2.Timotheus 1
2 Timothy 1 Kingcomments Bibelstudien

Einleitung

Nachdem Paulus aus seiner ersten Gefangenschaft entlassen worden war (vgl. Phil 1,23-26; Phil 2,19-24; Phlm 1,22), schrieb er den ersten Brief an Timotheus und den Brief an Titus. Diesen zweiten Brief an seinen jungen Freund schrieb er während seiner zweiten Gefangenschaft. Seine zweite Gefangenschaft war viel schlimmer als seine erste. Er wusste auch, dass er nicht noch einmal freigelassen werden würde, sondern dass er verurteilt werden und den Märtyrertod sterben würde. Wenn du dir diesen Hintergrund stets vor Augen hältst, wirst du beim Lesen spüren, welche Kraft von diesem Brief ausgeht. Der Mann, dessen freimütiges Zeugnis und Gottvertrauen in schweren Zeiten wir hier sehen, war ein Mann, der bereit war, für das, was Gott ihm anvertraut hatte, zu sterben. Dadurch ist dieser Brief einerseits eine Warnung, andererseits aber auch eine Ermutigung für den Menschen Gottes in der letzten Zeit.

Man kann diesen Brief als eine Abschiedsbotschaft von Paulus betrachten (siehe auch Apg 20,17-38), so wie wir auch Abschiedsworte von Jakob (1Mo 49,1-33), Mose (5Mo 33,1-29) und Samuel (1Sam 12,1-25) haben. Vielleicht sollte man besser noch von dem geistlichen Testament des Apostels sprechen. In einem Testament erklärt jemand, was nach seinem Tod mit seinem Besitz geschehen soll. Paulus wusste, dass sein irdisches Leben in Kürze zu Ende gehen würde. Er hinterlies ein geistliches Erbe: die Wahrheit, die Gott ihm anvertraut hatte. Wie sollten die Gläubigen damit umgehen, wenn er nicht mehr da sein würde? Das wird er in diesem Brief darlegen.

Im Dienst für Gott hatte Paulus durch das Evangelium die Gemeinde Gottes auf der Erde gegründet und auferbaut. Seine Arbeit war getan. Und mit der Gemeinde hier auf der Erde würde es genauso gehen wie mit allem, was Gott dem Menschen in die Hand gegeben hat. Paulus sieht schon im Voraus ihr Abweichen und ihren Verfall. Dabei erkennt er auch ganz deutlich, in welche Verhältnisse die Gemeinde nach seinem Abscheiden geraten würde (vgl. Apg 20,29). Er hat den Verfall im Blick, der nach seinem Sterben zunehmen würde. Die Anweisungen, die er in seinem geistlichen Testament gibt, sind deshalb von großer Wichtigkeit für die Gemeinde in all der Zeit seit dem Entschlafen des großen Apostels.

In diesem Brief triffst du sehr oft auf Gefühlsregungen. Paulus war ein Mensch von gleichen Empfindungen wie wir. Er blickt auf sein Lebenswerk zurück und sieht, was daraus geworden ist. Das tut er nicht als ein kaltblütiger Analytiker, der sich die kühlen Zahlen einer Statistik anschaut. Er durchlebt seine Arbeit erneut und empfindet auch, wie es weitergehen wird. Aus diesen Empfindungen heraus stellt er Richtlinien auf für eine Zeit, in der alles noch viel weiter abwärtsgehen wird, so dass von der Gemeinde, wie sie am Anfang bestand, kaum noch etwas wiederzuerkennen ist.

Wenn du diesen Brief liest, hörst du, wie er die Sorge seines Herzens mit einem (jungen) Mann teilt, der darüber ebenso besorgt war wie er. Er tut das in einer Weise, dass der Brief für alle Zeiten wichtig wird. So ist dieser Brief daher auch deutlich ein vom Heiligen Geist inspirierter Brief und damit ein Teil der Bibel. Der Heilige Geist unterrichtet uns in diesem Brief über das Abweichen der Gemeinde von ihrem ursprünglichen Zustand. Er zeigt uns auch auf, wie unter solchen Umständen der sichere Weg für die aussieht, denen es um Gott und um ein Leben zu seiner Ehre geht. Dieser sichere Weg beruht auf zwei Grundsätzen, aus denen jeder, der inmitten eines solchen Durcheinanders und einer solchen Verwirrung lebt, wie der Apostel Trost schöpfen kann. Diese beiden Grundsätze sind
a) der feste Grund Gottes und
b) das Abstehen von der Ungerechtigkeit.
Was das bedeutet, wird klarwerden, wenn wir Kapitel 2 betrachten.

Der Brief enthält nicht nur Warnungen und Ermutigungen, er ist auch kämpferisch. Denn trotz des ganzen Verfalls solltest du nicht wie ein Häufchen Elend dasitzen. Je größer der Verfall ist, desto mehr sind wir herausgefordert, Menschen Gottes zu sein, ob Mann oder Frau. Ein Mensch Gottes ist jemand, der in einer Umgebung, in der man Gottes Rechte nicht mehr beachtet, zeigt, wer Gott ist. Die Kraft dazu liegt nicht in uns selbst. In einem Menschen Gottes wird jedoch der Geist Gottes wirken, auch wenn die Christenheit voller Selbstzufriedenheit ist. Ich hoffe, dass du ein Mensch Gottes sein möchtest.

Verheißung des Lebens und Segenswunsch

2Tim 1,1. Obwohl der Ton dieses Briefes vertraulich und freundschaftlich ist, stellt Paulus am Anfang doch seine Apostelschaft und damit seine apostolische Autorität heraus. Er verbindet seine Apostelschaft mit einigen Dingen, die sehr wichtig sind im Blick auf die Autorität, mit der er in diesem Brief Richtlinien für die Zeit des Verfalls gibt. Hinter seiner Apostelschaft steht zuallererst die Person „Christus Jesus“. Christus Jesus hat ihn gesandt und bestimmt den Inhalt seines Dienstes. Paulus spricht hier im Namen des Herrn. Zweitens hat er sich die Apostelschaft nicht selbst angeeignet und sie auch nicht von Menschen erhalten. Nein, er ist Apostel „durch Gottes Willen“. Die Apostelschaft ist Teil des Planes, den Gott mit seinem Leben hat.

Drittens ist seine Apostelschaft mit der „Verheißung des Lebens, das in Christus Jesus ist“ verbunden. Dadurch kann der Dienst, den er als Apostel ausübt, vom Tod nicht angetastet werden. Auch nachdem Paulus gestorben ist, bleibt sein Dienst als Apostel durch diesen Brief bestehen. Seine Apostelschaft stand ja mit geistlichen, himmlischen und ewigen Dingen in Verbindung. Das sind Dinge, die über die Erde und über den Verfall der Gemeinde hinausgehen. Dadurch behält dieser Brief seine ganze Bedeutung für die Gemeinde zu allen Zeiten. Das Leben, das in Christus Jesus ist, war schon vor ewigen Zeiten. Der Vater hat in der Ewigkeit dem Sohn verheißen, dieses Leben einmal zu geben (Tit 1,2). Wem? Allen, die an den Sohn glauben (Joh 3,36; 1Joh 5,11; 12). Glaubst du an den Sohn? Dann darf das der Anker sein, von dem dich die Stürme, die dir in diesem Brief begegnen, nicht losreißen können.

2Tim 1,2. Es ist deshalb sehr schön und ermutigend, dass Paulus dir zuerst zeigt, was für jedes Kind Gottes ganz persönlich unveränderlich und ewig wahr bleibt. Erst danach spricht er über den Verfall der Gemeinde. Das wird auch Timotheus gutgetan haben. Und Paulus hat noch mehr, was ihm guttun würde. „Meinem geliebten Kind“, so schreibt er, um ihn die Wärme eines Vatersherzens zu seinem Sohn spüren zu lassen.

„Meinem echten Kind“, so schreibt er Timotheus noch in seinem ersten Brief. Doch wenn das geistliche Klima kühler wird, ist es umso nötiger, die Wärme gegenseitiger Zuneigung zu betonen. Gerade in einer Zeit, in der viele Widerstand leisten oder sich von dir abwenden, sind Äußerungen der Liebe die beste Basis, um zu einem Dienst zu ermuntern. Diese Äußerungen der Liebe sind nicht nur für Timotheus ganz wichtig. Man hört auch heraus, dass Paulus sich angesichts seines nahenden Endes ganz besonders bewusst ist, wie viel ihm Timotheus bedeutet.

Zur Ausübung der Aufgaben, die Timotheus hat, kann man sich keine besseren Wünsche vorstellen als die, die Paulus hier ausdrückt. Auch in seinem ersten Brief an ihn hat Paulus ihm diese Dinge gewünscht. Das zeigt, dass du für dein persönliches Leben immer „Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn“ nötig hast. Es zeigt auch, dass das für jede denkbare Situation genügt, in der du bist oder in die du kommen kannst.

Denk einmal einen Augenblick über den reichen Inhalt der einzelnen Worte „Gnade“, „Barmherzigkeit“ und „Friede“ nach. Gnade ist Gottes Liebe zu Menschen, die ihrer nicht wert sind, weil sie böse sind. Barmherzigkeit ist Gottes Liebe zu Menschen, die schwach und unfähig sind, die nicht in der Lage sind, etwas Gutes zu tun. Mit Gnade und Barmherzigkeit ist Gott dem begegnet, was du als schwacher und sündiger Mensch nötig hattest. Nachdem du das eingesehen hattest, schenkte Er dir auch seinen Frieden. Nun, da du ein Kind Gottes bist, hast du dieselbe Gnade und Barmherzigkeit nötig, um als Kind Gottes zu leben. Wenn du dir dessen bewusst bist, wirst du den Frieden Gottes in deinem Herzen erfahren.

Denk auch einmal einen Augenblick über den Ursprung all dessen nach, über die Personen, von denen diese Dinge kommen: „Gott, der Vater“ und „Christus Jesus, unser Herr“. Ich gehe davon aus, dass du den Vater und den Herrn Jesus seit deiner Bekehrung schon besser kennengelernt hast. Du wirst dadurch immer mehr Grund bekommen haben, um dem Vater und dem Herrn Jesus für diese reichen Gaben der Gnade und Barmherzigkeit zu danken. Es ist auch das Erste, was Paulus hier tut.

Lies noch einmal 2. Timotheus 1,1.2.

Frage oder Aufgabe: Welche Ermutigungen hast du in diesen Versen entdeckt? Danke dem Herrn dafür!

Schäme dich nicht des Zeugnisses unseres Herrn

2Tim 1,3. Paulus dankte Gott nicht für den besonderen Dienst, den er empfangen und nun fast beendet hatte. Nein, er dankte Gott für das, was Gott ist. Kam das nicht daher, dass er oft die Gnade und Barmherzigkeit Gottes erfahren hatte und mit dem Frieden Gottes im Herzen geradewegs durch alle Schwierigkeiten hindurchgehen konnte? Er kannte Gott auch schon sehr lange. Von seinen Voreltern her diente er Gott. Sie hatten die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass er Gott diente. Er urteilte nicht über ihren inneren Zustand, sondern schrieb nur, was sie kennzeichnete. Er erkennt das an, was sie in Bezug auf Gott bewegte. So erinnert er sich am Ende seines Lebens dankbar an das Verhältnis zu seinen Eltern und seinen Voreltern. Diese Beziehungen werden nicht außer Kraft gesetzt, wenn wir uns bekehren. Es ist auch heute ganz wichtig, dass in den Familien und auch über die Generationen hin dem Herrn gedient wird.

Paulus kannte Gott und diente Ihm bereits vor seiner Bekehrung. Er tat das nach bestem Wissen und mit einem reinen Gewissen. Das bedeutet nicht, dass sein Dienst die Zustimmung Gottes hatte und unter seinem Segen stand. Er will damit nur sagen, dass er das, was er tat, in Unwissenheit tat (1Tim 1,12-14). Alles, was er tat, tat er in der aufrichtigen Überzeugung, Gott damit zu dienen (vgl. Joh 16,2; 3). Darum klagte sein Gewissen ihn bei seinem Tun nicht an. Sein Gewissen blieb rein, nie handelte er gegen sein Gewissen. Darin liegt auch ein Ansporn für Timotheus, sich ein reines Gewissen zu bewahren.

Stets dachte er in seinen Gebeten an Timotheus. Timotheus sollte das auch wissen, und es wird ihn ermutigt haben. Wie schön ist es, wenn andere dir sagen, dass sie für dich beten. Es ist auch schön, wenn du zu anderen sagen kannst, dass du für sie betest. Das Gebet hält die Erinnerung an die, für die du betest, wach. Das schafft ein bleibendes Empfinden dafür, dass da eine Verbindung besteht. Dadurch stehst du nicht allein.

2Tim 1,4. Das heißt nicht, dass man einander nicht zu sehen braucht. Paulus hatte ein starkes Verlangen danach, Timotheus zu sehen. Er hatte das Bedürfnis nach Gemeinschaft und wollte vor allem mit Timotheus zusammen sein (siehe auch 2Tim 4,9). Sicher war der Herr bei ihm (2Tim 4,17), was aber nicht bedeutete, dass er die von Gott gegebenen Beziehungen geringschätzte. Im Gegenteil, der große Apostel brauchte sie sogar. Er wurde dadurch ermutigt (Apg 28,15; 1Thes 2,17; 1Thes 3,10). Es zeugt nicht von einer geistlichen Gesinnung, wenn Gläubige in ihrem Glaubensleben für sich allein bleiben wollen. So hat der Herr es nicht gemeint.

Timotheus’ Tränen hatten den Apostel gerührt. Es waren Kummertränen, die er sah, als Timotheus von seinem älteren Freund Abschied nahm. Die Tränen zeugten von wirklicher Freundschaft. Gerade das machte es für Paulus so wertvoll, wenn Timotheus kommen würde. Das würde ihn so sehr freuen, dass er mit Freude erfüllt sein würde, wobei vielleicht wieder Tränen fließen würden, dann aber Tränen der Freude. Die Tränen von Timotheus waren ihm sozusagen frisch im Gedächtnis. Er dachte ständig daran.

2Tim 1,5. Und dann erinnert sich Paulus weiterhin an den ungeheuchelten Glauben seines jungen Freundes. Das Wort „ungeheuchelt“ ist die Übersetzung des griechischen Wortes anhypokritos. Hypokritos ist das griechische Wort für Schauspieler. Ein Schauspieler schlüpft immer in die Rolle eines anderen. Er spielt nicht sich selbst, sondern tut so, als wäre er jemand anders (vgl. 2Sam 14,2). Timotheus tat also nicht nur so, als ob; er war nicht durch Falschheit gekennzeichnet, sondern er war echt. Auch deshalb wollte Paulus ihn gern sehen. Bist du nicht auch gern mit wirklichen Gläubigen zusammen, mit Leuten, die wirklich mit dem Herrn leben?

Der Glaube wohnte in ihm, war bei ihm zu Hause. Er war bei ihm keine Nebensache, nicht etwas für besondere Gelegenheiten. Dafür hatte er übrigens auch gute Vorbilder gehabt. Paulus erinnerte ihn an seine Großmutter und Mutter. Hier haben wir ein Beispiel dafür, wie die Gnade Gottes Generationen hindurch wirkt. Vieles ändert sich, der Verfall schreitet weiter fort, doch es gibt auch Dinge, die bleiben. Es wird zu allen Zeiten solche geben, die einen ungeheuchelten Glauben an Ihn haben. Paulus erinnert nicht an Glaubenshelden aus ferner Vergangenheit, aus längst verflossenen Zeiten, sondern an Beispiele, die ganz nahe lagen: an seine Mutter und Großmutter. Für dich bedeutet das: Sieh dich bei dir um, und du wirst in deiner Umgebung sicher solche Vorbilder finden, in denen der Glaube wohnt. Der Prüfstein ist die Treue und der Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes.

2Tim 1,6. Wenn in dir ein ungeheuchelter Glaube wohnt, ist das ein Anlass, dass du dich daran erinnerst: Du hast von Gott eine Gnadengabe empfangen und sollst sie gebrauchen. Es kann natürlich sehr schwierig sein in der Gemeinde, aber gerade darin liegt für den Glauben eine Herausforderung. Timotheus musste daran erinnert werden. Du vielleicht auch. Neigen wir nicht alle dazu, Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen? Paulus gibt Timotheus noch eine zusätzliche Ermutigung, seine Gnadengabe (wieder neu) „anzufachen“.

Er erinnert ihn daran, auf welche Weise er die Gnadengabe empfangen hat. Das war geschehen, als Paulus ihm die Hände aufgelegt hatte. Auch in seinem ersten Brief hatte Paulus ihn in seinem Dienst ermutigt: Andere hatten bereits angekündigt, dass ein Dienst für ihn vorgesehen war (1Tim 1,18). Danach hatten auch die Ältesten ihm die Hände aufgelegt (1Tim 4,14) und sich so mit seinem Dienst einsgemacht. Wenn Timotheus in einem schwachen Moment glaubte, dass er sich das alles nur einbildete, konnte er daran zurückdenken. Er sollte sich daran erinnern, dass der Herr ihm diese Gnadengabe durch das Auflegen der Hände des Apostels verliehen hatte. An dieses Geschehen würde sich Timotheus zweifellos erinnern.

2Tim 1,7. Letztendlich hatte auch Paulus nicht aus eigener Einsicht gehandelt, sondern im Auftrag Gottes. Jede Gabe kommt von Gott, es ist „die Gnadengabe Gottes“. Was hier zu Timotheus gesagt wird, ist deshalb auch für dich eine Ermutigung. Wie Timotheus darfst auch du wissen, was Gott dir gegeben hat. Wenn du auf die Umstände blickst, dann mag dir bange werden. Da können dann die verschiedensten Argumente bei dir dafür aufkommen, die dir gegebene Gnadengabe nicht zu gebrauchen. Du könntest denken, das habe ja alles doch keinen Sinn. Oder du fürchtest dich vor dem Widerstand, den dein Auftreten hervorrufen könnte. Diese Furcht ist eine gewisse Feigheit, eine Angst, dein Gesicht zu verlieren oder ausgelacht zu werden. Paulus weist darauf hin, dass diese Furcht nicht von Gott kommt (vgl. Joh 14,27; 1Joh 4,18).

Was tatsächlich von Gott kommt, ist sein Heiliger Geist, der sich in dir als ein Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit erweisen will. Du darfst wissen, dass Gott, wenn Er eine Gabe gibt, zu ihrer Ausübung zuallererst durch seinen Heiligen Geist auch die notwendige Kraft und Befähigung gibt. An zweiter Stelle erfordert die Ausübung einer Gabe auch Selbstaufopferung, denn die Gabe ist nicht dazu gedacht, dass du dich selbst dadurch erbaust, sondern um anderen damit zu dienen. Deshalb wird der Heilige Geist dir die Liebe geben, die das wahre Motiv für einen Dienst ist.

Schließlich ist es auch wichtig, dass du bei der Ausübung deiner Gabe besonnen, d. h. mit Selbstbeherrschung zu Werke gehst. Das geschieht, wenn dein eigener Geist auf den Heiligen Geist abgestimmt ist, so dass du dich von Ihm geleitet weißt und nicht aus einer eigenen unkontrollierten Impulsivität heraus handelst (vgl. 1Kor 14,32). Der Heilige Geist führt dich zu wohlüberlegten Handlungen und Worten. Es zeugt nicht von einem Werk des Geistes, wenn jemand sagt: „Ich konnte nicht anders, der Heilige Geist hat mich dazu gedrängt.“

Noch ein paar Worte über die Reihenfolge dieser drei Aspekte, in denen sich das Werk des Heiligen Geistes zeigt. Die „Liebe“ steht zwischen „Kraft“ und „Besonnenheit“. Sie steht also im Zentrum. Es dreht sich alles um die Liebe. Sie ist das Öl zwischen Kraft und Besonnenheit, so dass beide Aspekte gut „laufen“. Du siehst das auch in 1. Korinther 12–14. In Kapitel 12 werden die Gaben aufgezählt, und in Kapitel 14 geht es um ihre Ausübung. Das Kapitel dazwischen, also Kapitel 13, behandelt das Thema Liebe. Die in Kapitel 12 genannten Gaben können nur in der in Kapitel 14 beschriebenen Weise ausgeübt werden, wenn das Motiv zu ihrer Ausübung die in Kapitel 13 beschriebene Liebe ist.

2Tim 1,8. Gott hat uns seinen Geist gegeben, damit wir durch den Geist freimütig vom Herrn Jesus zeugen. So siehst du, wie Petrus, der sich zunächst seines Herrn geschämt und Ihn verleugnet hatte (Mk 14,66-72), zu Pfingsten durch den Heiligen Geist mit großer Freimütigkeit von seinem Herrn zeugt (Apg 2,22-36). Die Kraft des Heiligen Geistes ist uns gegeben, damit wir von unserem Herrn zeugen, und nicht, um allerlei aufsehenerregende Zeichen und Wunder zu tun, die das Interesse der Menschen wecken sollen. Es erregt nun einmal mehr Aufsehen, wenn spektakuläre Dinge geschehen, als wenn jemand in Schlichtheit und Klarheit Zeugnis vom Herrn Jesus ablegt.

Wir alle haben diese Worte nötig, um nicht entmutigt zu werden. Das Zeugnis, das wir als Christen ablegen, ist oft so, dass wir uns dafür schämen müssen. Wenn Gläubige lau werden und eine weltförmige Gesinnung zeigen, wenn entschiedene Zeugen zum Schweigen gebracht werden, ist Mut nötig, um selbst dennoch weiterzumachen.

Paulus verbindet sich mit dem Zeugnis für den Herrn Jesus. Das war keine Großtuerei, sondern Wirklichkeit. Er war schließlich in Gefangenschaft wegen des Zeugnisses, das er für seinen Herrn abgelegt hatte. Er betrachtet sich jedoch nicht als einen Gefangenen Neros, sondern seines Herrn. Sein Zeugnis hatte zu Trübsal geführt. Timotheus wird aufgefordert, und das gilt auch für dich, die Trübsal, die das Bezeugen des Evangeliums mit sich bringt, bewusst anzunehmen und ihr nicht aus dem Weg zu gehen. Das Predigen des Evangeliums und Trübsal gehören zusammen. Doch die Kraft Gottes befähigt dich, die Trübsal zu erdulden, nicht als Schicksal, sondern als ein Vorrecht (Apg 5,41).

Lies noch einmal 2. Timotheus 1,3–8.

Frage oder Aufgabe: Wie kannst du deine Gnadengabe anfachen?

Gottes eigener Vorsatz

2Tim 1,9. Nach dem Auftrag, den Paulus seinem jungen Freund Timotheus gegeben und durch den er auch dich angespornt hat, folgen zwei Verse mit gewaltigem Inhalt. Was in diesen Versen steht, ist deshalb so gewaltig, weil es hier inhaltlich einzig und allein um das geht, was Gott in Christus mit dir getan hat. Es geht nicht um dich und deine Schwachheit oder dein Versagen. Es geht auch nicht um den Verfall, der dich so mutlos machen kann; es geht auch nicht um Feindschaft, die dich ängstigen kann, von Ihm zu zeugen. Nein, diese Verse erheben dich über alle Schwierigkeiten und sagen dir etwas über den Vorsatz Gottes, den Er gefasst hat vor Grundlegung der Welt, „vor ewigen Zeiten“. Sein Vorsatz steht somit nicht im Zusammenhang mit dem ganzen Problem der Sünde und ihren Folgen. Davon wird erst nach der Erschaffung der Welten gesprochen.

Bei seinem Vorsatz hat Er auch an dich gedacht. Er hatte sich vorgenommen, dich zu erretten. Und es ist nicht bei einem Vorsatz geblieben. Er hat ihn auch ausgeführt. Wenn wir uns etwas vornehmen, müssen wir hinterher oft feststellen, dass nichts daraus geworden ist oder dass es nur mangelhaft ausgeführt wurde. So etwas ist bei Gott unmöglich. Er hat dich errettet. Das ist eine Tat Gottes, die vollständig ausgeführt ist (Eph 2,5) und nicht wieder rückgängig gemacht werden kann (siehe Joh 10,28; 29). Er hat das durchgeführt, indem Er dich berufen hat. Indem Er dich errettet hat, hat Er dich ganz und gar von allen deinen Sünden, von der Macht der Sünde und aus der Welt befreit (Gal 1,4).

Er hat mit deinem Leben aber auch ein Ziel. Er hat dir eine „heilige Berufung“ gegeben. Er hat dich dazu berufen, heilig für Ihn zu leben, abgesondert von allem, wovon Er dich erlöst hat, und in Hingabe an Ihn. Es hat also eine gewaltige Veränderung gegeben, sowohl in Bezug auf deine Stellung als auch in Bezug auf den Zweck deines Lebens. Was deine Stellung angeht, so bist du nicht mehr jemand, der unter dem Zorn Gottes steht, sondern jemand, der errettet ist. Du brauchst dich nicht mehr vor dem Gericht Gottes zu fürchten. Was den Zweck deines Lebens angeht, so bist du nicht mehr jemand, der nur für sich selbst lebt und die Hölle vor Augen hat, sondern jemand, der für Gott lebt und ewig bei Ihm sein wird.

Dir ist schon klar, dass du dazu nichts beigetragen hast. Das hat Gott auch nicht gefordert, und das könntest du auch gar nicht. Deine Werke haben nur das Gericht Gottes auf dich herabgerufen. Nein, diese gewaltige Veränderung ist nur dem „eigenen“ Vorsatz Gottes zu verdanken. Und du hast daran Anteil bekommen durch die „Gnade, die uns in Christus Jesus … gegeben“ ist. Gnade erinnert dich daran, dass du von deiner Seite keinerlei Recht auf diese Segnungen geltend machen konntest. Sie weist auf Gottes souveränen Vorsatz hin. Um ihn auszuführen und dich an der Gnade teilhaben zu lassen, hat Gott zu seiner großen Freude eine herrliche Grundlage: Christus Jesus. In Ihm konnte Er seinen Ratschluss auch in Bezug auf dich wahrmachen.

Jeden Segen, den Gott, wem auch immer, gibt, gibt Er nicht um der betreffenden Person willen, sondern um Christi Jesu willen. Er hat sich bei seinem Vorsatz von dem leiten lassen, wer Christus Jesus ist. Die Person seines Sohnes genießt bei Ihm eine derart hohe Wertschätzung, dass Er seinen ganzen Vorsatz mit Ihm verbunden hat. Du konntest in seinem Vorsatz nur deshalb einen Platz haben, weil Gott dich in Christus sah. Kannst du es begreifen, dass du daran Anteil bekommen hast? Ich für mich jedenfalls nicht. Dass es wirklich so ist, hängt allerdings auch nicht davon ab, ob du oder ich das verstehen können. Es ist wahr, weil Gott es getan hat, und zwar, wie bereits erwähnt, bevor Himmel und Erde erschaffen waren. Das garantiert zugleich, dass nichts von dem, was seit der Schöpfung geschehen ist, auch nur im Geringsten etwas an diesem Vorsatz Gottes ändern kann.

2Tim 1,10. Allerdings hätten wir von dem Vorsatz Gottes nichts erfahren, wenn Er ihn nicht durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus offenbart hätte. Gottes Vorsatz lag in seinem Ratschluss verborgen. Diesen Vorsatz hat Er aber offenbart, als Jesus Christus erschien. In Ihm konnte Er dir die große Gnade schenken, an seinem Vorsatz teilzuhaben. Doch gib acht! Dem Namen „Jesus Christus“ stellt Paulus den Namen „Heiland“ voran. Es geht um sein Erscheinen bei seinem ersten Kommen auf die Erde. Damals kam Er als „Heiland“, was „Erretter“ bedeutet.

Siehst du, durch wen Gott dich erretten konnte? Dieser Name erinnert an sein Werk auf dem Kreuz. Das Werk, das Er dort ausführte, gab Gott die Möglichkeit, seinen Vorsatz auszuführen, um dich zu erretten und mit heiligem Ruf zu berufen. Du konntest nur dann daran Anteil bekommen, wenn der Heiland den Tod zunichtemachte. Der Tod, der Lohn der Sünde (Röm 6,23), war ein Hindernis für die Ausführung des Vorsatzes Gottes. Dieses Hindernis hat unser Heiland dadurch beseitigt, dass Er selbst in den Tod ging und daraus wieder auferstanden ist. Durch seine Auferstehung ist „Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht“ worden. Die Kraft des Lebens, das Ihm eigen ist, wurde durch seine Auferstehung erwiesen.

Sein Leben hat über den Tod triumphiert. Nicht der Tod, sondern das Leben ist Sieger. Du hättest das nicht gewusst, wenn der Herr Jesus nicht gestorben und auferstanden wäre. Du hast ewiges Leben empfangen, denn der Herr Jesus, der Sohn Gottes, ist das ewige Leben. Wer den Sohn hat, hat das Leben (1Joh 5,12). Der Sohn ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben (1Joh 5,20). Du glaubst an den Herrn Jesus, du besitzt den Sohn als dein Leben.

Noch etwas ist ans Licht gebracht worden, nämlich „Unverweslichkeit“. Das bezieht sich auf den Leib. Der Leib, den du jetzt hast, ist nicht unverweslich. Je älter du wirst, desto mehr merkst du, wie er abbaut, wie er an Kraft und jugendlicher Schönheit verliert. Doch wenn der Herr Jesus wiederkommt, bekommst du einen Leib, dem der Zahn der Zeit nichts anhaben kann. Dieser Leib hat in all seiner Frische und Unberührtheit ewigen Bestand. Auch das ist ein Ergebnis des Sieges, den der Herr Jesus über den Tod errungen hat. Wie du siehst, sind das alles Wahrheiten und Glaubenstatsachen, die völlig außerhalb von dir zustande gekommen sind. Das gilt sowohl für den Vorsatz Gottes als auch für das, was der Herr Jesus getan hat, als Er auf der Erde erschien.

Nun ist aber doch noch eine Frage zu beantworten, und zwar diese: Wie hat Gott dafür gesorgt, dass du seinen Vorsatz erkennen und das Werk des Herrn Jesus annehmen konntest als ein Werk, das auch für dich geschehen ist? Das ist durch das Evangelium geschehen. Das Evangelium ist das Mittel, durch das du von Gott gehört hast und von dem, was der Herr Jesus getan hat, und wie wichtig sein Werk für dich war. Als du das Evangelium angenommen hast, bist du dadurch errettet worden und hast an all diesen gewaltigen Dingen Anteil bekommen.

2Tim 1,11. Gott hatte Paulus dazu bestellt, das Evangelium zu verkündigen. Diese frohe Botschaft (das ist die Bedeutung des Wortes „Evangelium“) verkündigte er nicht nur den Juden. Dieser Vorsatz Gottes datiert von vor Grundlegung der Welt und hat nichts mit dem Unterschied zwischen Juden und Heiden zu tun. Der Dienst des Paulus im Evangelium richtete sich an Menschen aus allen Völkern. Zu diesem Dienst war er von Gott als Herold oder Prediger bestellt worden. Bei einem Herold musst du an jemanden denken, der mit offizieller Autorität bekleidet ist, um offizielle Botschaften von Königen, Stadträten und dergleichen weiterzuleiten, ohne am Inhalt der Botschaft etwas ändern zu dürfen. So predigte Paulus das Evangelium.

Gott hatte ihn auch zum Apostel bestellt. Das hat mehr mit einer bestimmten Stellung zu tun. Er war der Abgesandte Gottes, und wer ihn verwerfen würde, der würde damit auch Gott verwerfen, der ihn gesandt hatte. Schließlich war Paulus auch ein Lehrer, der lehrte, was das Evangelium beinhaltete. Der Inhalt ist Jesus Christus. Paulus legte aus, wer Er ist und was Er getan hat.

2Tim 1,12. Paulus glaubte von ganzem Herzen an das Evangelium. Wenn er es verkündete, legte er sein ganzes Herz hinein. Darauf hatten die Leute nun gerade nicht gewartet, und ganz bestimmt nicht die Juden. Dieser Eifer des Paulus für das Evangelium brachte ihm Leiden ein. Doch das änderte nichts an seiner Überzeugung. Er hatte Timotheus angespornt, sich nicht zu schämen (2Tim 1,8). Das konnte er tun, weil er sich auch selbst nicht schämte. Kein Widerstand konnte ihn irritieren. Das lag daran, dass er nicht an ein Dogma, an einen Lehrsatz, sondern an eine Person glaubte. Er wusste, wem er geglaubt hatte. Er lebte in einer lebendigen Beziehung zu dieser Person.

Er kannte die Kraft dieser Person. Mit diesem Gott hatte er bereits so viel erlebt, dass er dadurch in Bezug auf Ihn jetzt eine tiefgewurzelte Überzeugung besaß. Oft hatte er erfahren, wozu Er in der Lage war. Gott ist nicht entthront worden, sondern hat alle Macht. Ihm hat Paulus sein Gut anvertraut. Dieses Gut war das Evangelium, das Gott ihm anvertraut hatte (vgl. 2Tim 1,14; 1Tim 6,20). Er war jetzt im Gefängnis und konnte nicht mehr frei umherreisen, um mit diesem Gut zu wirken. Gott aber bleibt, und Paulus wusste, dass Er mit diesem Gut weiter wirken würde.

So wird das Evangelium immer noch gepredigt und auch sein Brief immer noch gelesen, so wie du es gerade tust. Ebenso wie Paulus die Ergebnisse seines Dienstes in die Hände des Herrn legte, so darfst du das auch tun. Wir brauchen die Entwicklungen nicht selbst in Händen zu halten. Es ist nicht unsere Sache, es ist die Gemeinde Gottes. Wir können sicher sein, dass das, was wir Ihm zur Bewahrung anvertrauen, bei Ihm sicher ist. Diebstahl oder Verlust ist da unmöglich.

Die Sicherheit der Bewahrung hat eine Gültigkeitsdauer „bis auf jenen Tag“, das ist der Tag der Erscheinung des Herrn Jesus. Es ist der Tag, an dem der Herr Jesus alles belohnen wird. Was die Höhe der Belohnung angeht, so sieht der Herr dabei nicht darauf, wie erfolgreich du warst, sondern ob du in dem, was Er dir aufgetragen hat, treu warst. Dann wirst du, ebenso wie Paulus, alles, was du Ihm anvertraut hast, bei Ihm wiederfinden. Zu einer solchen Haltung kommt man nur, wenn man weiß, wem man geglaubt hat.

Lies noch einmal 2. Timotheus 1,9–12.

Frage oder Aufgabe: Was lernst du in diesen Versen über den Vorsatz und die Gnade Gottes?

Wort, Geist und Barmherzigkeit

2Tim 1,13. In den vorhergehenden Versen hat Paulus sein absolutes Vertrauen auf den Herrn Jesus zum Ausdruck gebracht. Das war natürlich für Timotheus und ist auch für dich ein großer Ansporn, dasselbe zu tun. Aber es gibt noch etwas, was uns in der Zeit des Verfalls Halt gibt, weil es absolut zuverlässig ist. Diesen Halt findest du in den „gesunden Worten“. Paulus weist Timotheus darauf hin, dass er die „gesunden Worte“, die er von Paulus gehört hatte, als Bild festhalten sollte. Das Wort „Bild“ bezeichnet einen Entwurf, ein Modell oder Muster eines Bauvorhabens, der Reihenfolge der Maßnahmen und der Konstruktion. Paulus spricht hier über das inspirierte Wort Gottes. Das gilt es in seiner Gesamtheit festzuhalten. Nichts davon darf aufgegeben werden. Nicht nur der Inhalt der Botschaft ist wichtig, auch die Worte und ihre Reihenfolge sind von Gott gegeben, damit wir daran festhalten.

Bekenntnisschriften können zwar versuchen, Gottes Wort mit menschlichen Worten zu erklären, sie bleiben aber Menschenworte und sind darum unvollkommen. Sie schützen auch nicht vor gröbster Irrlehre. Nur das Wort Gottes ist vollkommen. Nur darin haben wir eine sichere Garantie, dass wir nicht abirren, wenn wir an diesem Bild festhalten. Jedes Wort darin steht an dem Platz, wo Gott es haben wollte. Das Wort Gottes kann nicht verbessert werden. Lass dich nicht beirren durch Aussagen wie: Es geht nicht um die Wortwahl, sondern um die Botschaft. Es geht in der Tat auch um die Wortwahl.

Ich denke, dass eine Warnung vor modernen Bibelübersetzungen angebracht ist. Damit meine ich nicht, dass eine Übersetzung in einem möglichst alten Deutsch die zuverlässigste ist. Die Verwendung von heutigem Deutsch schließt eine gute Übersetzung aus dem Grundtext sicher nicht aus. Nein, es geht darum, dass die Bibel nur von solchen zuverlässig übersetzt werden kann, die im lebendigen Glauben an den Herrn Jesus stehen und große Ehrfurcht vor dem Wort Gottes haben. Ob eine gute Übersetzung abgeliefert wird, hängt nicht von einer Technik oder der Wissenschaft ab, sondern von Sachverstand, der mit der richtigen Herangehensweise an das Wort Gottes verbunden ist. Diese richtige Herangehensweise besteht darin, dass man sich der Heiligkeit und der Autorität jedes Wortes, das Gott in seinem Wort hat aufschreiben lassen, tief bewusst ist. Wenn das auch deine innere Haltung beim Lesen des Wortes Gottes ist, wirst du die bewahrende Kraft erfahren, die von diesem Wort ausgeht. Die Gefahr, dass du Irrlehren zum Opfer fällst, ist dann ausgeschlossen.

Das im Grundtext für „gesund“ benutzte Wort hat mit Hygiene zu tun und kann auch mit „gesund machen“ übersetzt werden. Die Worte des Paulus, die inspiriert sind, haben also den Zweck, geistliche Gesundung zu bewirken. Trotzdem fügt Paulus noch etwas hinzu, nämlich, dass „das Bild gesunder Worte“ festgehalten werden soll „in Glaube und Liebe, die in Christus Jesus sind“. Wenn das Wort Gottes nicht mit der Person Christi verbunden wird, wird der Glaube an den Buchstaben der Schrift zu einer toten Form. Man kann die Wahrheit nur dann festhalten, wenn man an das Wort Gottes in Glauben und Liebe herangeht. Dies sind zwei Merkmale oder Handlungsweisen des neuen Lebens, dessen Quelle Christus ist.

Es geht um Glauben und Liebe, wie sie bei Ihm waren und in Ihm zu finden sind. Dazu musst du dich bei Ihm aufhalten. Von Ihm lernst du, täglich dein Glaubensvertrauen auf Gott zu richten. Du siehst das in seinem Leben auf der Erde. Von Ihm lernst du auch, wie Gottes Liebe sich den Menschen zuwendet. Diese Hinzufügung ist deshalb wichtig, weil das Bild sonst zu einer Schablone wird und damit das lebendige Glaubensleben untergeht und zu einer toten Orthodoxie entartet. Wenn „Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind“, die beiden Elemente sind, die bewirken, dass „das Bild gesunder Worte“ festgehalten wird, wirst du erfahren, wie das Wort Gottes dich stützt. Wenn du dann auch an der Gemeinde im Ganzen gesehen keine Stütze mehr hast, weil Verfall eingedrungen ist, wirst du die Stütze jedoch im Wort Gottes finden – selbst wenn du allein sein solltest.

2Tim 1,14. Es gibt noch eine Ermutigung: Nachdem Paulus auf den Herrn Jesus und das Wort Gottes hingewiesen hat, spricht er über „den Heiligen Geist, der in uns wohnt“. Paulus stand kurz vor dem Märtyrertod. Er würde bald zu seinem Herrn gehen. Timotheus würde noch hier zurückbleiben müssen, und auch du bist immer noch hier. Die Verhältnisse würden nicht einfacher werden, was du sicher bestätigen kannst. Der Verfall hat nur noch weiter zugenommen. Die Angriffe gegen den Dienst des Timotheus würden heftiger werden. Wenn du dem Herrn dienen willst, wirst du das auch erfahren. Durch all das würde der Druck auf ihn (und auch auf dich), das anvertraute Gut aufzugeben, größer werden. Doch höre zu: Du wirst angespornt, das zu bewahren, was dir anvertraut worden ist.

Paulus bezeichnet dieses Gut als „schön“, d. h. von göttlichem Wert. Auch dir sind all die gesunden Worte der Schrift als ein Gut von göttlichem Wert anvertraut worden. Das sollst du bewahren. Nichts darfst du davon aufgeben. Das schaffst du nicht aus eigener Kraft und brauchst es auch nicht. Deshalb weist 2Tim 1,14 darauf hin, dass der Heilige Geist in dir wohnt. Er gibt dir die nötige Kraft, das zu bewahren, was dir anvertraut ist. Jeder Teil der Wahrheit, den du erkannt und für den du Gott gedankt hast, wird unter feindlichen Beschuss geraten. Doch der, der in dir wohnt, ist größer als der, der in der Welt ist (1Joh 4,4). Er befähigt dich, jeden Angriff des Feindes auf die Wahrheit zurückzuschlagen. Sorge nur dafür, dass du dem Heiligen Geist nichts in den Weg legst, was Ihn daran hindert, dein Leben ganz und gar unter Kontrolle zu haben.

2Tim 1,15. Im Kampf „für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben“ (Jud 1,3) brauchst du nicht mit allzu viel Unterstützung durch andere zu rechnen. Paulus weist Timotheus auf die Gläubigen in Asien hin. Es war Timotheus bekannt, dass alle in Asien sich von dem großen Apostel abgewandt hatten. In dieser Gegend hatte er doch intensiv das Evangelium verkündigt. Die vielen, die dort zum Glauben gekommen waren, hatte er in den Gedanken Gottes unterwiesen. Wie er den Gläubigen dort gedient hatte, kannst du beispielsweise in den Briefen an die Thessalonicher und an die Epheser lesen. Die Ältesten von Ephesus hatten unter Tränen Abschied von ihm genommen, am meisten darüber betrübt, dass sie ihn nicht mehr wiedersehen würden (Apg 20,37; 38). Inzwischen waren einige Jahre verstrichen. Und wie war es jetzt? Die guten Erinnerungen an Paulus waren weggewischt. Man hatte sich sogar von ihm abgewandt!

Der Mann, dem sie so viel zu verdanken hatten, wurde von ihnen allen verworfen, also nicht nur von einem Einzelnen. Warum? Vielleicht schämten sie sich seiner, des armen Gefangenen, der bei der Regierung in Ungnade gefallen war. Sie hatten natürlich das Christentum nicht aufgegeben, aber Paulus betonte das Christsein doch wohl ein bisschen zu stark. Man muss doch nicht sein Möglichstes tun, um sich Feinde zu machen? Das stimmt. Doch ein treuer Zeuge macht sich nun einmal Feinde. Er beabsichtigt das nicht, aber Treue dem Herrn und der Wahrheit gegenüber macht Feindschaft offenbar.

Paulus war in Gefangenschaft, weil er die Wahrheit bezeugt hatte. Das Abwenden von Paulus war deshalb auch ein Abwenden von der Wahrheit, die Paulus predigte. Das machte seine Gefangenschaft für ihn noch schwerer. Zwei von denen, die sich von ihm abgewandt hatten, nennt er mit Namen. Es war wohl nötig, diese Namen zu nennen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es führende Brüder waren, die einen großen Einfluss hatten und die ihren Einfluss und die Tatsache, dass Paulus ausgeschaltet war, dazu benutzten, die Gemeinde auf eine falsche Spur zu setzen. Indem er ihre Namen nannte, entlarvte Paulus sie.

2Tim 1,16. Er nannte noch einen Namen, den aber nennt er mit Freuden. Inmitten all der erfahrenen Untreue waren die Treue von Onesiphorus und seinem Haus für Paulus eine Wohltat. Dieser treue Gläubige hatte sich des treuen Dieners Gottes nicht geschämt. Onesiphorus hatte den Apostel in der Hitze der Verfolgung erquickt, ein Ausdruck, der wörtlich „kühlen“ bedeutet. Diese Erfrischung erfuhr Paulus, als er im Gefängnis auf einmal das Gesicht von Onesiphorus auftauchen sah.

2Tim 1,17. Wie muss es dem einsamen Gefangenen gutgetan haben, dass ihn jemand besuchte, der viel Mühe eingesetzt hatte, zu ihm zu kommen. Es war nicht einfach, Paulus zu finden. Doch welch eine Welle der Dankbarkeit dem Herrn gegenüber wird Onesiphorus durchströmt haben, als er Paulus in die Arme schloss! Seine Mühe war nicht umsonst. Und wie wird Paulus dem Herrn gedankt haben! Hast du eine solche Erquickung auch schon einmal erfahren, als Gläubige dich wissen ließen, dass sie für dich beteten oder dir Hilfe anboten, als du es schwerhattest?

Onesiphorus hatte keine Adresse. Aber er wird den Herrn gebeten haben, ihn zu Paulus zu führen. Das tat der Herr auch, allerdings nicht, indem Er ihn auf dem kürzesten und schnellsten Weg zu Paulus brachte. Nein, Onesiphorus musste immer wieder den Herrn fragen, ob er auf dem richtigen Weg war. Wenn du den Herrn bittest, dich zu führen, um etwas zu erreichen, von dem du weist, dass es dem Willen des Herrn entspricht, heißt das nicht, dass du dieses Ziel auch ganz schnell erreichen wirst. Der Herr möchte, dass du dazu Mühe aufwendest. Dadurch möchte Er dich lehren, Schritt für Schritt von Ihm abhängig zu sein.

2Tim 1,18. Paulus wünschte, dass der Herr das Haus des Onesiphorus für die Barmherzigkeit, die er erfahren hatte, auch mit Barmherzigkeit belohnen möge (Mt 5,7). Sein „Haus“ – ich glaube, dass er verheiratet war und Kinder hatte, vielleicht auch Personal – stand ganz hinter dem, was Onesiphorus tat. Sie ließen ihn gehen und werden ihm Grüße an Paulus und vielleicht auch Waren mitgegeben haben. Was für ein Segen, wenn es auch heute Familien gibt, wo alle Familienmitglieder der Wahrheit treu bleiben wollen und sich für die einsetzen, die die Wahrheit verkündigen!

Dann wünscht Paulus noch, dass Onesiphorus „von Seiten des Herrn Barmherzigkeit finde an jenem Tag“ (vgl. Jud 1,21). Damit fügt Paulus seinem vorhergehenden Wunsch noch hinzu, dass der Herr Onesiphorus vor dem Richterstuhl für seinen Einsatz belohnen möge. Jener Tag ist auch hier wieder der Tag, an dem der Herr erscheinen wird und sein Lohn mit Ihm (2Tim 1,12; Off 22,12).

Onesiphorus war für Timotheus kein Unbekannter. Er hatte ihn in Ephesus kennengelernt und konnte, mehr noch als Paulus, davon berichten, wie dieser Mann es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, dem Herrn und seiner Sache zu dienen. Wie schön ist es, wenn es in einer örtlichen Gemeinde Leute gibt, von denen man sagen kann, dass sie viel gedient haben. Wäre das nicht eine Freude für den Herrn und die Gemeinde, wenn dies nach einiger Zeit auch von dir gesagt werden könnte?

Lies noch einmal 2. Timotheus 1,13–18.

Frage oder Aufgabe: Wie kannst du an dem Bild gesunder Worte festhalten?

© 2023 Autor G. de Koning

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