2.Timotheus 2
2 Timothy 2 Kingcomments Bibelstudien

Ein guter Diener

2Tim 2,1. Es ließ Paulus nicht kalt, dass er von so vielen Menschen im Stich gelassen wurde. Er litt darunter. Trotzdem war er nicht entmutigt. Mit einem „Du nun“, das die Verbindung zum Vorhergehenden anzeigt, ermutigt Paulus sein „Kind“ Timotheus, nicht denen zu gleichen, die sich abgewandt hatten, sondern so zu sein wie Onesiphorus. Er sagt zu Timotheus nicht, dass er sich von all den Dingen nicht beeindrucken lassen und unbeirrt seinen Dienst tun sollte. Er ermunterte Timotheus auch nicht, allerlei Gebote und Verbote aufzustellen, um dem fortschreitenden Verfall Einhalt zu gebieten. Gesetzliche Vorschriften, Regeln und Bekenntnisschriften geben keine Kraft, sondern bewirken nur eine weitere Erstarrung des Christseins, bewahren aber nicht vor Verfall. Nein, Er weist Timotheus auf das hin, was bleibt und wo man Kraft findet.

Wenn Timotheus sich in der Gnade, die in Christus Jesus ist, stärkte, brauchte er nicht niedergeschlagen zu sein oder seine Zuflucht zu fleischlichen Hilfsmitteln zu nehmen. Es geht hier um die in Kapitel 1 erwähnte Gnade (2Tim 1,9). Dazu musst du nach oben schauen, auf jene andere Welt, die außerhalb der sichtbaren Welt liegt und mit dem ewigen Leben zu tun hat. Christus verändert sich nicht, was immer auch mit Menschen geschehen mag. Die Kraft seiner Gnade ist unverändert groß. Aus der Quelle dieser Gnade, die immer sprudelt, darfst auch du schöpfen. Dahin kannst du dich stets wenden, um dich im geistlichen Kampf zu stärken. Nur in der Kraft dieser Gnade kann man dem Bösen die Stirn bieten.

2Tim 2,2. Danach weist Paulus sein geistliches Kind auf das Wort hin, auf die Wahrheit, die er Timotheus mitgeteilt hatte. Die vielen Zeugen, die dabei zugegen waren, konnten Timotheus in seiner Überzeugung hinsichtlich der Wahrheit bestärken. Diese Wahrheit gab ihm Sicherheit. Alles, was von der Wahrheit, die er gehört hatte, abwich, konnte er so als Irrlehre erkennen und zurückweisen. (Du solltest dich allerdings davor hüten, die Wahrheit so festzuhalten, wie es dir am besten passt. Dann besteht nämlich die große Gefahr, dass du, je nach Veranlagung, entweder in Gesetzlichkeit verfällst oder liberal wirst.) Es gibt keine neuen Offenbarungen. Mit den Wahrheiten, die Gott Paulus offenbart hat und die Er durch ihn mitgeteilt hat, hat Gott alles gesagt, was Er durch sein Wort mitteilen wollte (Kol 1,25).

Timotheus erhielt nicht nur die Zusicherung, dass das, was er von Paulus gehört hatte, die Wahrheit war. Er sollte diese Wahrheit auch selbst wieder unverändert weitergeben. Somit sollte er dafür sorgen, dass die Wahrheit verbreitet wurde und andere sie nach ihm erfuhren. Das ist die normale Art und Weise, für den Fortbestand der Wahrheit zu sorgen. Du siehst, dass Paulus Timotheus nicht mit einer bestimmten Autorität bekleidet oder ihn auf eine besondere Weise weiht. Dass nur solche ein Recht zu predigen hätten, die eine theologische Ausbildung absolviert haben und ein sogenanntes Predigtamt innehaben – so etwas kennt die Bibel nicht. Es geht um die Weitergabe der Wahrheit Gottes an treue Leute, die ihrerseits wieder andere lehren können.

Paulus nennt zwei Eigenschaften, die jemand haben muss, um die Wahrheit lehren zu können: Treue und Fähigkeit. Mit Treue ist Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit im Umgang mit dem Anvertrauten gemeint (vgl. 1Kor 4,1; 2). Wer treu ist, hat eine gute geistliche Gesinnung. Alle Gläubigen sollten treu sein, doch leider sind es nicht alle (2Thes 3,2b). Dazu muss die Fähigkeit kommen, das Gelernte selbst auch weitergeben zu können. Nicht alle treuen Gläubigen haben diese Fähigkeit. Daran erkennt man die Gabe eines Lehrers. Um diese Gabe ausüben zu können, muss jemand zuerst selbst treu sein, das heißt, er muss in Übereinstimmung mit dem leben, was er andere lehrt (vgl. 1Tim 4,12-16). Mit „andere“ sind hier eindeutig ebenfalls Lehrer gemeint, die in der Wahrheit unterrichtet werden.

Diese Methode der Wissensvermittlung ist etwas ganz anderes als das Wissen, das an theologischen Fakultäten oder Bibelschulen vermittelt wird und zu einem Diplom und einem offiziellen Status führt. Sie erfolgt über eine Kette von treuen Leuten:
1. Paulus – 2. Timotheus – 3. treue, fähige Leute – 4. andere.

Es geht um die Weitergabe der Wahrheiten des Wortes Gottes (und somit nicht um Philosophien und Ideen von Menschen) an die nächsten Generationen, damit auch ihr Leben dadurch gekennzeichnet wird. Diese Wahrheiten sind durch nichts zu ersetzen. Der Dienst der Lehrer – und das gilt auch für jeden anderen Dienst oder eine Gabe eines Gläubigen – ist nicht für den Betreffenden selbst bestimmt, sondern immer für andere.

Du kannst von ihrem Dienst profitieren, indem du z. B. die Kommentare liest, die sie geschrieben haben, oder zu biblischen Vorträgen gehst, die sie halten, oder indem du an Konferenzen teilnimmst, wo das Wort Gottes ausgelegt wird. Aufzeichnungen biblischer Vorträge oder Konferenzen anzuhören, ist natürlich auch eine schöne Möglichkeit, um dadurch Belehrungen aus dem Wort Gottes zu empfangen. Ganz zu schweigen von den Zusammenkünften der örtlichen Gemeinde. Ein treuer Besuch der Zusammenkünfte ist für deine geistliche Bildung unentbehrlich.

2Tim 2,3. Ab diesem Vers werden einige Eigenschaften genannt, die für Timotheus ganz wichtig waren, wenn er die Wahrheit weitergeben wollte. Sie sind auch für dich unverzichtbar. Diese Eigenschaften befähigen dich, die Aufgabe weiterzuführen, die der Herr dir aufgetragen hat. Sie haben mit Kampf und Geduld zu tun. Du befindest dich auf feindlichem Gebiet, wo Kräfte wirksam sind, die dich daran hindern wollen, die Wahrheit weiterzugeben. So ist es wichtig, dass du Dinge erduldest und leidest (2Tim 2,3), dass du dich nicht von der Welt in Beschlag nehmen lässt (2Tim 2,4), dass du den Kampfregeln entsprechend kämpfst (2Tim 2,5) und dass du zuerst arbeitest, bevor du die Früchte genießt (2Tim 2,6).

Zuerst geht es also darum, „mit unter dem Schlechten zu leiden“, wie es wörtlich heißt. Im Anschluss an den vorhergehenden Vers bittet Paulus darum, mit ihm für die Wahrheit des Evangeliums zu leiden. Du bist ein guter Soldat, wenn du weißt, wer dein Feind ist, und du ihn entdeckst, bevor er dich entdeckt. Der Soldat ist hier im aktiven Dienst und nicht in der Kaserne oder im Urlaub. Er steht an der Front und befindet sich ständig in einer Kriegssituation. Er erhält seine Befehle von seinem Vorgesetzten, Christus Jesus, und steht darum ständig mit Ihm in Kontakt.

2Tim 2,4. Um alles weitere braucht er sich keine Gedanken zu machen. Sein Leben ist nicht eingebunden oder verwickelt in „die Beschäftigungen des Lebens“. Damit sind die bürgerlichen Angelegenheiten im Gegensatz zu den militärischen Verpflichtungen gemeint.

Diese Regeln gelten für alle, die dem Herrn dienen, nicht nur für die sogenannten „Fulltimer“. Wenn du dem Herrn dienst, geht es nur um eins: wie du zur Freude des Herrn leben kannst. Demas hatte das aus dem Auge verloren und sich von den Annehmlichkeiten der Welt anziehen lassen (2Tim 4,10; vgl. Lk 8,14). Es ist der Herr Jesus, der dich als Soldat eingezogen und in Dienst gestellt hat, und kein anderer, weder ein Mensch noch die Gemeinde. Wenn du Menschen zufriedenstellen willst, denke daran, dass du dann kein Soldat Christi bist und erst recht kein guter (Gal 1,10).

2Tim 2,5. Eine andere Eigenschaft, auf die du im Dienst nicht verzichten kannst, ist die des Kämpfers. Das Wort „kämpfen“ bedeutet wörtlich „als Athlet kämpfen“. Der Kampf eines Soldaten lässt uns an eine Kriegssituation denken. Beim Kampf eines Athleten geht es um den Preis, die Medaille oder, wie hier, die Krone. Das Bild des Athleten erinnert an jemanden, der damals an den nationalen sportlichen Wettkämpfen der Griechen teilnahm. Wer gewonnen hatte, erhielt eine Krone (2Tim 4,8; 1Kor 9,25; 1Pet 5,4). Diese Krone bestand aus einem Kranz, der beispielsweise aus den Zweigen und Blättern des Olivenbaums geflochten wurde. Der Wert dieser Krone war also gleich null, doch der Ruhm, den eine solche Krone darstellte, war außergewöhnlich groß (Heb 2,7; 9). Um sie zu bekommen, musst du also gewinnen.

Der Sieg konnte jedoch nur gewonnen werden, wenn der Athlet sich an die Regeln hielt, die für den Wettkampf galten. So mussten die Athleten beispielsweise Griechen sein. Auch mussten sie trainiert haben. Sie mussten bei Zeus schwören, dass sie zehn Monate lang trainiert hatten und dass sie sich an die Regeln der Sportart hielten, an der sie teilnahmen. Ebenso gilt auch für den Diener des Herrn, dass er nach den Regeln kämpft. Das heißt also, dass er die Regeln kennen muss und sich auch daran hält. Damit ist kein gesetzlicher Gehorsam gemeint, sondern ein Gehorsam gegenüber dem Herrn und seinem Wort. Er darf nicht nach eigenen Vorstellungen handeln.

2Tim 2,6. Eine letzte Eigenschaft, die Paulus nennt, ist die eines Ackerbauers (vgl. 1Kor 3,9; 1Kor 9,7). Ein Bauer arbeitet ein ganzes Jahr für die Frucht. Er kann das Wachstum nicht beschleunigen, wohl aber dafür sorgen, dass das Wachstum nicht behindert wird. Deshalb wird er Unkraut jäten, zurückschneiden, pflegen, begießen und schützen. Erst nachdem er diese Arbeit gut und ununterbrochen durchgeführt hat, sieht er die Ergebnisse seiner Arbeit. Dann sieht er, wie sein Einsatz sich gelohnt hat, und er kann als Erster von den Früchten genießen. Wenn er nachlässig und ungeduldig wird und die Arbeit halbfertig liegenlässt, macht er seine ganze bisherige Arbeit zunichte und steht schließlich mit leeren Händen da, wenn die Ernte anbricht (Spr 20,4; Spr 24,30; 31). Manchmal bekommst du schon auf der Erde das eine oder andere Ergebnis deiner Arbeit zu sehen. Allerdings wirst du erst beim Herrn alle Früchte deines Dienstes wirklich genießen können.

Also: Der Herr sorgt für dich (2Tim 2,3; 4), und du musst dafür sorgen, dass du entsprechend dem Wort Gottes handelst (2Tim 2,5). Dann darfst du dich darauf freuen, einmal die Früchte zu genießen von allem, was du hier für den Herrn getan hast.

Lies noch einmal 2. Timotheus 2,1–6.

Frage oder Aufgabe: Welche Eigenschaften hat ein guter Diener? Welche Eigenschaften kommen bei dir nicht so gut zur Geltung? Wie kannst du das ändern?

„Bedenke, was ich sage“

2Tim 2,7. Die in den vorhergehenden Versen genannten Beispiele sind, wie ich finde, eigentlich doch sehr deutlich. Trotzdem fordert Paulus Timotheus mit Nachdruck auf, das, was er soeben gesagt hat, doch zu bedenken. „Bedenke“ bedeutet: Achte darauf, erfasse es gedanklich, denke darüber nach, erwäge es. Paulus ermahnt Timotheus hier in Form eines Gebotes. Er möchte, dass Timotheus durch das Nachdenken begreift, was die angeführten Beispiele wirklich bedeuten. Eine solche Haltung ist natürlich für das Lesen des gesamten Wortes Gottes wichtig. Der Herr schenkt dir Verständnis, wenn du über sein Wort nachdenkst. Dann wirst du lernen, seine Gedanken zu erfassen.

Hier siehst du, wie so oft in der Schrift, wie das, was du tun musst, mit dem zusammenhängt, was der Herr tut. Je mehr du über die Schrift nachdenkst und das in deinem Herzen bedenkst, desto stärker wird das Wirken des Heiligen Geistes, um dir innerlich bewusst zu machen, was die Belehrung wirklich bedeutet. Wenn du in Ruhe und Stille vor Gott mit seinem Wort beschäftigt bist, kommt der Herr zu dir und gibt dir Verständnis. Nicht durch den Einsatz deines Verstandes – obwohl man den nicht ausschließen kann –, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes dringst du in göttliche Dinge ein und lernst sie zu verstehen.

2Tim 2,8. Bei allem Nachdenken über die Schrift ist es ganz wichtig, dass du „Jesus Christus im Gedächtnis“ behältst. Es geht um Ihn! Er ist der Mittelpunkt aller Gedanken Gottes. „Verständnis in allen Dingen“ ist vor allem ein Verständnis darüber, wer Jesus Christus ist und was Er getan hat. Dabei hilft dir Paulus, indem er zwei Kernpunkte der Wahrheit nennt, die mit Christus in Verbindung stehen (vgl. Röm 1,3):

1. Zunächst musst du im Gedächtnis behalten, dass Er „aus den Toten auferweckt“ ist. Woran solltest du denken, wenn du darüber nachdenkst, dass Er aus den Toten auferweckt wurde? Daran, dass Gott durch seine schöpferische und lebendig machende Kraft etwas völlig Neues schaffen kann. Die Auferweckung des Herrn Jesus ist dafür der Beweis und auch der Anfang von etwas völlig Neuem. Mit der Welt, der Sünde und dem Tod hat Gott nichts zu tun. Darüber muss Er das Gericht bringen. Was Christus getan hat, öffnet eine neue Welt mit neuen Menschen, wo alles mit Gott in Übereinstimmung ist und wo Christus der Mittelpunkt ist.

2. Es gibt noch etwas, was du in Verbindung mit Jesus Christus im Gedächtnis behalten musst, nämlich dass Er „aus dem Geschlecht Davids“ ist. Das erinnert dich daran, dass Gott in Bezug auf die Verheißungen, die Er seinem Volk Israel gegeben hat, treu ist. Alle diese Verheißungen wird Er erfüllen. Israel wird in Zukunft wieder in dem Land wohnen, das Gott ihnen einmal gegeben hat. Dort wird der Herr Jesus als der wahre Sohn Davids, als der verheißene Messias, auf dem Thron seines Vaters David sitzen in der Stadt seines Vaters David. Von Jerusalem aus wird Er dann die Welt in Frieden und Gerechtigkeit regieren.

Nochmals: Als „auferweckt aus den Toten“ ist Er nun der lebendige Herr im Himmel. Dort lebt Er allezeit, um sich bei Gott für dich zu verwenden (Röm 8,34; Heb 7,25). Er weiß, wie schwierig es ist, als Einzelner dem Wort Gottes treu zu bleiben. Bei dem Ausdruck „aus dem Geschlecht Davids“ darfst du daran denken, dass die Leiden beendet sind, wenn Er wiederkommt, um zu regieren. Dann werden die Dinge auf der Erde so sein, wie sie im Himmel sind: völlig mit Gott in Übereinstimmung. Wenn du Ihn so im Gedächtnis behältst, gibt dir das Kraft, in diesen letzten Tagen zu seiner Ehre zu leben.

Was Paulus hier sagt, weicht nicht von dem ab, was er „mein Evangelium“ nennt. Das bedeutet, dass er dies bei der Predigt des Evangeliums verkündigt, es aber auch selbst im Gedächtnis behalten hatte. Darum hatte er bis jetzt durchgehalten und den Mut nicht verloren. Und darum war er auch jetzt noch stark im Glauben und konnte Timotheus dadurch ermutigen. Was er schrieb, gilt für alle Zeiten, auch jetzt noch und auch für dich.

2Tim 2,9. Die Verkündigung des Evangeliums, der Paulus sich mit ganzer Hingabe widmete, brachte ihm Leiden ein. Er war kein Übeltäter, denn er hatte keine einzige strafbare Handlung begangen. Paulus wurde genauso behandelt wie die beiden, die mit dem Herrn Jesus gekreuzigt und auch Übeltäter genannt wurden (Lk 23,32; 39). Das zeigt, wofür die Gesellschaft sie und ihn hielten. Man stellte ihn mit solchen Leuten auf eine Stufe. Vor allem stand er hier in den Spuren seines Meisters, der „unter die Gesetzlosen gerechnet worden“ ist (Lk 22,37; Jes 53,12).

Er war so von dem Evangelium ergriffen, dass er alles dafür einsetzte. Mochte man auch seine Hände binden, das Wort Gottes konnte nicht gebunden werden. Sein Glaube an dessen Kraft war ungebrochen. Was immer Menschen auch tun mögen, sie können die Kraft des Wortes Gottes weder einschränken noch auslöschen. Seine Verbreitung wird weitergehen. Es wird Herzen und Gewissen überzeugen und Menschen von geistlichen Fesseln befreien. Das Wort Gottes wird jeden Widerstand überwinden. Der Mensch ist wie Gras, das verdorrt, aber das Wort Gottes hält immer stand, es bleibt bis in Ewigkeit (Jes 40,6-8; 1Pet 1,24; 25). Wenn ein Werkzeug durch Gefangenschaft oder Tod daran gehindert wird, das Wort aktiv zu verbreiten, wird Gott neue Werkzeuge einsetzen. Bist du einsetzbar?

2Tim 2,10. Obwohl Paulus, was die Verkündigung angeht, ausgeschaltet war, war er doch hinsichtlich seiner Anteilnahme nicht ausgeschaltet. Seine Gefangenschaft und seine Leiden gehörten dazu. Paulus wusste, dass Gott seine Ketten und Entbehrungen dazu benutzen würde, die Auserwählten zu erreichen und zu segnen. Deshalb war er gern dazu bereit. Er dachte nicht an seine eigenen Schmerzen und Mühen, sondern vielmehr an die Auserwählten. Um ihretwillen ertrug er alles. Auch in dieser Hinsicht glich er seinem Herrn. Der Herr Jesus hat auch alles um der Auserwählten willen ertragen. In seinem Sühnungswerk für jeden Einzelnen der Auserwählten steht Er natürlich einzigartig da. Darin kann niemand Ihm folgen oder es mit Ihm teilen. Wohl aber kannst du seine Hingabe und die Leiden teilen, die Er als Folge seiner Hingabe von Seiten der Menschen erfuhr. Das ist ein Vorrecht.

Das Herz des Paulus schlug für alle, die durch die Predigt des Evangeliums gerettet werden sollten. Je mehr errettet würden, desto größer würde die Herrlichkeit des Herrn Jesus sein (Spr 14,28a). Gott hat Menschen im Blick, die Er erretten will. In seinem Rat hat Er auch bestimmt, dass du gerettet werden solltest. Das wusstest du nicht, bevor das Evangelium dich erreichte und du glaubtest. Du weißt auch nicht, wer nach Gottes Ratschluss errettet werden wird. Das ist ganz allein Gottes Sache und nicht deine.

Für dich gilt, dass Gott will, dass alle Menschen errettet werden. Darum soll das Evangelium allen Menschen gepredigt werden. Gottes Liebe ist allen Menschen zugewandt (Joh 3,16). So sollte es auch bei uns sein (2Kor 5,14). Dass die Auserwählten das Evangelium annehmen werden, ist ein zusätzliches Motiv, allen Widerstand und alle Ablehnung zu ertragen. Um sie geht es. Es wird hier so vorgestellt, als sei es von deinem Einsatz abhängig, ob die Auserwählten auch wirklich errettet werden. Auf die Errettung folgt eine ewige Herrlichkeit. Auch sie ist das Teil aller Auserwählten. Paulus ging es um nichts weniger. Dir doch auch nicht, oder?

2Tim 2,11. Zum vierten Mal weist Paulus darauf hin, dass das Wort gewiss oder zuverlässig ist (1Tim 1,15; 1Tim 3,1; 1Tim 4,9). Im nächsten Brief sagt er es noch einmal (Tit 3,8). Das bezieht sich auf das, was er soeben gesagt hat, und dessen kannst du dir sicher sein. Es kann auch auf das, was nun folgt, bezogen werden. Noch einmal unterstreicht Paulus, dass das Wort bestehen bleibt, auch wenn er selbst seinen Dienst nicht mehr ausüben kann. Du findest in dem Wort alles, was du brauchst, um zu wissen, wie du nach dem Willen Gottes leben sollst und was seine Pläne mit dir, mit der Gemeinde, mit Israel und mit der Welt sind.

Alles beginnt damit, dass du mit Christus gestorben bist. Das Wörtchen „wenn“ darfst du nicht so verstehen, als läge darin etwas Zweifelhaftes und Unsicheres. Es hat vielmehr die Bedeutung von „wenn es denn so ist, dass“ oder „weil“. Weil es so ist, dass du mit Christus gestorben bist, ist dein selbstbezogenes Leben zu Ende, ein Leben, das du gelebt hast, ohne Gott darin einzubeziehen. Du hast erkannt, dass du als Sünder in der Sünde lebtest und Gott dich deshalb für ewig in die Hölle hätte werfen müssen. Die Antwort Gottes auf dieses Bekenntnis war das Evangelium. Darin hat Er dir gezeigt, dass Christus für dich das Gericht getragen hat und dass Er dich in Ihm gerichtet hat. Als Christus starb, starbst du mit Ihm. Aber Christus ist nicht im Tod geblieben. Er ist auferstanden. Und darum bist auch du auferstanden und lebst. Allerdings lebst du jetzt nicht mehr für dich selbst, sondern für Ihn (Gal 2,20). Wenn das mit sich brächte, dass du wie Christus den Märtyrertod erleiden müsstest, würdest du, wie Christus, dennoch leben, und zwar zusammen mit Ihm.

2Tim 2,12. Nun ist der Märtyrertod nicht für jeden vorgesehen. Wohl aber wird jeder, der vom Herrn Jesus zeugt, in irgendeiner Form Leiden erfahren. Diesen Leiden steht das Herrschen mit Ihm gegenüber. Das zukünftige Reich steht hier mit Leiden in Verbindung (vgl. Apg 14,22; Röm 8,17; 2Thes 1,4; 5). Der Blick auf die großartige Zukunft, wo du zusammen mit dem Herrn Jesus regieren wirst, gibt dir heute die Kraft, Schmach und Ablehnung zu ertragen. Bald mit Ihm zusammen regieren zu dürfen, ist eine Belohnung für das, was du jetzt erträgst.

Wie du siehst, ist es jetzt noch nicht an der Zeit, mit Ihm zu regieren. Nicht regieren ist jetzt unser Auftrag, sondern ertragen. Paulus hatte das schon den Korinthern vorgestellt, die auch gern schon einen Vorschuss auf das Regieren im Friedensreich gehabt hätten, weil sie keine Lust hatten, Schmach zu erleiden (1Kor 4,8-13). Der Herr Jesus hat uns ein vollkommenes Beispiel gegeben, als Er zu Pilatus sagte: „Jetzt aber ist mein Reich nicht von hier“ (Joh 18,36).

Nach einigen positiven „Wenn“, verbunden mit einer entsprechenden Verheißung, folgen nun einige negative „Wenn“, verbunden mit einer entsprechenden Folge. Ihn „verleugnen“ bedeutet, wider besseres Wissen bestreiten, Ihn zu kennen. Das geschieht, wenn Menschen, die bekennen, eine Beziehung zum Herrn Jesus zu haben, gegenüber anderen Menschen diese Beziehung leugnen.

Ein deutliches Beispiel dafür haben wir in der Verleugnung des Petrus (Mt 26,69-74). Von Petrus wissen wir ganz sicher, dass er ein Gläubiger war, denn er bekannte diese Sünde, und der Herr vergab ihm. Diese Sünde kann also jeder Gläubige begehen. Wenn das geschieht, muss der Herr diesen Gläubigen verleugnen, so wie Er auch Petrus verleugnen musste. Von dem Augenblick an, als Petrus den Herrn Jesus verleugnete, hat der Herr zu seinem Vater gesagt, dass Er Petrus nicht kenne. Das heißt nicht, dass Er Petrus nicht im Auge behielt und ihn zur Buße führte (Lk 22,61). Doch bis zum Augenblick der Buße verneinte der Herr vor seinem Vater, Petrus zu kennen. Diese Verleugnung durch den Herrn beinhaltet auch, dass Petrus Segen und Lohn verlor, die er bekommen hätte, wenn er den Herrn nicht verleugnet hätte. Den Herrn zu verleugnen, hat also Folgen, sowohl für heute als auch für die Zukunft.

Auch Menschen, die nur mit ihrem Mund bekennen, dass sie den Herrn kennen, Ihn mit „Herr, Herr“ anreden (Mt 7,21), kommen in Situationen, in denen sie den Herrn verleugnen. Der Herr wird auch sie verleugnen, doch die Folgen sind dann weitaus schwerwiegender. Der Herr wird sie ewig verleugnen (Mt 10,33; Mt 7,22; 23).

Lies noch einmal 2. Timotheus 2,7–12.

Frage oder Aufgabe: Was erfährst du hier über den Herrn Jesus und deine Verbindung mit Ihm?

Der feste Grund Gottes

2Tim 2,13. Während man beim Verleugnen davon sprechen kann, dass sowohl Menschen als auch der Herr selbst (wenn auch in einem anderen Sinn) verleugnen, geht das bei Untreue nicht. Wir Menschen können untreu sein, aber der Herr kann nicht untreu sein. Er kann Menschen verleugnen, die Ihn verleugnen, aber Er kann sich selbst nicht verleugnen. Er kann sich selbst nicht untreu werden. Er kann nicht im Widerspruch zu seinem Wesen als Heiliger und Gerechter handeln. Wenn wir untreu sind, kann Er nicht mit uns gehen. Wenn wir untreu sind, wird Er uns in seiner Treue mit entsprechenden Maßnahmen begegnen, um uns wieder auf den Weg des Gehorsams Ihm gegenüber zurückzubringen. Das können schmerzliche Maßnahmen sein. In jedem Fall sind es Maßnahmen, die uns demütigen, weil Gott uns zur Einsicht und zum Bekenntnis bringen will. Dann kann Er uns in der gleichen Treue sich selbst gegenüber wieder segnen, denn das ist es, was Er mit uns im Auge hat.

2Tim 2,14. Was Paulus in den vorhergehenden Versen gesagt hat, sollte Timotheus den Gläubigen in Erinnerung bringen. Diese besonderen Gesichtspunkte der Wahrheit sollte er seinen Hörern einprägen, und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. Weiter sollte er die Gläubigen ernstlich ermahnen, gut auf ihre Worte zu achten. Er sollte seine Warnung durch den Hinweis bekräftigen, dass sie alle ihre Worte nicht nur voreinander, sondern auch vor Gottes Angesicht aussprachen.

Das Bewusstsein, dass Gott Zeuge all dessen ist, was wir sagen, wird uns in unserem Reden vorsichtig sein lassen. Dann werden wir nicht schnell dazu verleitet werden, Wortstreit zu führen. Worte sind sehr wichtig für eine klare Auslegung der Wahrheit. Wenn allerdings um Worte, die jemand gesagt hat, Streit entsteht, wird das Ergebnis „zum Verderben der Zuhörer“ sein. Der Zweck jedes Dienstes ist es, dass er für die Zuhörer zum Nutzen und Gewinn ist, nicht aber, dass er ihnen Schaden zufügt oder sogar ihr Glaubensleben zerstört.

2Tim 2,15. Damit du selbst standhaft bleibst und dich beispielsweise nicht in einen Wortstreit mit hineinziehen lässt, musst du dich befleißigen, „dich selbst Gott bewährt darzustellen“. Es geht darum, dass Gott dich als jemanden betrachten kann, der Ihm trotz anhaltender Prüfung doch treu geblieben ist. Das fällt dir nicht in den Schoß, sondern erfordert von dir sorgfältigen und disziplinierten Einsatz.

Wenn für dich wichtig ist, was der Herr über dich denkt, bist du ein „Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat“. Mit „Arbeiter“ wird hier nicht eine besondere Stellung angedeutet. Es geht um Menschen, die bereit sind, sich einzusetzen, und sich viel Mühe geben, um den Gläubigen zu dienen. Wenn du dich auch dafür einsetzen willst, hast du keinen Grund, dich zu schämen, denn deine Arbeit wird dann nicht vergeblich und wertlos sein.

Mit dem Wort der Wahrheit ist die Gesamtheit dessen gemeint, was Gott in seinem Wort offenbart hat. Es recht zu teilen, bedeutet, bei der Auslegung der Wahrheit den richtigen Kurs durch die Schrift hindurch zu verfolgen, so dass die Wahrheit ausgeglichen ausgelegt wird. Das mit „recht teilt“ übersetzte Wort wird zum Beispiel von Architekten gebraucht, wenn es um die Planung eines Gebäudes geht. Alles wird dabei an seinen rechten Platz gestellt, wobei die Böden im richtigen Verhältnis zu den Mauern stehen müssen.

Das zeigt, wie wichtig es ist, jeden Teil des Wortes im richtigen Zusammenhang darzustellen und ihm seinen richtigen Platz zu geben. Dann gibt es keine Überbetonung der einen Wahrheit auf Kosten einer anderen Wahrheit. Vielmehr wird die Harmonie zwischen den verschiedenen Teilen der Wahrheit aufgezeigt. Wenn Gesetz und Gnade miteinander verquickt werden oder wenn jüdische Gebräuche in den christlichen Gottesdienst eingeführt werden, wird die Wahrheit nicht recht geteilt.

2Tim 2,16. Wenn du so mit dem Wort Gottes umgehst, wirst du keine Mühe haben, ungöttliches Geschwätz zu erkennen und dich ihm zu entziehen. Es wird von dir nicht erwartet, dass du versuchst, sie auf andere Gedanken zu bringen. Das wäre Energieverschwendung, und du würdest dich damit dem verderblichen Geschwätz aussetzen. Es ist nicht auszuschließen, dass du davon beeinflusst wirst.

2Tim 2,17. Diese Menschen kommen nicht zur Einsicht, sondern treiben es im Gegenteil immer bunter. Sie sind nicht zum Halten zu bringen. „Ihr Wort wird um sich fressen wie Krebs.“ Der Ausdruck „um sich fressen“ bedeutet wörtlich „Weide finden“ (vgl. Joh 10,9). „Ihr Wort“ ist nicht nur ihre Lehre als Irrlehre, sondern in ihrem ganzen Reden zeigt sich ihr verkehrtes Denken. Was sie sagen, wirkt wie Sauerteig: Es verdirbt alles, womit es in Berührung kommt. So greift das Virus ihrer bösen Worte um sich und breitet sich unaufhaltsam aus. Deshalb die Aufforderung, sich dem zu entziehen und sich nicht damit einzulassen.

2Tim 2,18. Wieder nennt Paulus zwei Namen. In Kapitel 1 hatte er die Namen von zwei Menschen genannt, die sich von ihm abgewandt hatten (2Tim 1,15). Bei den Namen, die er jetzt nennt, geht es um Menschen, die von der Wahrheit abgeirrt waren. Ihre Irrlehre bestand in der Behauptung, dass die Auferstehung der Gläubigen bereits stattgefunden habe. Sie leugneten also nicht die Auferstehung, sondern erklärten, dass sie bereits geschehen und somit kein zukünftiges Ereignis mehr sei. Das würde bedeuten, dass du bereits vollkommen bist, dass du nicht mehr sündigen kannst und dass du die Welt für dich beanspruchen kannst.

Zudem bedeutet es auch, dass es bei deinem Tod aus und vorbei ist. Denn die Auferstehung hat ja schon stattgefunden! Um nicht irgendeiner Irrlehre zum Opfer zu fallen, musst du das Wort Gottes lesen und kennen. Du solltest dich nicht mit Menschen einlassen, die Dinge predigen, die das Werk des Herrn Jesus und dessen Ergebnisse beschädigen, indem sie eigene Argumente damit verbinden. Sie lassen sich vom Teufel gebrauchen, der stets darauf aus ist, das Wort Gottes zu verdrehen und es so seiner wahren Bedeutung zu berauben. Es sind Menschen, die den Glauben unbefestigter Seelen zerstören, die selbst die Bibel nicht betend lesen, um dadurch in Gemeinschaft mit Gott zu leben.

2Tim 2,19. Diese Diener des Teufels, die sich unter den Christen befinden, sind nicht immer direkt zu erkennen. Manchmal fragst du dich: Habe ich es nun mit einem Kind Gottes zu tun oder nicht? Vieles von dem, was gesagt wird, klingt so vertraut, so biblisch, dass du geneigt bist, es als eine Bereicherung für dein Glaubensleben anzunehmen. Oft klingt es auch sehr schön. Und doch gibt es auch Äußerungen oder Lehren, die dir das Gefühl geben, dass dabei etwas nicht stimmt, oder von denen du sagen musst, dass sie nicht mit der Bibel übereinstimmen. Du stellst eine gewisse Vermischung fest. Du hörst schöne Dinge, aber du hörst auch fremde und sogar verkehrte Dinge. Dieses Durcheinander ist in die Christenheit eingedrungen, weil die Christen nicht wachsam geblieben sind. Das bot dem Teufel Gelegenheit, verkehrte Elemente einzuführen (Mt 13,24; 25; 37-39).

Wie sollst du nun damit umgehen? Du willst niemand zu Unrecht beschuldigen, willst dich aber vor allem nicht einer Irrlehre aussetzen. Du möchtest von anderen lernen, möchtest in dem anderen dann aber doch ein echtes Kind Gottes erkennen können, das in der Lehre des Wortes Gottes gesund ist. Du willst Gemeinschaft mit Gläubigen haben, willst aber keine Gemeinschaft mit Bösem haben. Die Gemeinschaft mit dem Herrn geht dir über alles, und deshalb willst du dich davor hüten, Lehren anzunehmen, die dich vom Herrn entfernen.

Auf alle diese Überlegungen reagiert Paulus mit einem „Doch“ und weist damit auf das hin, was uns in Zeiten der Verwirrung Halt geben kann. „Der feste Grund Gottes steht“ nämlich sicher da und trägt ein Siegel. Dieses Siegel ist eine Zusicherung in doppelter Hinsicht. Der eine Aspekt dieser Sicherheit ist die Seite Gottes, das, was Er sieht. Wenn es für dich auch manchmal schwierig oder fast unmöglich ist, festzustellen, ob jemand nun auch wirklich ein Kind Gottes ist oder nicht – für den Herrn ist das kein Problem. Er weiß genau, wer Ihm angehört. Es ist ausgeschlossen, dass Er verunsichert werden könnte. Er weiß genau, wer neues Leben hat, weil Er es selbst gegeben hat.

Der andere Aspekt dieser Sicherheit betrifft die Seite des Menschen, das, was du siehst. Du kannst das Leben eines anderen beurteilen (ebenso wie andere dein Leben beurteilen können). Du siehst, ob jemand, der den Namen des Herrn nennt, der sich also zu Ihm bekennt, das auch in seinem Leben zeigt. Bei denen, die neues Leben haben, wirst du feststellen, dass sie nichts zu tun haben wollen mit allem, was den Herrn Jesus oder sein Werk in einer verkehrten Weise darstellt, und dass sie dem Wort Gottes gern alle Autorität über ihr Leben geben wollen.

Lies noch einmal 2. Timotheus 2,13–19.

Frage oder Aufgabe: Welche Gegensätze begegnen dir in diesem Abschnitt?

Ein Gefäß zur Ehre und ein reines Herz

Man kann wohl sagen, dass die Verse, die du in diesem Abschnitt findest, sehr aktuell sind. Die Verwirrung in der Christenheit nimmt zu. Wie kannst du darin deinen Weg finden? Glücklicherweise hat der Herr diese Situation vorausgesehen: Der Zustand würde nicht mehr so sein wie in der Anfangszeit der Gemeinde. Damals wagte keiner der Ungläubigen, sich der Gemeinde anzuschließen (Apg 5,12-14). Im vorigen Abschnitt hast du gesehen, dass der Herr durchaus weiß, wer Ihm angehört (Joh 10,14), auch wenn du das nicht immer erkennen kannst.

Du hast auch die Seite deiner Verantwortung gesehen, dass du alles meiden sollst, was im Widerspruch zur Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes steht. Der Maßstab dafür ist Christus, seine Person und sein Werk und das Wort Gottes. Wenn die Vollkommenheit Christi oder die seines Werkes oder des Wortes Gottes in Zweifel gezogen wird oder wenn sie verkehrt vorgestellt oder in einigen Aspekten geleugnet wird, brauchst du dich nicht zu fragen, ob du es mit einem Gläubigen zu tun hast oder nicht. Das kannst du dem Herrn überlassen. Deine Aufgabe ist es, dich zurückzuziehen, und zwar von jedem, der das tut, und von jeder christlichen Gruppe, wo das geduldet wird.

2Tim 2,20. Um das eine und andere zu verdeutlichen, benutzt Paulus das Bild eines großen Hauses. Vielleicht erinnerst du dich, dass er auch in seinem ersten Brief von einem Haus gesprochen hat (1Tim 3,15). Dort bezeichnet er die Gemeinde des lebendigen Gottes als „Haus Gottes“. Damit will er ausdrücken, dass alle wahren Gläubigen dieses Haus bilden. Hier spricht er nicht vom „Haus Gottes“, sondern von „einem großen Haus“. Wenn du wissen willst, was er damit meint, musst du nachsehen, was sich in dem Haus befindet.

So wie das große Haus auf etwas hinweist, weisen auch diese Gefäße auf etwas hin. Zunächst einmal ist mit einem Gefäß eine Person gemeint (vgl. Apg 9,15; 1Thes 4,4). Weiter fallen zwei Dinge auf, wenn man die Beschreibung der Gefäße liest:
1. sie unterscheiden sich im Material: Gold, Silber, Holz, Erde, und
2. im Gebrauch: zur Ehre, zur Unehre.

Schauen wir uns zuerst die unterschiedlichen Materialen an. Wichtig ist noch zu wissen, worauf diese Materialien hinweisen. Darüber gibt 1. Korinther 3 weiteren Aufschluss (1Kor 3,12; 13). Dort kannst du lesen, dass das Feuer den Unterschied deutlich macht: Gold und Silber werden durch Feuer nicht verändert, Holz und das, was aus der Erde hervorkommt, verbrennen hingegen. Das Feuer ist ein Bild für die Gerechtigkeit Gottes, die alles prüft und erprobt. Goldene und silberne Gefäße weisen auf Gläubige hin. Wenn Gott sie in seiner Gerechtigkeit prüft und erprobt, wird deutlich, dass sie in Christus Gottes Gerechtigkeit besitzen.

Hölzerne und irdene Gefäße sind Ungläubige. Wenn sie von Gott in seiner Gerechtigkeit geprüft und erprobt werden, kommen sie um, denn ihnen fehlt Christus als ihre Gerechtigkeit. Wenn du noch einmal an das Siegel denkst, hast du hier die eine Seite des Siegels, auf der steht, dass der Herr die Seinen kennt. Um mit dem Bild von Paulus zu reden: Der Herr weiß, wer ein goldenes oder silbernes Gefäß ist und wer ein hölzernes oder irdenes Gefäß ist, auch wenn wir das nicht immer erkennen können.

Aber auch deine Seite kommt in dem Bild zur Sprache. Wegen der Verwirrung innerhalb der Christenheit kannst du oft nicht erkennen, um welches Material es sich handelt. Wohl aber kannst du und sollst du auch beurteilen, ob jemand ein Gefäß zur Ehre oder ein Gefäß zur Unehre ist. Hier hast du die andere Seite des Siegels. Ein Gefäß zur Ehre ist jemand, der den Namen des Herrn nennt, und das zeigt sich dadurch, dass er von der Ungerechtigkeit absteht.

2Tim 2,21. Bis jetzt scheint es so, als gehe es nur darum zu beurteilen, was andere tun. Doch die entscheidende Frage ist natürlich, ob du ein Gefäß zur Ehre sein willst. Die Antwort auf diese Frage sollte „ja“ lauten. Doch damit ist eine Bedingung verknüpft. Um ein Gefäß zur Ehre zu sein, musst du dich von den Gefäßen zur Unehre wegreinigen. Und wer sind die Gefäße zur Unehre? Menschen, die nicht von der Ungerechtigkeit abstehen.

Was heißt das nun: von der Ungerechtigkeit abstehen? Dieses Abstehen hat zwei Seiten. Es heißt einerseits, sich von Menschen zurückzuziehen, die eine verkehrte Lehre vertreten. Es bedeutet auch, sich von Menschen zurückzuziehen, die selbst zwar keine verkehrte Lehre vertreten, aber doch bewusst mit solchen in Verbindung bleiben, die eine verkehrte Lehre vertreten. Sie unternehmen nichts, wenn Dinge gepredigt werden, die der Schrift direkt entgegenstehen. Ein Beispiel dafür sind christliche Gemeinschaften, wo liberale Theologen ungehindert ihre verderblichen Lehren verkünden können oder wo eine unbiblische Lebensweise, wie zum Beispiel das Zusammenleben von Unverheirateten, geduldet wird, ohne dass Gemeindezucht ausgeübt wird.

Ich möchte dich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es in diesem Abschnitt um deine persönliche Treue und deine persönliche Verantwortung geht. Du solltest den Zusammenhang dieses Abschnittes gut beachten. Dann siehst du, dass dein Abstehen von der Ungerechtigkeit eine persönliche Sache ist. Das Wort Gottes sagt hier nicht, dass du das von anderen fordern sollst. Jeder muss für sich selbst in Übereinstimmung mit diesem Schriftwort handeln. Du musst dich sowohl von Sünde in deinem eigenen Leben reinigen als auch von Sünde in der Gemeinschaft, in der du bist. Wenn die Gemeinschaft den Sauerteig (ein Bild der Sünde) nicht hinaustut (1Kor 5,7; 13), hast du hier die Aufforderung, dich selbst davon zu reinigen.

Ich möchte dich auch noch nachdrücklich darauf hinweisen, dass es hier um Lehren oder Praktiken geht, die die Grundlagen des christlichen Glaubens antasten, also Christus, sein Werk und sein Wort. Es geht nicht um Erkenntnisunterschiede bei bestimmten Wahrheiten der Schrift. Leider gibt es unter Christen eine ganze Reihe solcher Unterschiede, zum Beispiel was die Zukunft oder die Gemeinde angeht. Doch darum geht es hier nicht. Ich sage damit nicht, dass das, was die Schrift über die Zukunft oder über die Gemeinde sagt, nicht wichtig sei. Alles in der Schrift ist wichtig, denn es ist alles das Wort Gottes. Dennoch darf man ein anderes Verständnis einer biblischen Wahrheit nicht mit dem Antasten der Person der Herrn Jesus oder der Fundamente unseres Glaubens gleichsetzen. Und genau das Letztere wird in diesem Abschnitt behandelt, denn es geht um Ihn und sein Werk. Darüber darf es keine unterschiedlichen Auffassungen geben.

Dass ich mich auch im Blick auf das Gemeindeleben von anderen Gläubigen absondere, hat nicht nur damit zu tun, dass wir hier aufgefordert werden, von der Ungerechtigkeit abzustehen. Ich schließe mich auch solchen Gemeinschaften nicht an, wo es zwar nichts Böses im Sinn einer fundamentalen Irrlehre gibt, wo aber die Gemeindeform nicht dem entspricht, was ich im Wort Gottes gefunden habe. Wenn ich zum Beispiel an Apostelgeschichte 2,42 (Apg 2,42) oder 1. Korinther 14,26–40 (1Kor 14,26-40) denke, möchte ich gern da sein, wo man bestrebt ist, das in die Praxis umzusetzen.

Ich bin auf diese Verse auch deshalb etwas ausführlicher eingegangen, weil aufgrund dieses Abschnittes vielen Gläubigen Unrecht getan worden ist und getan wird. Das geschieht dann, wenn man sie als „Gefäße zur Unehre“ bezeichnet, obwohl auch sie alles verwerfen, was Christus, sein Werk und sein Wort antastet. Obwohl sie das Leben als Gemeinde in einer anderen Form praktizieren, als es nach meiner Überzeugung richtig ist, halten sie doch die Ehre des Herrn hoch. Sie weisen verkehrte Lehren zurück und lassen ein Leben in der Sünde nicht zu. Auch sie möchten gern „ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn“.

Glücklicherweise finden sich auf der ganzen Welt dem Herrn hingegebene Christen, die Ihn durch ihr Leben ehren. Sie sind echte Gefäße zur Ehre. Sie führen ein geheiligtes Leben und bekommen deshalb auch die Schmach und Verfolgung der Welt zu spüren, manchmal mehr als wir. Sie bekennen nicht nur mit ihrem Mund den Herrn Jesus als ihren Herrn (ein Titel, der die absolute Autorität Christi über ihr Leben zum Ausdruck bringt), ihr ganzes Leben zeugt davon.

Ich hoffe, dass das auch für dich gilt. Dann bist du „zu jedem guten Werk bereitet“, das heißt, du bist einsatzfähig, um einen Dienst zu tun, der „gut“ ist. Das möchtest du ja auch gern, und darüber kann man nur jubeln.

2Tim 2,22. Bevor du jedoch aus den Startlöchern schießt, um den dann aufgezählten Dingen nachzujagen, wird dir etwas gesagt, was du dir gut merken solltest. Du hast nämlich mit „jugendlichen Begierden“ zu tun. Vielleicht denkst du, dass sich das auf sexuelle Begierden bezieht. Die gehören sicher auch dazu, aber es beschränkt sich nicht darauf, und ich glaube auch gar nicht, dass es hier in erster Linie darum geht. Es sind Begierden, die für Jugendliche kennzeichnend sind. Dabei solltest du an das Geltungsbedürfnis denken, sich Gehör zu verschaffen und mitreden zu wollen.

Was sich bei jungen, eifrigen Gläubigen oft zeigt, ist ein scharfer Blick für die Fehler anderer, während man sein eigenes Herz noch gar nicht so recht kennengelernt hat. Wenn du merkst, dass Geltungsbedürfnis dein Handeln bestimmt, musst du fliehen und dich aus der Situation zurückziehen, bevor du etwas kaputtmachst (vgl. 1Mo 39,12; 1Tim 6,11; 1Kor 6,18; 1Kor 10,14). Bedenke, dass du dich selbst noch nicht so gut kennst und noch nicht die geistliche Reife hast, in bestimmten Fällen etwas zu sagen oder zu tun, selbst wenn du die Situation richtig beurteilen magst.

Mit solch einer Haltung kannst du dann anfangen, etwas Positives zu tun. Das Abstehen ist einerseits notwendig, es ist allerdings nur die negative Seite. Deshalb gilt andererseits, nach dem zu streben, was mit dem Herrn übereinstimmt.

1. Das ist zuallererst „Gerechtigkeit“, nämlich so zu handeln, wie es vor Gott und Menschen recht ist.
2. Auch Glauben oder Glaubensvertrauen ist ein unverzichtbares Kennzeichen, wenn alles um dich her verwirrt ist und der Herr und sein Wort dein einziger Halt sind.
3. Dazu kommt die Liebe. Ohne Liebe in deinem Herzen werden Gerechtigkeit und Glauben zu Äußerungen eines gesetzlichen Geistes.
4. Schließlich heißt es hier noch, dass du nach Frieden streben sollst. Du sollst keine Unruhe stiften, sondern ein Friedensstifter sein.

Wenn du jetzt denkst, dass du das alles ganz allein schaffen musst, hörst du am Ende von 2Tim 2,22, dass das ein Irrtum ist. Nirgendwo in der Schrift begegnet dir eine Aufforderung, als Christ ein Einzeldasein zu führen. Sich von Gefäßen zur Unehre zu trennen, ist notwendig. Wenn du dich aber darauf beschränkst, führt das zu Pharisäismus, einer Haltung, bei der du dich für heiliger als andere hältst. Deshalb bekommst du nun zu hören, dass du dich denen anschließen sollst, „die den Herrn anrufen aus reinem Herzen“. Mit der Hilfe des Herrn wirst du erkennen können, ob der andere ein reines Herz hat, ebenso wie der andere das bei dir erkennen muss. Dazu muss man miteinander reden. Lass dabei Christus, sein Werk und sein Wort das Thema sein. Dann wird schnell deutlich, ob Er aus einem reinem Herzen angerufen wird.

2Tim 2,23. Nachdem davon die Rede war, dass wir den Namen des Herrn aus reinem Herzen anrufen sollen, ist dir wohl bewusst, dass „die törichten und ungereimten Streitfragen“ dem direkt entgegenstehen. Debatten und Streitgespräche werden zum Vergnügen für die Öffentlichkeit organisiert, die dann auch noch den Gewinner wählt. Meistens führt das Menschen nicht näher zusammen, sondern macht die Kluft nur noch größer. Die Meinungsverschiedenheiten werden nicht beigelegt. Es entsteht nur noch größere Uneinigkeit. Oft geht es auch nicht einmal um Inhaltliches. Es ist ein nutzloses und undiszipliniertes Wortgefecht. Die aufgeworfenen Fragen kommen nicht aus einem reinen Herzen, sondern von Menschen, die nach ihren eigenen Vorstellungen und ihrem eigenen Willen handeln wollen. Lass dich nicht darauf ein, höre dir das erst gar nicht an, sondern weise es ab. Wenn du auf Streitfragen eingehst, beteiligst du dich daran, Streitigkeiten zu erzeugen. Und das solltest du als Knecht des Herrn nun wirklich nicht tun.

2Tim 2,24. Statt einen Geist des Aufruhrs zu fördern, solltest du gegenüber allen, ohne Unterschied, freundlich und mild sein. Wenn du freundlich bist, stößt du niemanden ab, sondern ziehst die Menschen vielmehr an. Freundlichkeit ist eine Haltung, die Vertrauen schafft. Wichtig ist auch, dass ein Knecht des Herrn in einer Position, wie Timotheus sie einnahm, in der Lage ist, andere zu lehren. Seine Belehrung ist klar und einleuchtend. Sie ist nicht schwer zu verstehen und besteht nicht aus verschwommenen und rätselhaften Formulierungen. Ein weiteres wichtiges Kennzeichen für einen Knecht des Herrn ist seine Geduld. Er erträgt das Böse, das man ihm antut oder über ihn redet, ohne sich zu erregen oder sich dagegen aufzulehnen.

2Tim 2,25. Dass er törichte Streitfragen abweist, bedeutet nicht, dass er die Person abweist. Derjenige, der der Wahrheit widersteht, soll für den Herrn gewonnen werden. Deshalb wird er die Widersacher nicht mit bissigen Bemerkungen zu korrigieren versuchen, sondern in Sanftmut. Sanftmut ist ein Kennzeichen des Herrn Jesus (Mt 11,29) und hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern gerade mit Standfestigkeit. Wenn es etwas gibt, wodurch Menschen zur Buße kommen, ist es gerade diese Eigenschaft. Wer sanftmütig ist, gleicht dem Herrn Jesus.

Gott bringt Menschen zur Buße, damit sie die Wahrheit erkennen, indem Er sie mit seinem Sohn in Verbindung bringt. Paulus benutzt hier das Wort „etwa“, weil er weiß, dass nur Gott Buße bewirken kann und darin souverän ist. Er überlässt das Ergebnis Gott. Auch hier siehst du wieder, dass die Verantwortung eines Dieners und die Souveränität Gottes sich nicht gegenseitig ausschließen.

Im Herrn Jesus, der die Wahrheit ist (Joh 14,6), erkennen wir sowohl die Wahrheit über Gott als auch über den Menschen.

2Tim 2,26. Wer Ihn in den Blick bekommt, bekommt die Wahrheit in den Blick. Wenn die Aufmerksamkeit auf den Herrn Jesus gerichtet wird, werden Widersacher vielleicht wieder nüchtern aus dem Fallstrick des Teufels. Es geht hier nicht um Ungläubige im Allgemeinen, sondern um solche, die bekennen, Ihm anzugehören, aber in den Fallstrick des Teufels geraten sind. Sie beteiligen sich daran, das Wort Gottes zu verdrehen, und lehren falsche Dinge über den Herrn Jesus. Als Gefangene des Teufels tun sie seinen Willen. Sie ziehen hinaus und verbreiten Lügen. Sie sind so vom Teufel verblendet, dass sie glauben, die Wahrheit vorzustellen (vgl. Joh 16,2).

Es geht also um eine Buße bei solchen, die bekennen, Christen zu sein. Erst wenn sie Buße tun, werden sie die ganze Wahrheit erkennen und die Scheinwahrheit, die sie gepredigt haben, verwerfen. Bis zu diesem Augenblick leben sie in einem Rausch, einem Wahn, während sie glauben, sie würden die richtige Lehre bringen. Buße führt sie zur Ernüchterung, so dass sie klar sehen und denken können, um den Willen Gottes tun zu können.

Lies noch einmal 2. Timotheus 2,20–26.

Frage oder Aufgabe: Welche positiven und welche negativen Aufforderungen erhältst du hier?

© 2023 Autor G. de Koning

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