist es gegen den HERRN gerichtet. Deshalb werden sie nichts von all ihren Überlegungen ausführen können, denn der HERR selbst wird diesem Feind ein vernichtendes Ende bereiten (Spr 21,30). Als zusätzliche Ermutigung sagt Er seinem Volk, dass sie nicht wieder in Bedrängnis geraten werden. Die erste Bedrängnis wird in Nah 1,7 erwähnt. Sein Gericht über Ninive ist endgültig, ohne Möglichkeit, dass diese feindliche Macht sich noch einmal erhebt und das Volk in Drangsal bringt (vgl. Jes 37,23-29).

„Die Drangsal“ ist ein Ausdruck, der die Ereignisse aus den Tagen des Gerichts über Ninive mit der Zeit der großen Drangsal in der Endzeit (Mt 24,21) verbindet, die „eine Zeit der Drangsal für Jakob“ (Jer 30,7) genannt wird. Hier wird der Blick von der historischen Zerstörung Ninives auf die Tage unmittelbar vor dem Erscheinen Christi verlagert. Christus wird dann bei seiner Rückkehr auf die Erde die Assyrer bzw. den König des Nordens persönlich vernichten (Dan 11,45). Es wird keine zweite Drangsal für Israel nach dem ersten Angriff und der Zerstörung durch die Assyrer geben.

Ninive wird völlig verzehrt werden

Die Assyrer werden als verflochtene oder verknotete Dornen dargestellt (2Sam 23,6). Dies weist sowohl auf ihren wertlosen Charakter hin, der anderen nur Schaden und Leid zufügt (Mich 7,4), als auch auf ihre verdiente Vertilgung. Das gleiche Bild der Wertlosigkeit ist das des Trunkenbolds, der kein Bewusstsein von dem hat, was er tut.

Das Bild der verflochtenen Dornen sagt auch, dass die Assyrer, obwohl sie sich so gut schützen, zwar wie ein undurchdringlicher Dornenbusch aussehen, dass sie aber kein Problem für das Feuer des Gerichts, sondern eher Nahrung für dieses sind. Das Bild vom Trunkenbold indes sagt, dass die Assyrer, obwohl sie durch übermäßigen Alkoholkonsum trunken sind, für das Gericht Gottes wie dürre Stoppeln sind, die von seinem Gericht völlig verzehrt werden.

Beide Bilder stellen auch die Hilflosigkeit der Assyrer dar. Wer in verflochtenen Dornen feststeckt, kann sich unmöglich wehren. Wer seinen Weg wie ein Trunkenbold geht, ist eine leichte Beute, weil er sich dem Schwelgen und der Trunkenheit ausgeliefert hat. Der HERR, gegen den sie keine Kraft haben zu widerstehen, wird sie ins Feuer werfen. Sie werden völlig verzehrt, es bleibt nichts von ihnen übrig.

Ein böser Ratgeber

„Von dir“, das heißt von Ninive, ist ein böser Mensch ausgegangen. Es ist jemand, von dem Rebellion ausgeht, jemand, „der Böses ersann gegen den HERRN“. Dieser Feind wird weiter charakterisiert als „ein nichtswürdiger Ratgeber“, wörtlich ein Ratgeber Belials. Damit ist er deutlich ein Bild von Satan (2Kor 6,15a).

Gemeint ist „der König von Assyrien“ (Nah 3,18). Es scheint, dass es hier um Sanherib geht, der mächtige, grausame Angreifer, der von Ninive kam, um Juda anzugreifen. Die Verwüstungen, die er anrichtet, sind grausam und umfangreich (2Kön 18,13; 2Kön 19,8). Er ist derjenige, der böse Pläne gegen den HERRN schmiedet. In der von ihm aufgezeichneten Rede zeigt er die Gesinnung, die diese Weltmacht schon immer gegen das hatte, was Gott gehört (2Kön 18,19-22; Jes 36,14-20). Der dahinter stehende Feind, Satan selbst, will immer restlos zerstören, was Gott gehört, sei es Israel oder die Gemeinde.

Dieser Herrscher, der aus dem mächtigen Ninive „hervorgekommen“ ist, bildet einen großen Kontrast zu demjenigen, von dem prophezeit wird, dass Er aus dem bescheidenen Bethlehem-Ephrata „hervorkommen“ wird, nämlich dem Messias (Mich 5,1a). „Seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her“ (Mich 5,1b). Ninive wird durch Ihn fallen und Er wird seinen Thron für die Ewigkeit aufrichten (Lk 1,33). Er, der aus Ninive ausgegangen ist, wird erniedrigt werden. Er, der von Bethlehem-Ephrata ausgegangen ist, wird erhöht werden. Er wird einen Namen haben, der über allen Namen steht. Vor Ihm wird sich jedes Knie beugen.

Vernichtung der Assyrer

Dieser Vers beginnt mit „so spricht der HERR“, Worte, die der Bote als Einleitung zu einer Botschaft des HERRN verwendet. Assyrien ist in dem Moment, in dem Nahum prophezeit, auf dem Höhepunkt seiner Macht. Aber obwohl sie Wohlstand haben und ihr zahlreiches Heer beeindruckend ist (2Chr 32,7), wird es ihnen nicht gelingen, das Volk Gottes zu besiegen. So wie Assyrien ein Schermesser für andere ist (Jes 7,20), so wird es selbst geschoren werden. In einer Nacht tötet ein Engel 185000 Soldaten (2Kön 19,35; 36; Jes 37,36-38).

In der Endzeit werden die Assyrer noch einmal auf der Weltbühne erscheinen, aber dann als Zuchtrute für die große Masse der abgefallenen Juden unter dem Antichristen. Es wird ihnen dann gelingen, Jerusalem zu erobern und zu zerstören, womit auch die Regierung des Antichristen endet. Danach werden die Assyrer nach Ägypten weiterziehen. Erst wenn sie Gerüchte aus dem Norden und dem Osten hören, werden sie nach Jerusalem zurückkehren. Sie werden über ein großes Heer verfügen und denken, im Vorteil zu sein, doch plötzlich werden sie durch die Erscheinung des HERRN „weggemäht werden; und … dahin sein“ (Dan 11,40-45).

Dann wechselt Nahum plötzlich erneut das Thema. Die Aussage „Und habe ich dich auch niedergebeugt“ bezieht sich auf Israel und blickt zurück auf die lange und schmerzhafte Unterdrückung Israels durch Assyrien. Gott tröstet sie mit der Verheißung, dass Er sie nach dem Sieg über die Assyrer nicht mehr „niederbeugen“ wird. Hier sehen wir wieder Gottes Gericht über den Feind und den Segen für sein Volk, die beide in der Endzeit ihre volle Erfüllung finden werden.

Das Joch wird zerbrochen

Weiter sagt der HERR zu Juda, dass Er das Joch Assyriens, unter dem sie geseufzt haben, zerbrechen wird (vgl. 3Mo 26,13; Jer 27,2; Jer 28,10; Hes 34,27). Das Joch ist die zu zahlende Steuer (2Kön 18,14; vgl. Jes 10,27). Gott will uns von jedem Joch befreien, das uns in Knechtschaft hält und das uns daran hindert, Ihm zu dienen.

Das Ende von Ninive

Nach dem Wort über das Zerbrechen des Jochs für Juda wendet sich Nahum wieder an den König von Assyrien. Der HERR hat in Bezug auf ihn nicht nur gesprochen, sondern Er hat über ihn „geboten“. Auf seinen Befehl hin wird der Name des Königs von Assyrien nicht fortbestehen. Das bedeutet, dass seine Dynastie zu Ende gehen wird. Er wird keine Nachkommen und keine Nachfolger haben (vgl. Jes 14,4; 20-23).

Auch seine Religion wird zerstört werden. Die assyrischen Könige behaupteten, durch die Gunst und Autorität ihrer Götter zu herrschen. Weil ihre Autorität darauf beruht, wird Gott all dieser falschen Huldigung ein Ende setzen. Er wird die Götzen vollständig ausrotten. Er wird dies im „Haus deines Gottes“ tun, was einmal mehr die völlige Wertlosigkeit eines Götzen beweist. Ein Gott, der sich aus seinem eigenen Haus ausrotten lässt, ist ein wertloser und toter Gott.

Gott bereitet sogar das Grab des Königs von Assyrien vor, weil er verächtlich ist, ganz im Gegensatz zu dem, was er von sich selbst denkt (vgl. 1Sam 2,30b). Hier sagt der HERR die nationale Ausrottung Assyriens voraus. Der Tempel von seinen Götzen, in denen er sich vor ihnen verneigt hat, wird der Ort seines Todes. Dort wird er von seinen Söhnen ermordet (2Kön 19,37; Jes 37,38).

„Verächtlich bist du“ kann auch übersetzt werden mit „zu leicht bist du befunden“. In der Waage Gottes wurde er als zu leicht befunden (vgl. Dan 5,27). Das ist das Ende von Ninive. Diese Prophezeiungen weisen voraus auf die Zeit am Ende der großen Drangsal kurz vor Beginn des Friedensreiches. Gott schreibt über diese gottlosen Nationen: „Zu leicht befunden.“ Wir sollten uns bewusst sein, was über eine Welt kommt, die als zu leicht befunden wird. Wir haben das prophetische Wort, das uns wie eine Lampe scheint in dieser finsteren Zeit (2Pet 1,19). Wenn wir dieses Wort verinnerlichen, sodass es unser ganzes Leben durchzieht, werden wir als Pilger und Fremdlinge durch die Welt gehen (1Pet 2,11).

© 2023 Autor G. de Koning

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