Hohelied 8
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Belehrung und Umarmung

Hier beginnt ein neues Kapitel, aber die Hld 8,1 bis 4 gehören noch zum vorangegangenen Abschnitt. Wir sehen das am Refrain in Hld 8,4, der den Teil abschließt (vgl. Hld 2,7; Hld 3,5). Nach dem schönen Höhepunkt am Ende des vorigen Kapitels sehen wir, dass die Situation des endgültigen und ungestörten Glücks noch nicht gekommen ist. Es ist noch nicht die Zeit des Friedensreiches. Das wird im letzten Vers des Kapitels deutlich, in dem die Braut ihre Sehnsucht nach der nahe bevorstehenden Ankunft des Bräutigams ausdrückt.

Die Liebe ist stark gewachsen. Aber es hat noch keine Hochzeit stattgefunden. Sie können noch nicht öffentlich als Mann und Frau auftreten. Die Braut sehnt sich nach dieser Zeit. So wird sich der Überrest in der großen Drangsal kurz vor der Ankunft des Herrn Jesus fühlen. Sie werden sich nach Ihm sehnen.

Es sieht so aus, dass die Braut sich nicht traut, ihre Beziehung mit dem Bräutigam öffentlich zu bekunden. Deshalb seufzt sie sozusagen, dass der Bräutigam doch ihr Bruder sein könnte, der von derselben Mutter versorgt wurde. Vom prophetischen Standpunkt her ist das auch der Fall. Der Überrest Jerusalems ist die Tochter Israels (Hes 23,2-4). Der Herr Jesus wurde auch aus Israel geboren, dem Fleisch nach (Röm 9,4; 5).

Wir hören auch, dass der Bräutigam die Braut mehrere Male „meine Schwester“ nennt (Hld 4,9; 10; 12; Hld 5,1; 2). Dann ist er ihr Bruder. Das scheint sie vergessen zu haben. Auf jeden Fall sucht sie wieder nach ihm, nicht so sehr als nach ihrem Bräutigam, sondern als nach ihrem Bruder. Wir können hierin auch einen Beweis der Liebe Jerusalems für den Messias sehen. Die Stadt liebt Ihn hier noch nicht so sehr, weil Er ihr König ist, sondern aufgrund dessen, wer Er in seiner Familienbeziehung mit ihr ist. Deshalb möchte sie Ihn bei sich haben, um Ihm ihre Liebe zu geben. Diese selbstlose Liebe erzeugt keine Verachtung.

Unsere selbstlose Liebe für den Herrn Jesus wird oft von unserem Umfeld nicht verstanden. Manchmal schämen wir uns auch, wenn wir ganz offenkundig zeigen, dass wir Ihn lieben. Dennoch werden uns die anderen nicht verachten, wenn wir unsere Beziehung mit Ihm in unserem Leben zeigen, indem wir seine eigenen Wesensmerkmale offenbar machen. Wenn seine Liebe, sein Frieden und seine Freude in unserem Leben sichtbar werden, dann wird das niemand verachten. Vielleicht können wir nicht von unserer Liebe zu Ihm sprechen, aber in unserem Leben wird es sichtbar werden, dass Er unser Leben ist.

In ihrer Verbindung mit dem Bräutigam möchte die Braut ihn in das Haus mitnehmen, wo ihr Auftrag darin besteht, dass sie von ihm belehrt wird (Hld 8,2). Sie möchte, dass ihr Denken korrigiert wird. Das ist auch ein wichtiger Wunsch für uns. Wir brauchen auch wieder und wieder die Belehrung aus Gottes Wort, weil wir in unserem Denken leicht von der Welt beeinflusst werden, oder wir müssen unser Denken korrigieren lassen, wenn wir noch auf eine weltliche Art denken.

„Meiner Mutter Haus“ erinnert an die Wurzeln ihres Daseins. Das neue Israel, der treue Überrest, stützt sich auf die alten Verheißungen an Abraham, Isaak und Jakob. Sie möchte mehr darüber erfahren. Die Verbindung, die Jerusalem, der Überrest, mit dem Messias haben wird, besteht auf der Grundlage der Verbindung, die Gott mit Israel in der Vergangenheit hatte. Der treue Überrest in der Zukunft muss mit dem Israel der Vergangenheit als Gottes Volk verbunden sein.

Gott wird die Verheißungen, die Er dem alten Israel gemacht hat, mit dem neuen Israel erfüllen. Er wird es tun auf der Grundlage des Werkes des Messias – des verheißenen Nachkommen – am Kreuz. Für uns ist es auch wichtig, dass wir wissen, wer unsere Mutter ist. Unsere Mutter ist das himmlische Jerusalem und der Berg Zion, der Berg der Gnade (Gal 4,22-28; Heb 12,22).

Wir sind mit dem himmlischen Bräutigam nur durch die Gnade verbunden und nicht durch Gesetzeswerke oder durch unsere eigenen Werke. Wenn wir das wissen, dann wird es auch unser Wunsch sein, dass wir von Ihm darüber belehrt werden, was unsere Verbindung mit Ihm ist und über die Gnade, die dieser zugrunde liegt. Die Gnade gibt diese Unterweisung (Tit 2,11; 12). Die Gnade gibt uns die notwendige Unterweisung, um als Gläubige zu leben.

Diese Unterweisung ist ein unaufhörlicher Lernprozess. Sie befähigt erneuerte Menschen dazu, Gott in ihrem neuen Lebenswandel zu ehren. Durch diese Unterweisung wird zuerst deutlich, dass die Vergangenheit erledigt ist. Die Unterweisung bezieht sich auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

Die Sehnsucht nach Unterweisung durch Ihn ist für Ihn eine Freude, was durch den Würzwein zum Ausdruck kommt. Der Würzwein steht für die Freude, die aus den Herrlichkeiten hervorkommt, die in Ihm zu finden sind. Diese Herrlichkeiten bringt der Gläubige dem Herrn Jesus dar. Der Most der Granaten, den der Gläubige dem Herrn Jesus darbringt, spricht von der Frucht, die Ihm angenehm ist. Es ist eine Frucht, die immer wieder neue Frucht hervorbringt. Es steht für ein Leben, in dem eine Frucht nach der anderen für Ihn hervorgebracht wird.

Das Ergebnis der Unterweisung ist, dass der Gläubige sich wieder danach sehnt, so nah bei Ihm zu sein, dass er seine Unterstützung und seine Umarmung erfährt (Hld 8,3; vgl. Hld 2,6). Links ist die Seite des Herzens. Seine linke Hand hebt ihren Kopf an und erinnert sie daran, dass Er sie liebt. Rechts ist die Seite der Kraft, der Ehre und des Schutzes. Die Umarmung fühlt sich wie Schutz, in Liebe, an.

Zum dritten Mal erklingt der Refrain in Hld 8,4. Die Liebe darf nicht dazu gezwungen werden, dass sie vor der Zeit zum Ausdruck kommt. Wir sollten junge Gläubige nicht dazu drängen, dass sie eine Liebe ausdrücken, für die sie noch nicht bereit sind. Der Herr wird sie auf seine Weise führen und wird dafür sorgen, dass ihre Liebe zu Ihm wachsen wird.

Die Liebe sollte unter uns allen zu finden sein und dazu müssen wir einander ermutigen (Heb 10,24). Wir können einander ermutigen zu lieben. Wir dürfen nichts von jemandem verlangen, das (noch) nicht da ist oder wofür die Zeit noch nicht gekommen ist. In der Abhängigkeit zum Herrn sollen wir lernen, wann die Zeit dafür gekommen ist.

Die da heraufkommt von der Wüste her

Hier beginnt der letzte Teil des Buches. Hier finden wir wieder die Frage, wer die Braut ist (vgl. Hld 3,6). Sie lehnt sich auf ihren Geliebten, als sie von der Wüste heraufkommt. Für uns bedeutet das, dass die beste Art und Weise, um durch die Wüste dieser Welt zu gehen, ist, uns auf den Herrn Jesus zu lehnen. Wir alle neigen sehr dazu, uns auf andere Mittel zu verlassen und nicht auf Ihn. Er hilft uns durch die Wüste dieses Lebens und erscheint mit uns am Ende der Wüstenreise. Das ist auch ein Bild des Überrestes, der sich auf Ihn lehnt, wenn er aus der großen Drangsal kommt. Er holt selbst seine Braut ab.

Die Braut kommt wieder aus der Wüste herauf, aber jetzt reist sie nicht auf dem Tragbett wie in Hohelied 3 (Hld 3,6; 7), sondern lehnt sich auf ihren Geliebten. Das beschreibt eine uneingeschränkte Beziehung. Die Wüste wird hier das letzte Mal in diesem Buch erwähnt. Es geht nicht mehr um sie, sondern um den Bräutigam, um den Geliebten, auf den sie sich lehnt. Es ist eine vertrauensvolle Liebe. Wir sehen hier, dass er ihre Kraft und dass sie seine Geliebte ist.

Die Erfahrungen der Wüste liegen hinter ihr. Sie hat es gelernt, sich völlig auf ihn zu lehnen. Es bedeutet auch, dass er in der Wüste bei ihr war. Sie begleitet ihn nicht nur, sondern sie ist abhängig von ihm, sie lehnt sich auf ihn. Die Wüstenreise ist vorbei. Sie ist schwach, aber er ist stark. Lehnen bedeutet, sich auf die Kraft eines anderen zu verlassen. Wir müssen es lernen, uns völlig auf den Herrn Jesus zu lehnen. Die Wüstenerfahrungen unseres Lebens sind vorbei, wenn wir es gelernt haben, uns nur auf Ihn zu lehnen.

In der Wüste werden wir versucht. Wir lernen unsere Schwachheit kennen und von Ihm abhängig zu sein. Er kommt auch aus der Wüste. Das trifft auch auf den gläubigen Überrest zu, der aus der großen Drangsal kommt. Sie haben zum HERRN gerufen und Er hat sie aus der Drangsal erlöst. Sie kommen heraus und lehnen sich auf Ihn. Sie werden anerkennen, dass Er sie aus der Wüste führt, denn sie haben keine Kraft, um sich selbst daraus zu befreien.

Wir brauchen die Unterstützung, denn wir haben selbst keine Kraft, um weiterzugehen. Wenn uns das bewusst ist, werden wir erfahren, dass wir uns nicht auf unsere eigene Kraft verlassen, sondern auf Christus. Genauso wie die Braut sich auf ihren Geliebten lehnt, können wir uns auf Ihn verlassen. Wir lehnen uns auf etwas von dem wir erwarten, dass es stehen bleibt, wir vertrauen darauf, dass es Festigkeit hat und nicht umfällt. Christus enttäuscht niemals, Er ist der unerschütterliche Fels.

Israel hat sich auf Ägypten gelehnt. Der HERR sagt, dass es der „geknickte Rohrstab“ ist. Wer sich darauf lehnt, wird nicht die erwartete Unterstützung haben, sondern Schmerz (Jes 36,6). Das passiert mit uns, wenn wir uns auf menschliche Weisheit verlassen und uns darauf lehnen. Dann scheitern wir und fügen uns selbst Schmerzen zu, weil dieser Rohrstab bricht. Alles Vertrauen auf Menschen enttäuscht nicht nur, sondern es verursacht Leiden.

Israel hat sich auch auf das Gesetz gestützt (Röm 2,17). Sie haben sich auf ihre eigenen Gerechtigkeitswerke verlassen, um die Gunst Gottes zu haben. Aber das hat dazu geführt, dass sie den Herrn Jesus ablehnen. Die große Veränderung kommt, wenn sie das einsehen und bekennen werden. Das wird das Werk des Geistes in ihren Herzen vollbringen. Wenn sie aus der großen Drangsal kommen, werden sie sich nicht mehr auf das Gesetz verlassen, sondern auf Christus.

Während seines irdischen Lebens war Er selbst das große Beispiel darin, Gott zu vertrauen. Er hat ein Wort für die, die den Herrn fürchten, denn Er hat es vollkommen getan. Ihnen sagt Er, dass, wenn sie in Finsternis wandeln und ihnen kein Licht glänzt – was prophetisch gesehen die große Drangsal ist –,sie auf den Namen des HERRN vertrauen müssen und sich auf ihren Gott stützen (Jes 50,10).

Dann spricht der Bräutigam zur Braut. Er macht sie darauf aufmerksam, wo die Veränderung begann, die sie in der Wüste durchgemacht hat. Er sagt ihr, dass er sie unter dem Apfelbaum geweckt hat. Die Braut vergleicht den Bräutigam wieder mit einem Apfelbaum (Hld 2,3). Im Bild verdankt die Braut, das heißt der Überrest, Jerusalem, ihm ihr Leben. Er hat dieses neue Leben in ihr geweckt.

Das ist wegen des Schmerzes, wegen der Geburtswehen der großen Drangsal, passiert, der über ihre Mutter Israel gekommen ist. Auf diese Weise hat für sie ein neues Leben begonnen (Mt 24,8; Jer 30,6; 7; Jes 66,7-9). Sie ist sozusagen wiedergeboren. Das tote Israel ist zu neuem Leben erwacht.

Er weckte sie „unter dem Apfelbaum“ und machte sie zu seinem Eigentum. Dort ist sie geboren worden. Alles was sie hat, hat sie von ihm. Alle Erfahrungen liegen jetzt hinter ihr, aber sie sind nicht vergessen. Wir werden weiterhin daran erinnert, damit wir erkennen, wer Er für uns gewesen ist und was wir waren und was wir durch Ihn geworden sind. Wir werden das sehen, wenn wir vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden.

Die Liebe ist gewaltsam wie der Tod

Die Braut ist tief beeindruckt davon, was der Bräutigam für sie getan hat, indem er ihr neues Leben gegeben hat. Sie reagiert darauf, indem sie sich wünscht, wie ein Siegelring mit ihm verbunden zu sein (vgl. Jer 22,24; Hag 2,23). Wir werden diesen Wunsch auch zum Ausdruck bringen, wenn wir von alledem, was der Herr Jesus in seiner Liebe für uns am Kreuz von Golgatha getan hat, beeindruckt sind. Dann möchten wir seine Liebe tiefer und reicher erfahren.

Dann möchten wir Ihm sagen, dass wir wie ein „Siegelring“ an seinem „Herz“ sein wollen. Wir wissen, dass wir fest mit Ihm verbunden sind. Der Heilige Geist ist der Siegelring, denn wir sind mit Ihm versiegelt. Auf diese Weise wissen wir, dass unser Leben Ihm gehört (2Kor 1,21; 22; Eph 1,13). Durch den Heiligen Geist sind wir mit Christus verbunden. Das ist eine Verbindung, die nicht zerbrochen werden kann. Der Geist ist sein Siegel und das bedeutet, dass wir für immer sein Eigentum sind. Diese Gewissheit kann sich niemals ändern.

Aber wir möchten das auch erfahren. Wir möchten fühlen, wie sein Herz für uns schlägt. Das Herz spricht von Liebesgefühlen. Wir möchten auch so stark wie ein Siegel fühlen, wie sein starker Arm uns trägt. Sein Arm spricht von Stärke und Schutz (5Mo 33,27; Jes 40,10; 11).

Im Alten Testament gibt es keine bleibende Gewissheit einer festen Beziehung zwischen dem Volk und Gott. Wir können zwar Gewissheit haben, aber uns fehlt oft die Erfahrung. Hier geht es um den Wunsch, die Liebe zu erfahren. Er liebt uns und steht uns bei mit seiner Kraft. Es fängt mit seinem Herzen an, das zuerst genannt wird. Dann folgt sein Arm, der untrennbar mit seinem Herzen verbunden ist. Sein Arm wird immer von seinem Herzen kontrolliert gelenkt.

Dann folgt eine eindrucksvolle Beschreibung der Liebe des Bräutigams. Es ist nicht klar, wer diese Beschreibung ausspricht, die Braut oder der Geist. Es ist klar, dass die Braut und der Geist vollkommen übereinstimmen in dieser Beschreibung.

Es wird von der Liebe gesagt, dass sie „gewaltsam wie der Tod“ ist. Liebe und Tod werden hier miteinander verglichen. Es geht nicht darum zu zeigen, wer stärker ist, denn das ist nicht die Frage: Die Liebe ist stärker als der Tod. Es ist ein Vergleich darüber, wozu die Liebe fähig ist und wozu der Tod fähig ist. Denn es gibt Gemeinsamkeiten. So wie der Tod jede Macht überwindet und auf alle Leute übergeht, so tut das auch die Liebe.

Der Tod, das Grab, ist nicht aufzuhalten, er lässt sich durch nichts aufhalten. Unaufhaltsam, unersättlich verschlingt er die Menschen (Spr 30,15; 16). Niemand kann seiner Gewalt entkommen. Das Gleiche gilt für die Leidenschaft der Liebe. Die Liebe geht immer weiter; sie fließt immer weiter; die Liebe kennt keine Grenzen, sie hat keinen Anfang und kein Ende. Die Liebe kann zurückgewiesen werden, aber dann findet sie neue Wege. Sie ist nicht aufzuhalten in ihrer Leidenschaft. Liebe geht zu jedem der Seinen und sie geht bis ans Ende (Joh 13,1). Wir haben mit dieser Liebe zu tun. Diese Liebe hat sich selbst für uns hingegeben (Joh 15,13).

Der Ausdruck der Liebe wird mit „Feuergluten“ verglichen, mit der „Flamme Jahs“. Es ist eine alles verzehrende Liebe. Jede andere Art von Liebe verschwindet hinter dieser Liebe. Diese Liebe setzt uns in Brand. Gott sucht Menschen, die für Ihn brennen, so wie Er selbst brennt. Das bedeutet, dass Er alles richtet, was nicht in Übereinstimmung mit seiner Liebe ist. Mit diesem Feuereifer für die Ehre seines Gottes hat der Herr den Tempel gereinigt (Joh 2,15-17).

Aber durch die Eifersucht seiner Liebe kann der glimmende Docht, der fast ausgelöscht ist, wieder zu einer Flamme werden (Jes 42,2; 3). Er kann das mit uns tun, wenn wir nicht für Ihn entflammt sind und unser Zeugnis nur glimmt. Seine Liebe kann nicht durch den Tod verändert werden. Das hat Er bewiesen. Die Liebe wird durch seinen Sieg über den Tod versiegelt. Es ist eine unbesiegbare Liebe, denn die größte Macht wird durch die Liebe überwunden. Nichts kann uns von dieser Liebe scheiden (Röm 8,35; 36). Bei uns können Zeit und Entfernung die Liebe erkalten lassen, aber nicht bei Ihm.

Ein anderes Bild der Liebe ist der Vergleich mit großen Wassern, die das Feuer der Liebe nicht auslöschen oder wegwaschen können. Die Wasser können wir auf Gottes Gericht anwenden, die über den Herrn Jesus hingegangen sind (Ps 42,8; Ps 69,2b; 3). Diese Wasser konnten seine Liebe nicht wegnehmen. Die Liebe des Herrn Jesus hat das Gericht erduldet und ist siegreich daraus hervorgegangen.

Die Liebe des Herrn Jesus kann man auch nicht erkaufen. Satan hat das versucht, indem er Ihm „allen Reichtum seines Hauses“ angeboten hat, das heißt die Welt und ihre Herrlichkeit (Lk 4,5-7). Aber der Herr hat ihn vollkommen verachtet. Er hat gerade alles verkauft, um eine „sehr kostbare Perle“ zu kaufen, das ist die Gemeinde (Mt 13,45; 46)!

Anstatt sich selbst auf ihre Kosten zu bereichern, erwarb Er sie auf Kosten seiner eigenen Reichtümer, ja, auf Kosten seiner selbst als Eigentum, weil Er sie liebte (2Kor 8,9). Der Herr Jesus ist nicht für ein „Ideal“ gestorben, sondern aus Liebe zu seiner Braut. Wir können mit tiefer Dankbarkeit sagen: „Was ich jetzt aber lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20b).

Die Braut und ihre Schwester

In diesem Buch hören wir zum ersten Mal von einer Schwester der Braut. Sie spricht über „uns“ und meint damit sich selbst und den Bräutigam, der auch ihr Bruder ist. Ihre kleine Schwester war noch nicht erwachsen. Sie hat „noch keine Brüste“ und das bedeutet, dass sie selbst noch keine Nahrung weitergeben kann. Sie ist ein prophetisches Bild der zehn Stämme, die noch in der Zerstreuung sind. Ihre Frage ist, was sie und der Bräutigam für sie tun können. Sie möchte sie auch mit dem Bräutigam in Verbindung bringen.

Dies spricht bildlich von dem Wunsch, andere Gläubige, die die vielen Wahrheiten über die Verbindung zwischen dem Herrn Jesus und der Gemeinde noch nicht kennen, mit diesen Wahrheiten bekannt zu machen. Diese Gläubigen haben noch keine geistliche Reife. Wir können darüber mit dem Herrn Jesus sprechen und Ihn fragen, was wir tun können.

Viele sind wie die kleine Schwester, sie haben neues Leben, aber sie haben nichts, das sie weitergeben können. Sie sind immer noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Es könnte sich um eine neubekehrte Person handeln oder um jemanden, der zurückgefallen ist in sein altes Leben und zu dem Herrn zurückkehren möchte. Oder vielleicht um jemanden, der noch nicht in der Erkenntnis des Herrn Jesus gewachsen ist aufgrund falscher, einseitiger Predigten. Es ist wünschenswert, in solchen Situationen anderen zu helfen, damit sie wieder ein besseres Bild von dem Herrn Jesus bekommen. Das ist eine Arbeit, die viel Geduld erfordert.

Die Frage ist, wie es der kleinen Schwester geht oder – prophetisch – wie es den zehn Stämmen geht (Hld 8,9). Die Antwort kommt vom Bräutigam. Eine Mauer spricht von der Trennung zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen (Hes 42,20). Die Mauer stellt sicher, dass wir zum Falschen hin verschlossen sind und dass das Gute bewahrt wird. Die Frage, die die zehn Stämme betrifft, lautet eigentlich: Wer hat sich unter ihnen wirklich für Gott abgesondert und lebt für Ihn?

Wenn das bei der Schwester der Fall ist, dann kann man ihr sagen, was ihre Erlösung bedeutet, die durch die Zinne von Silber dargestellt wird. Darüber sollte man sie belehren. Es muss ihr klargemacht werden, was das Silber der Erlösung bedeutet (1Pet 1,18; 19). Sie hat die Stellung, aber nicht den Wandel, der daraus folgen sollte.

Eine Zinne ist eine Schutzmauer. Die beste Verteidigung gegen jeden Angriff des Feindes ist es, auf dem Fundament der Erlösung zu stehen. Die Rechtfertigung durch Gottes Gnade durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist, durch sein Blut (Röm 3,24; 25), gibt die vollkommene Sicherheit der Erlösung. Diese Erlösung muss man wie einen Helm tragen (Eph 6,17a). Das schützt unsere Gedanken vor den Einflüsterungen des Teufels, mit denen er uns verführen möchte.

Wenn diese Schwester eine Tür ist, dann muss es einen Riegel geben. Wenn es keinen Riegel gibt, ist sie offen für Irrlehren. Wenn sie Eingang finden, führt sie das von der Wahrheit weg. Deswegen muss man für sie Sorge tragen. Zedernbretter müssen angebracht werden. Aus Zedernholz ist die Decke des Tempels, Gottes Wohnung im Alten Testament (1Kön 6,9; 10).

Ein Gläubiger, der offen ist für falsche Lehre, sollte sich dessen bewusst sein, dass er zu Gottes Wohnung, der Gemeinde, gehört und dass er ein Glied der Gemeinde ist. Durch die Belehrung über die Gemeinde soll die Bedeutung davon, was es heißt, zur Gemeinde Gottes zu gehören, und der Unterschied zwischen Gut und Böse nahegebracht werden.

Die Braut weiß selbst, dass sie eine Mauer ist und dass sie völlig für den Bräutigam abgesondert ist. Dass ihre „Brüste“ wie „Türme“ sind, bedeutet, dass sie geistlich erwachsen ist. Sie ist in der Lage, Nahrung weiterzugeben. Das tut sie im Blick auf die geistliche Wachsamkeit, wovon die Türme sprechen. Was wir für wahr halten, die Lehre der Wahrheit aus Gottes Wort, macht uns wachsam gegenüber dem Feind. Sein Ziel ist es, die geistlichen Wahrheiten zu verdrehen und wegzunehmen.

Wer geistlich reif und wachsam ist, wird Frieden in den Augen des Herrn Jesus finden. Es ist ein Friede, der das Ergebnis einer vollständigen Hingabe an Ihn ist. Wenn eine Stadt von einem Feind belagert wird und sich ergibt, folgt daraus Frieden und Ruhe sowie Dienst für die Stadt anstatt Zerstörung (vgl. 5Mo 20,1-11).

Er möchte, dass wir uns Ihm auf diese Weise ausliefern, uns Ihm sozusagen übergeben. Dann finden wir wahren Frieden. Solange wir Ihm widerstehen, haben wir keinen Frieden (Hiob 9,4b). Wir haben Frieden, wenn wir den Wunsch haben, geistliche Nahrung an andere Gläubige weiterzugeben und ihnen bewusst zu machen, dass Gefahren auf sie lauern.

Prophetisch geht es um den Frieden Jerusalems. Für diesen Frieden müssen wir beten (Ps 122,6; 7). Es ist nicht ein Friede, der den Völkern aufgezwungen wird, noch nicht einmal der Friede, den Israel selbst aufzwingt. Dieser Friede ist unerreichbar. Es geht um den Frieden, den Jerusalem oder der Überrest haben wird, wenn er nach der großen Drangsal in den Armen des Messias liegt. Dann wird er einen Bund des Friedens mit Jerusalem schließen. Dieser Frieden wird tausend Jahre andauern (Hes 37,26).

Zwei Weinberge

Der Name „Salomo“, mit dem der Hld 8,11 beginnt, kommt sieben Mal in diesem Buch vor (Hld 1,1; 5; Hld 3,7; 9; 11; Hld 8,11; 12). Sein Name bedeutet „Frieden“. Wenn es Frieden gibt (Hld 8,10), ist es möglich, von diesem Frieden ausgehend zu arbeiten. Wir haben die Aufgabe, in dem Weinberg zu arbeiten. Das heißt, dass wir mit Gottes Frieden in unserem Herzen leben und eine Freude für Gott sind in allem, was wir tun. Ein Weinberg spricht von Arbeit und von Freude. Wir können dem Herrn mit Freuden dienen (Ps 100,2a).

Der Weinberg Salomos war in Baal-Hamon, das bedeutet „Herr einer Menge“. Es weist auf die Herrschaft Christi als Friedefürst über viele Völker hin und erinnert an die Verheißung an Abraham, dass in ihm alle „Geschlechter der Erde“ gesegnet werden sollen (1Mo 12,3b). In der letzten Silbe des Namens „Abraham“ kann man das hebräische Wort für „Menge“ erkennen. Sein Name bedeutet „Vater einer Menge“.

Christus hat nicht nur Israel als einen Weinberg, sondern auch alle Nationen. Er übergab den Weinberg der Nationen „den Hütern“. Das sind die Könige, die über diese Nationen herrschen. Sie werden dem Messias in Jerusalem im Friedensreich den Ertrag ihrer Früchte bringen (Ps 72,1; 10; 11; vgl. Jes 60,3; 6-9). Der Ertrag von tausend Silbersekel steht für einen enormen Wert (vgl. Jes 7,23). Dieses Vermögen wird während der ganzen Zeit des Friedensreiches Jahr für Jahr als Schätzung hervorgebracht werden.

Unser himmlischer Salomo hat jetzt auch einen Weinberg und die Verantwortung darüber hat Er uns anvertraut. Es kostet etwas, in seinem Weinberg zu arbeiten. Es gibt gewiss eine Belohnung für die Arbeit, aber hier geht es darum, was es uns kostet. Wir müssen den Weinberg hüten und seine Frucht ist für den Herrn Jesus.

In Hld 8,12 spricht die Braut wieder über ihren eigenen Weinberg. Sie hat schon vorher davon gesprochen. Aber da war sie nicht treu, ihn zu hüten. Folglich konnte sie dem Bräutigam keine Frucht geben (Hld 1,6). Jetzt ist ihr Weinberg in Ordnung. Sie bewacht ihn und hütet ihn, darum kann sie die Erträge Salomo darbringen. Was sie getan hat, ist aus seiner Kraft, aber sie bringt das Ergebnis selbst dar.

Der Ertrag ist auch mehr als der aus dem Weinberg Salomos in Hld 8,11. Sie hat tausend plus zweihundert Silbersekel übergeben, das heißt zweihundert mehr, als der Weinberg der Nationen erbracht hat. Es zeigt, dass der kleine Weinberg des Volkes Gottes im Friedensreich einen größeren Ertrag haben wird als die Nationen zusammen.

Sie lässt auch andere am Ertrag teilhaben. Die zweihundert sind ein doppeltes Zehntel. Sie „seien den Hütern seiner Frucht“. Die Hüter der Frucht sind ein Bild derer, die die Gemeinde hüten, die Ältesten oder Aufseher. Diejenigen, „die wohl vorstehen“, sollen „doppelter Ehre für würdig erachtet werden“ (1Tim 5,17).

Ganz allgemein ist es Gottes Gedanke, dass wir sowohl Gott als auch unserem Nächsten geben. Wenn wir Segnungen empfangen haben, sollen wir sie Gott zurückgeben und sie mit anderen teilen. Das trifft sowohl geistlich als auch körperlich zu (5Mo 26,1-4; 12; 13; Heb 13,15; 16).

Enteile!

Hier spricht Salomo zum letzten Mal in diesem Buch (Hld 8,13). Die Braut war in der Wüste, aber jetzt ist sie in den „Gärten“ – an den Freudenorten. Das sind die Orte, wo für den Bräutigam Frucht hervorgebracht wird. Dort wohnt sie, dort hat sie Frieden und Ruhe gefunden, dort genießt sie alles, was sich dort befindet, denn alles spricht von ihm.

Sie spricht über alles, was sie dort findet, mit anderen, die auch dort sind, den „Genossen“. Sie hören ihre Stimme und beachten sie. Sie hat ihnen etwas mitzuteilen, worauf man hören sollte. Der Bräutigam verbietet es ihr nicht. Aber er möchte auch gern die eigene Stimme der Braut hören und das bedeutet, dass sie nicht nur über ihn zu anderen spricht, sondern sie spricht auch zu ihm und spricht ihn an. Sie kann vielleicht andere ansprechen, um ihnen ihren eigenen Segen weiterzugeben – und dies wird auch im Friedensreich der Fall sein –, aber das Wichtigste für ihn ist, dass ihre Liebe zuallererst zu ihm hingeht.

Auf diese Weise möchte der Herr Jesus unsere Stimme hören. Die Arbeit für Ihn ist wichtig, anderen von Ihm zu erzählen, ist ein Befehl. Dann hört Er auch unsere Stimme. Aber Er möchte so gern unsere Stimme hören, wenn wir mit Ihm sprechen. Wir können das auch auf unsere Zusammenkünfte und auf andere Gelegenheiten anwenden, wenn wir von Ihm sprechen.

Wir können von Ihm sprechen, aber lasst uns auch mit Ihm sprechen. Er möchte unsere Stimme hören, die laute Stimme der Brüder in den Danksagungen und Gebeten sowie die Brüder und die Schwestern zusammen beim Singen und „Amen“-sagen und beim Danken in ihren Herzen. Lassen wir Ihn unsere Stimme in Danksagung hören, wenn wir mit anderen über Ihn gesprochen haben? Er sehnt sich danach.

Das ganze Wort Gottes ist erfüllt von seiner Herrlichkeit. Wenn wir bis jetzt nur wenig davon gesehen haben, dann liegt es daran, dass wir zu wenig das Wort Gottes lesen. Das kann sich ändern. Er gibt uns eine neue Möglichkeit, mehr von Ihm zu erfahren, indem wir Gottes Wort wieder den zentralen Platz in unserem Leben geben.

Wir können das auch auf unser Gebetsleben anwenden. Sprechen wir mit Ihm? Hört er unsere Stimme? Er sehnt sich danach. Es gibt Leute, die immerzu reden, die einen Wortschwall produzieren, ohne dass es für sie einen Unterschied macht, ob andere zuhören oder nicht. So soll der Gläubige nicht mit dem Herrn sprechen. Der Gläubige spricht und Er hört zu. Er spricht mit Ihm aus der Gemeinschaft mit Ihm, aus der Fülle seines Herzens. In der Ewigkeit werden wir das auf vollkommene Weise tun.

Die Braut spricht am Anfang des Buches und sie spricht auch, in Hld 8,14, die letzten Worte dieses Buches. Es sind Worte, die von einer tiefen Sehnsucht in ihrem Herzen nach der Ankunft ihres Geliebten Zeugnis geben. Die Verbindung von Braut und Bräutigam ist noch keine Tatsache. Wenn er kommt, wird es mit der Eleganz einer Gazelle und mit der Freude eines Hirsches sein. Die Berge werden erfüllt sein von duftenden Gewürzen.

Es ist so, als würden wir die letzten Worte des Neuen Testamentes hören, wo „der Geist und die Braut sagen: Komm!“ (Off 22,17a). Der Herr Jesus antwortet: „Ja, ich komme bald“ und darauf antwortet die Brautgemeinde mit den Worten: „Amen; komm, Herr Jesus!“ (Off 22,20). Es ist der spontane Ausdruck der Sehnsucht nach Ihm, nach seiner Person.

Die Berge der Schwierigkeiten sind kein Hindernis für sein Kommen. Wenn Er kommt, wird Er alle Schwierigkeiten überwinden und durch Ihn werden diese Berge mit Gewürzen bedeckt sein. Über allen Schwierigkeiten, die Er überwindet, wird der süße Duft seiner Vortrefflichkeit liegen.

Dies trifft auf Jerusalem zu, wenn Er zu ihr kommt, und es trifft auf die Gemeinde zu, wenn Er zu ihr kommt. Es trifft schon auf unser persönliches Glaubensleben zu, wenn Er in unser Leben kommt und die Schwierigkeiten überwindet. Sein Sieg für uns besteht nicht in der Tatsache, dass Er die Schwierigkeiten wegnimmt, sondern in der Tatsache, dass Er uns durch die Schwierigkeiten hindurch trägt zu seinem Ziel: die enge Gemeinschaft mit Ihm.

Gibt es jemanden unter den Lesern, der sich noch nicht mit Sehnsucht auf den Herrn Jesus freut, aber mit dabei sein möchte, wenn Er kommt? Die Einladung an solch eine Person erklingt noch immer: „Und wen dürstet, der komme; wer will, nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Off 22,17b).

© 2023 Autor G. de Koning

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