Jakobus 1
James 1 Kingcomments Bibelstudien

Einleitung

Der Jakobusbrief hat einen ganz eigenen Charakter. Das gilt natürlich für jeden Brief der Bibel, aber dieser Brief ist, wie du sehen wirst, ganz speziell. Er nimmt im Neuen Testament einen ganz besonderen Platz ein. Man kann den Platz, den der Jakobusbrief zwischen den anderen Briefen des Neuen Testaments einnimmt, mit dem Platz vergleichen, den der Prophet Jona im Alten Testament zwischen den anderen Propheten einnimmt. Alle alttestamentlichen Propheten außer Jona hatten eine Botschaft an das Volk Gottes. Jona bildete da eine Ausnahme, denn er wurde mit einer Botschaft Gottes an die Heiden gesandt. In vielen Briefen des Neuen Testaments, besonders in den Briefen von Paulus, werden die Gläubigen als Glieder der Gemeinde und als mit Christus vereinigt angeredet. Jakobus bildet da eine Ausnahme, denn er richtet seinen Brief an die zwölf Stämme Israels, die in der Zerstreuung sind. Jakobus schreibt seinen Brief also an das Volk Israel in seiner Gesamtheit. Bemerkenswert ist auch, dass er, obwohl er hauptsächlich die jüdischen Christen anspricht (15-mal gebraucht er das Wort „Brüder“), doch auch zu den ungläubigen Juden spricht.

Jakobus spricht in seinem Brief nicht über die himmlischen Segnungen, die das Teil der Gemeinde sind und das Teil jedes einzelnen Gläubigen. Er schreibt über die Praxis des Glaubenslebens und spricht alle an, die bekennen, zum Volk Gottes zu gehören. Er stellt ihnen vor, was bei ihnen im Leben sichtbar werden muss. Das ist auch notwendig, denn die Werke des Glaubens sind für andere der einzige Beweis, dass echter Glaube im Herzen vorhanden ist. Der Glaube wirkt durch die Liebe (Gal 5,6) – als Ausdruck der neuen Schöpfung, die ein Gläubiger in Christus ist (Gal 6,15; 2Kor 5,17).

Du findest in diesem Brief nicht viel Lehre oder Belehrung. Der Brief wurde möglicherweise schon geschrieben, bevor Paulus seine Briefe schrieb. Doch wenn die Belehrungen dieses Briefes in deinem Leben Wirklichkeit werden sollen, ist es nötig, dass du die Lehre der Briefe des Paulus kennst. Der Jakobusbrief ist also nicht ein Brief, den du ohne weiteres sofort in die Praxis umsetzt. Es geht darum, den neuen Menschen auszuleben, und über diesen neuen Menschen erfährst du alles in den Briefen von Paulus. Wenn du seine Briefe gelesen hast, wirst du das sicher verstehen. Die Reihenfolge der Briefe, wie wir sie in der Bibel haben, ist zwar nicht inspiriert, dennoch steht der Jakobusbrief an einem auffallend richtigen Platz: nach den Briefen des Paulus.

Der Brief war an die zwölf Stämme Israels gerichtet, also an das irdische Volk Gottes. Es hatte noch keine Trennung stattgefunden. Das Volk als Ganzes hatte den Herrn Jesus verworfen; die Empfänger des Briefes dagegen bekannten, dass sie den Glauben des Herrn Jesus, des Herrn der Herrlichkeit, besaßen (Jak 2,1). Das bedeutet, dass Gott uns durch diesen Brief mit einer Mischform des Christentums bekanntmacht: dem jüdischen Christentum. Der Brief behandelt die Zeit des Übergangs vom Alten (dem Judentum) zum Neuen (dem Christentum). Wir können den Brief am besten in die frühe Zeit des Gemeindelebens einordnen, und das wird ja in der Apostelgeschichte beschrieben.

Während dieser Übergangszeit duldete Gott es, dass die neu entstandene Gemeinde bestimmte Gebräuche des alten Volkes Israel beibehielt. Diese Übergangszeit würde in Kürze ihr Ende finden, und zwar dann, wenn im Jahr 70 die Römer Jerusalem zerstören würden (der Jakobusbrief ist datiert auf die Jahre 45–62). Jakobus weist darauf hin, wenn er von „den letzten Tagen“ spricht (Jak 5,3). Man kann deshalb diesen Brief in gewisser Hinsicht einen „Endzeitbrief“ nennen. Für uns ist er aktuell, denn auch wir leben in einer Endzeit, und zwar in der Endzeit der Christenheit, die ebenfalls durch Gerichte zum Abschluss kommen wird. Zugleich befinden wir uns an der Schwelle zu einer neuen Zeit, die nach den Gerichten anbrechen wird. Diese neue Zeit dauert tausend Jahre. Es ist eine Periode, die unter der segensreichen Regierung des Herrn Jesus durch Frieden im Himmel und auf der Erde gekennzeichnet sein wird.

In der Reihenfolge der biblischen Bücher folgt der Jakobusbrief auf den Hebräerbrief. Allem Anschein nach wurde der Hebräerbrief später als der Jakobusbrief geschrieben. Im Hebräerbrief, der auch an Juden geschrieben wurde, ergeht der Aufruf, hinauszugehen außerhalb des Lagers (Heb 13,13). Dieser Aufruf erging im Blick auf die bevorstehende Zerstörung Jerusalems. Einen entsprechenden Aufruf finden wir im Jakobusbrief nicht. Dort wird noch das ganze Volk Israel angesprochen. Jakobus schreibt an solche, die in der Zerstreuung sind, nämlich an Israeliten, die überall unter den Völkern zerstreut sind. Jakobus sieht noch das ganze Volk, ebenso wie Elia (1Kön 18,31; vgl. Esra 6,17) und Paulus (Apg 26,7) das so lange taten, bis Gott das Gericht vollzog.

Jakobus nahm in der Gemeinde in Jerusalem eine führende Stellung ein. Man kann wohl sagen, dass er der Führer dort war. Die Gemeinde in Jerusalem bestand aus Juden, die zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen waren. Bei ihnen galt Jakobus, zusammen mit Petrus und Johannes, als eine Säule (Gal 2,9). Was die Ausübung des Gottesdienstes dieser Gemeinde betrifft, unterschieden sie sich allerdings nicht von ihren ungläubigen Volksgenossen.

Als Paulus im Anschluss an seine dritte Missionsreise nach Jerusalem kam, ging er zu Jakobus, und alle Ältesten von Jerusalem kamen dorthin. In der Unterredung, die folgte, berichtete man Paulus, dass schon viele Tausende Juden zum Glauben gekommen seien, und alle seien Eiferer für das Gesetz (Apg 21,20). Unter Anführung von Jakobus wurde Paulus ein Vorschlag unterbreitet: Wenn er den befolgte, könnte er beweisen, dass auch er selbst ein gesetzestreuer Jude war. Als Paulus diesem Vorschlag zustimmte, bedeutete das das Ende seines öffentlichen Dienstes. Hier sieht man, wie groß der Einfluss von Jakobus war. Diesen großen Einfluss sieht man auch während des Apostelkonzils, wo Jakobus die entscheidende Antwort gab, nämlich dass die Heiden nicht unter das Gesetz gebracht werden durften (Apg 15,13-21).

Einteilung

Der Brief – der den Glauben, der sich praktisch im Leben, im Alltag, auswirkt, betont – könnte man grob so einteilen:
1. Der Glauben in der Prüfung (Jakobus 1).
2. Der Glaube und seine guten Werke (Jakobus 2).
3. Der Glaube und die Zunge (Jakobus 3).
4. Der Glaube und die Trennung von der Welt (Jakobus 4).
5. Der Glaube und das geduldige Ausharren (Jakobus 5,1–12).
6. Der Glaube und das wirksame Gebet (Jakobus 5,13–20).

Segenswunsch – Glaube in Versuchungen

Jak 1,1. Obwohl Jakobus also der Leiter der Gemeinde in Jerusalem war, stellt er sich in diesem Brief doch nicht so vor. Er stellt sich als „Knecht Gottes“ vor. Das konnte im Grunde jeder Israelit sagen. Für Jakobus bedeutete das nicht eine beengende Unterwerfung unter Gott, sondern ein Vorrecht. Dann nennt er sich auch Knecht „des Herrn Jesus Christus“. Das konnte und wollte nicht jeder Israelit ihm nachsprechen. Doch Jakobus nennt sich so, und hier klingt durch, dass es für ihn eine Ehre war, Knecht des Herrn Jesus zu sein. Wenn man dann bedenkt, dass er natürlicherweise ein Bruder des Herrn Jesus war (Gal 1,19), ist es doch eindrucksvoll, dass er sich so nennt.

Man merkt bei ihm nichts von dem leutseligen Geist, der über „Jesus“ spricht, als wäre Er ein Freund von der Straße. Er nennt den Namen des Mannes, der von derselben Mutter geboren war wie er, mit Hochachtung. Diese Achtung hatte er nicht immer. Während des Lebens des Herrn Jesus glaubte Jakobus nicht an Ihn als den, der von Gott gesandt war (Joh 7,5). Das änderte sich, als ihm der Herr Jesus nach seiner Auferstehung erschien (1Kor 15,7). Es ist jedenfalls sehr wahrscheinlich, dass diese Erscheinung der Anlass zu seiner Bekehrung war. Übrigens sieht man, dass Jakobus Gott und den Herrn Jesus auf die gleiche Stufe stellt: Er nennt sich sowohl Knecht Gottes als auch Knecht des Herrn Jesus. Er ehrt den Sohn, wie er den Vater ehrt (Joh 5,23).

Jakobus schreibt den „zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind.“ Auch Petrus schreibt an die, die in der Zerstreuung sind (1Pet 1,1), allerdings nur an die gläubigen Juden, also die Juden, die von neuem geboren waren (1Pet 1,23). Jakobus schreibt an die Gesamtheit.

Mit einem kurzen „Gruß“ drückt er seine Verbundenheit mit ihnen aus. Jemand grüßen oder jemand Grüße bestellen ist ein Zeichen der Verbundenheit. Das Wort „Gruß“ drückt eigentlich den Wunsch aus, dass der andere sich freuen und froh sein möge (das Wort kommt noch vor in Apg 15,23; Apg 23,26).

Jak 1,2. Die Aufforderung von Jakobus, es für Freude zu halten, wenn man in mancherlei Prüfungen fällt, schließt sehr schön an den Wunsch im vorhergehenden Vers an. Nach dem allgemeinen Gruß in Jak 1,1 nennt Jakobus seine Leser „meine Brüder“, und dadurch bringt er noch stärker zum Ausdruck, wie sehr er mit ihnen verbunden ist. Das zeigt außerdem, dass er nicht als Führer, sondern als Bruder zu ihnen spricht.

Ohne eine weitere Einleitung spricht Jakobus direkt über „mancherlei Prüfungen“. Er versetzt dich auf einmal in die Welt und zeigt, was du darin erleben kannst. In der Welt wird die Echtheit deines Bekenntnisses durch Prüfungen getestet. Für die Menschen, an die Jakobus schreibt, besteht die Prüfung vor allem in Armut. Vielleicht ist das auch bei dir so. Doch du kannst bei diesen Prüfungen auch an etwas anderes denken, zum Beispiel an Krankheit, eine Behinderung, Arbeitslosigkeit oder den Tod eines Geliebten. Das alles sind Prüfungen, die der Herr auf den Weg der Gläubigen bringt, um zu sehen, wem sie vertrauen. Jakobus spricht also zu Anfang über die Prüfung, ob der Glaube echt ist. Wie schon in der Einleitung gesagt, geht es ihm um die Praxis des Glaubenslebens. Man könnte sagen, dass die Welt mit ihren Versuchungen (im Griechischen dasselbe Wort wie für „Prüfung“) der Bereich ist, wo der Glaube geprüft wird.

Jakobus fordert seine Brüder auf, die Prüfungen, denen sie ausgesetzt sind, mit Freude anzunehmen. Ist das nicht ein bisschen viel verlangt? Es sieht auch noch so aus, als stünde das im Gegensatz zu dem, was Petrus sagt. Petrus sagt ja, dass Versuchungen Betrübnis bewirken (1Pet 1,6), und das kann man viel leichter verstehen. Doch es geht nur um einen scheinbaren und keinen wirklichen Widerspruch. Jakobus und Petrus gehen Versuchungen oder Prüfungen von zwei unterschiedlichen Gesichtspunkten aus an. Wenn du eine Prüfung erlebst, macht dich das traurig. Eine Prüfung erleidest du nicht stoisch, sie lässt dich nicht unberührt (Heb 12,11). Doch du darfst auch daran denken, dass Gott jede Prüfung in deinem Leben geplant hat. Gott beschäftigt sich mit dir. Bei Jakobus geht es um die Tatsache der Prüfung, und dabei weist er darauf hin, dass Prüfungen für jeden wieder anders sind. Deshalb spricht er über „mancherlei“ Prüfungen. Die Prüfung, die du erlebst, soll dich zu Gott hintreiben. Wenn das geschieht, ist das ein Ergebnis, das dich erfreut und vor allem Gott Freude macht. Auf diese Weise kannst du etwas von der Erfahrung nachempfinden, die Paulus machte, und die er so ausdrückt: „Als Traurige, aber allezeit uns freuend“ (2Kor 6,10).

Jak 1,3. Jakobus gibt auch den Grund an, warum seine Leser es für Freude halten sollen, wenn sie in Prüfungen fallen. Zugleich kann er ihnen sagen, dass sie ja das Ziel der Prüfungen kennen. Sie wissen ja, dass diese Prüfungen, durch die ihr Glaube geprüft wird, ihren Glauben stärken und auch zum Ausharren ermutigen sollen. Gott will uns mit den Prüfungen, in die wir fallen, lehren auszuharren. Ausharren ist der Beweis echten Glaubens. Nun könntest du sagen: „Hängt die Errettung denn doch von eigener Anstrengung ab?“ Nein, so ist das nicht. Die Errettung ist im Werk Christi verankert. Wenn wir jedoch sagen, dass wir errettet sind, wird das bewiesen, wenn wir im Glauben ausharren, auch wenn schwerste Prüfungen kommen.

Das Schwierigste an Prüfungen ist ihre Dauer. Manchmal kann man in einer plötzlichen Prüfung standhaft bleiben und weiter auf Gott vertrauen. Aber wehe, wenn die Prüfung länger andauert. Dann geht es gerade darum, Gott weiter zu vertrauen, dass Ihm die Sache nicht aus der Hand läuft. Dann ist es wichtig, den Glauben festzuhalten, dass Er nicht über Vermögen versucht (1Kor 10,13). Wenn eine Prüfung so lange dauert, dass du denkst: „Wann hört sie denn endlich auf?“, ist das eine Prüfung, die zum Ziel hat, dass das Ausharren ein vollkommenes Werk hat. Im Leben eines Christen ist Ausharren ein sehr wichtiges Kennzeichen. Wenn Paulus die Zeichen eines Apostels aufzählt, nennt er an erster Stelle „Ausharren“ (2Kor 12,12). Sowohl bei Jakobus als auch bei Paulus bedeutet das Wort Ausharren: Leid mit Ausharren (oder Geduld) ertragen. Genauso wie Jakobus zeigt auch Paulus die segensreichen Folgen des Ausharrens in Prüfungen (Röm 5,3-5).

Ein Beispiel für jemanden, bei dem das Ausharren kein vollkommenes Werk hatte, ist König Saul. Er konnte nicht auf Samuel warten und opferte vor der Zeit. Das kostete ihn das Königtum (1Sam 13,8-14). Aber auch David versagte in seinem Ausharren. Saul stellte ihm beständig nach. Dass die Prüfung so lange dauerte, wurde für David in einem bestimmten Augenblick zu viel, und er dachte bei sich: „Nun werde ich eines Tages durch die Hand Sauls umkommen“ (1Sam 27,1). Als einzigen Ausweg sah er die Möglichkeit, bei den Philistern Zuflucht zu suchen. Das verschaffte ihm die ersehnte Ruhe, denn Saul suchte ihn nicht länger; aber er verlor die Gemeinschaft mit Gott. Sein Ausharren hatte kein vollkommenes Werk, denn statt von Gott die Weisheit zu erbitten, was er tun sollte, überlegte er sich selbst, wie er da herauskommen konnte. Im Gegensatz zu Saul kommt David später auf den Weg mit Gott zurück; er hat bis zum Ende ausgeharrt.

Jak 1,4. Das Ausharren hält so lange an, bis du dich in einem bestimmten Fall vollständig dem Willen Gottes unterworfen hast. Ein vollkommenes Werk besteht nämlich darin, dass du dich ganz und gar dem Willen Gottes unterwirfst und dass sein Wille der deinige wird. Das ist ein Prozess, und der dauert das ganze Leben lang an. Bei dem Herrn Jesus gab es keinen Eigenwillen, dennoch wurde Er in allem versucht wie wir, ausgenommen die Sünde (Heb 4,15). Die Versuchung bewirkte bei Ihm, dass Er vollendet oder vollkommen gemacht wurde (Heb 5,7-10). Wenn dieses Werk in dir abgeschlossen ist und du dich vollständig dem Willen Gottes unterworfen hast, so dass sein Wille das Einzige ist, wonach du verlangst, dann bist du vollendet und vollkommen und hast an nichts Mangel. Das bedeutet nicht, dass du dann den ganzen Willen Gottes kennst und nichts weiter über den Willen Gottes zu lernen hättest. Jak 1,5 beweist das Gegenteil. Es geht darum, dass du im Willen Gottes für dein Leben und deine Umstände ruhig bist. Du vertraust Ihm, dass Er das Beste mit dir vorhat. Wenn du Ihm so hingegeben bist, kann Er dir seinen Willen bekannt machen. Er kann dann zu dir sprechen und dich auch gebrauchen.

Die Vollkommenheit, über die Jakobus hier spricht, hat nichts mit Sündlosigkeit zu tun. Auch wenn du Gott hingegeben lebst, kann es geschehen, dass du – wie gut deine Absichten auch sind – doch sündigst. Ein Beispiel dafür sieht man bei Petrus. Er wollte wirklich voller Hingabe für den Herrn leben. Er sagte sogar, dass er sein Leben für den Herrn Jesus geben wollte. Aber der Herr musste ihm sagen, dass er Ihn dreimal verleugnen würde. Bei all seinen guten Absichten war Petrus blind für seine eigene Schwachheit. Und weil er eines Tages auch noch die Warnung des Herrn in den Wind schlug, sündigte er, indem er den Herrn verleugnete. Glücklicherweise kam er zur Reue und empfing Vergebung (Lk 22,33; 34; 54-62). Das Versagen des Petrus bestand darin, dass er in seinem Glauben nicht ausharrte, als er versucht wurde; ihm fehlte die Weisheit, sich richtig zu entscheiden und das rechte Bekenntnis abzulegen.

Jak 1,5. Um vor solchen Erfahrungen bewahrt zu bleiben, ist Weisheit nötig. Weisheit bedeutet, die Kenntnis anzuwenden, die man in den Umständen hat, in denen der Glaube auf die Probe gestellt wird. Weil der Glaube immer wieder auf die Probe gestellt wird, brauchst du ständig diese Weisheit. Du wirst sicher einen Mangel an Weisheit empfinden, wenn du dich mit dem Leben der dich umgebenden Welt beschäftigst. Mir geht es jedenfalls so.

Um weitergehen zu können, um ausharren zu können, ist es wichtig, die Absichten Gottes zu kennen. Das bedeutet, dass du zu Ihm ins Heiligtum gehen musst. Im Heiligtum siehst du, welchen Weg Gott mit dir gehen will. Du siehst auch, dass sein Ziel letzten Endes Segen ist. Was für ein gewaltiges Wort spricht Jakobus hier aus! Es ist eigentlich eine wunderbare Einladung. Jakobus lädt dich ein, Gott um Weisheit zu bitten. Er beschreibt, wie Gott auf diese Bitte antwortet. Gott beantwortet deine Bitte willig und großzügig, ohne dir einen Vorwurf zu machen. Wenn du Hilfe bei einem Menschen suchst, kann es sein, dass du einen Vorwurf bekommst. Man findet dich einfach unverschämt, oder man fühlt sich ausgenutzt oder sagt, du müsstest eben sehen, wie du zurechtkommst, weil man dir ohnehin nicht helfen kann. So etwas tut Gott nicht. Wenn du Ihn bittest, wirst du Ihn als einen gebenden Gott kennenlernen. Er ist kein Fordernder, zu dem man als Bittsteller kommen muss, um Ihn zu erweichen. Nein, Er ist ein Gott, der gern sieht, wenn du kommst, der dir gern zuhört und dich gern erhört.

Lies noch einmal Jakobus 1,2–5.

Frage oder Aufgabe: Bitte Gott um Weisheit im Blick auf die Versuchungen, mit denen du zu tun hast.

Nicht zweifeln, sondern ertragen

Jak 1,6. Im vorigen Abschnitt hast du gesehen, dass Gott gern sieht, wenn du kommst. Aber damit ist doch eine Bedingung verbunden, nämlich dass du im Glauben kommst (vgl. Heb 11,6) und ohne dass du im Herzen an seiner Güte zweifelst. Wenn du Gott um Weisheit bittest und zugleich an seiner Güte zweifelst, dir Weisheit zu geben, gleichst du einer Meereswoge. In solch einem Fall wendest du dich an Gott und bittest Ihn um Weisheit, während du im Herzen auf der Suche nach anderen Möglichkeiten bist, wo du Weisheit bekommst, um aus der Prüfung herauszukommen. Du öffnest dich für Gott, aber zugleich hörst du auf die Meinungen von Menschen, oder du blickst auf die Umstände und machst deine Entscheidungen davon abhängig. Für Gott ist dann kein Raum, um dir etwas klarzumachen. Das Ergebnis einer solchen Haltung ist, dass du hin- und hergetrieben wirst wie eine Meereswelle, die auf und nieder wogt. Zweifel gleichen dem offenen Meer, wobei die Wellen ein Spielball des Windes sind. So ist ein Mensch, der zweifelt, ein Spielball der Meinungen anderer, denen er sich öffnet.

Jak 1,7. Einander um Rat zu fragen, ist nicht verkehrt, aber dieser Rat darf nicht die erste und wichtigste Stelle einnehmen. Wenn der Rat anderer für dich so viel bedeutet, dass dein Vertrauen auf Gott nicht mehr bestimmend ist, bekommst du nichts von Ihm. Andere um Rat zu fragen oder auf den guten Rat anderer zu hören, muss das Vertrauen auf Gott gerade vergrößern. Gott möchte, dass du Ihm bedingungslos vertraust.

Jak 1,8. Ein Mensch, der das nicht tut, ist doppelherzig, denn das ist die Bedeutung des Wortes „wankelmütig“. Dass solch ein Mensch wankelmütig ist, wird auch an seinen Wegen deutlich. Er ist darin unberechenbar, man sollte ihm nicht folgen. Man denkt gerade, dass er auf dem guten Weg ist, aber kurze Zeit später geht er in eine ganz andere Richtung. Man kann sich nicht auf ihn verlassen. Er hat einen Zickzackkurs. Ihm fehlt in seinem Glaubensleben jede Beständigkeit.

Jak 1,9. Nachdem Jakobus ganz allgemein über das Ausharren in Prüfungen gesprochen hat, wendet er diese Punkte auf den „niedrigen Bruder“ an. Man kann das an dem Wörtchen „aber“ erkennen. Jakobus zeigt dadurch einen Gegensatz zum Vorhergehenden auf und vor allem zu dem Zweifelnden. Der niedrige oder gesellschaftlich arme Bruder steht in der Gefahr, an der Liebe Gottes zu ihm zu zweifeln. Als Israelit ist er mit dem Gedanken aufgewachsen, Reichtum sei der Beweis für den Segen Gottes und Armut der Beweis, dass Gottes Segen wegen Untreue zurückgehalten wird. Aber, sagt Jakobus, so ist das nicht mehr. Armut an sich ist kein Beweis für Untreue und Gottes Missfallen daran. Armut ist eine Prüfung, die man mit Freude ertragen kann, weil man sie als Glaubensprüfung ansehen kann.

Jakobus fügt eine besondere Ermutigung hinzu. Er sagt dem gesellschaftlich Armen, dass er sich wegen seiner Beziehung zu Christus seines geistlichen Reichtums und seiner Hoheit rühmen darf. Der Arme kann sich über seine Hoheit freuen, weil Christus sich nicht schämt, ihn „Bruder“ zu nennen (Heb 2,11). Dieser Titel wird in der Welt verkannt und für nichts geachtet. Der Arme weiß jedoch, dass die Herrlichkeit dieser Welt vergeht wie des Grases Blume, und er freut sich zugleich darüber, dass er zu denen gehört, die der Herr der Herrlichkeit als die Seinen anerkennt.

Jak 1,10. Jakobus hat auch ein Wort an die Reichen der Gesellschaft. Der Reiche, der sich seines Reichtums rühmt, sollte sich klarmachen, dass er mit all seinem Reichtum niedrig und arm ist. Jakobus ruft den Reichen dazu auf, sich seiner Niedrigkeit zu rühmen, das heißt, sich dessen zu rühmen, was er innerlich vor Gott ist. In sich ist der Reiche ein Sünder, der vor Gott nicht bestehen kann. Außerdem wäre es gut, wenn er sich bewusst würde, dass sein ganzer Reichtum verwelken wird.

Jak 1,11. Das trifft nicht nur auf den Reichtum des Reichen zu, sondern auch auf den Reichen selbst. Gras ist ein Bild für den Wohlstand des Menschen, doch dazu gehört untrennbar, dass dieser Wohlstand schnell vergeht. Die Blume verleiht dem Gras Farbe und Pracht, aber auch die Farbe und die Pracht der Blume vergehen schnell.

Eine Illustration dazu findet man in der Begebenheit, die der Herr Jesus über den armen Lazarus und den reichen Mann berichtet (Lk 16,19-25). Lazarus war wirklich arm. Der Reiche kümmerte sich nicht um ihn. Lazarus bedeutet „Gott ist Hilfe“, und Gott hatte Lazarus in Umstände gebracht, wo die Bedeutung seines Namens sichtbar werden konnte. Lazarus hatte nichts und niemand zu Hilfe als Gott. Der reiche Mann lebte nur für sich und hatte kein Bedürfnis nach der Hilfe Gottes. Auf der anderen Seite des Todes sind die Rollen jedoch vertauscht. Dort ist der Reiche ein armer Mann geworden und der arme Lazarus ein reicher.

Der Wert des Reichtums oder eher die Bedeutungslosigkeit des Reichtums wird deutlich, wenn die Hitze der Sonne als ein Bild von Prüfungen in das Leben kommt. Wenn Krankheit oder Tod ihren Einzug halten, zeigt sich, dass Gesundheit und Leben nicht käuflich zu erwerben sind, selbst wenn jemand alles Geld der Welt besäße. Man kann die Sonne mit ihrer Hitze auch als ein Bild des Herrn Jesus sehen. Der Herr Jesus wird als die Sonne der Gerechtigkeit vorgestellt (Mal 3,20). Wenn Er kommt, um die Erde zu richten, wird Er alles, was hoch und erhaben ist, erniedrigen (Jes 2,10-12). Was der Mensch hochschätzt und was bei ihm in Ansehen steht, wird Er zunichtemachen. Alles, worauf das menschliche Herz vertrauen kann und wodurch der Mensch meint, Gott nicht nötig zu haben, wird verschwinden, wenn die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht. Im Licht der Sonne, das alles offenbart, wird sich zeigen, welchen Wert alles hatte.

Jak 1,12. Mit einem „Glückselig“ für den Mann, „der die Prüfung erduldet“, schließt Jakobus seine einleitenden Bemerkungen über die Prüfung des Glaubens ab. Der Mann, der die Prüfung bestanden hat, bekommt neben dieser Anerkennung auch eine Belohnung. Das Wort für „Krone“ ist hier stefanos. Es gibt auch ein anderes Wort für Krone, das Wort diadem. Das diadem ist das Symbol königlicher oder kaiserlicher Würde. Dieses Wort wird in der Offenbarung öfter gebraucht. Hier ist es stefanos, das ist eine Ehrenkrone, die einen Sieger auszeichnet. Diese Krone ist nicht aus Gold, sondern aus Lorbeerblättern. Der materielle Wert der Krone ist daher auch gleich Null. Der symbolische Wert ist jedoch erheblich, und zwar wegen der Ehre, die damit verbunden ist. Diese Krone bekommt jemand als Zeichen der Wertschätzung dafür, dass er eine besondere Leistung erbracht hat. Solch eine Krone konnte man sich bei den Olympischen Spielen verdienen. Mit der Aussicht auf diese Krone war ein Teilnehmer bereit, große Mühen auf sich zu nehmen und auf vieles zu verzichten. Die stefanos ist ein enormer Anreiz, den Wettlauf zu laufen.

In dieser Bedeutung teilt der Herr Jesus am Tag der Belohnung die Krone des Lebens aus (auch in Off 2,10 genannt), ebenso auch andere Kronen, die man sich verdienen kann (beispielsweise „die Krone der Gerechtigkeit“, 2Tim 4,8, und „die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit“, 1Pet 5,4). Alle, die durch Prüfungen gegangen sind und gezeigt haben, dass sie nicht für das Leben auf der Erde da sind, sondern für das wahre Leben, die sogar bereit waren, ihre Treue mit dem Leben zu bezahlen, denen gibt Gott diese Krone als besondere Ehrenerweisung. Wenn der Herr Jesus mit den Seinen wiederkommt, wird das „Leben“ sie kennzeichnen. Das bedeutet, dass an ihnen das besondere Kennzeichen des Herrn Jesus als das Leben gesehen werden wird, denn Er ist „das Leben“ (Joh 11,25; Joh 14,6). Sie werden das Leben als ein Ehrenzeichen tragen. Das Leben, das sie geführt haben, und dessen ausgezeichnete Eigenschaft in den schwierigsten Umständen bewiesen wurde, wird dann aus der Hand des Herrn Jesus, für jeden sichtbar, empfangen werden. So wird Er in seinen Heiligen verherrlicht und in allen denen, die geglaubt haben, bewundert werden (2Thes 1,10).

Lies noch einmal Jakobus 1,6–12.

Frage oder Aufgabe: Wie kannst du die Krone des Lebens empfangen?

Teilhaber der neuen Schöpfung

Jak 1,13. Die Versuchungen oder Prüfungen, über die Jakobus in diesem Vers spricht, sind von ganz anderer Art als die, über die er bis jetzt gesprochen hat. Bisher ging es um Prüfungen, die von außen an dich herangetragen werden. Es sind die Umstände, in denen du dich befindest und die dich herausfordern, deinen Glauben zu beweisen. Bei den Versuchungen, die Jakobus in Jak 1,13 und Jak 1,14 anspricht, geht es um Versuchungen, die ihren Ursprung in dir selbst haben. Es sind Versuchungen, die mit deinem Fleisch, das heißt mit deiner sündigen Natur in Verbindung stehen. Du siehst also, dass Jakobus mit Versuchungen zweierlei meint: Versuchungen, die von außen auf dich zukommen, und Versuchungen, die von innen, aus dir selbst, hervorkommen.

Gott kann dich durch äußere Umstände prüfen. Er verfolgt damit das Ziel, dich zu segnen. Das sieht man bei Abraham. Um Abraham zu versuchen, um seinen Glauben auf die Probe zu stellen und für alle sichtbar zu machen, forderte Gott von ihm, seinen Sohn zu opfern (1Mo 22,1). An dem Weg, den Abraham dann im Glaubensgehorsam geht, siehst du, dass sein Glaube an Gott sich als Glaube an den Gott der Auferstehung offenbart. Gott wusste, dass er diesen Glauben besaß, aber nun wissen wir es auch. Abrahams Glaube ist sichtbar geworden. Diese Versuchung Abrahams kommt also nicht aus ihm selbst, sondern von Gott. Wenn es nicht um Sünde geht, sondern wenn der Glaube und das Ausharren erprobt werden, geht es um den Zustand der Seele. Sie soll unterwiesen, herangebildet und geformt werden.

Sobald es jedoch darum geht, dass die Begierde geweckt wird, kann unmöglich gesagt werden, dass Gott versucht. Die Versuchungen, die aus dir selbst kommen, kommen nicht von Gott. Du kannst niemals sagen, dass Gott versucht, dich zur Sünde zu verleiten. Eine Verführung zur Sünde entsteht, wenn du deine Begierde nicht unter Kontrolle hältst, sondern ihr nachgibst.

Gott kann nicht durch das Böse versucht werden, denn in Ihm ist nichts Böses. Darum kann das Böse oder die Sünde auch nicht aus Ihm hervorkommen, um dich dadurch auf die eine oder andere Weise zu versuchen. Das siehst du treffend beim Herrn Jesus, besonders in den Versuchungen, denen Er in der Wüste ausgesetzt war (Lk 4,1-13). Er war und ist ohne Sünde (Heb 4,15). Er konnte nicht durch etwas versucht werden, das aus Ihm selbst gekommen wäre, weil keine Sünde in Ihm ist (1Joh 3,5). Als der Herr auf der Erde war, fand der Fürst der Welt nichts in Ihm, gar keinen Anknüpfungspunkt (Joh 14,30). Der Herr befand sich in schwierigen Umständen. Sein Weg auf der Erde, den Er in Abhängigkeit von seinem Gott ging, brachte das mit sich. Er hat am Grab des Lazarus geweint; er hat auch über Jerusalem geweint (Joh 11,35; Lk 19,41). Seine Traurigkeit war echt, denn Er empfand vollkommen die Folgen der Sünde. Das Elend ließ Ihn nicht kalt. Trotz allen Kummers und aller Enttäuschung hat Er weiter auf Gott vertraut. Aber nie ist Er von Gott zum Sündigen versucht worden. Gott bringt auch uns nicht dazu, zu sündigen. Er versucht nicht zur Sünde.

Jak 1,14. Wenn du der Versuchung nachgibst, geschieht das, weil du von deiner eigenen Begierde gezogen und gelockt wirst. Du hast dir im Internet etwas Schlechtes angeschaut und denkst darüber nach. Du hast das also nicht radikal verurteilt, sondern du hast dich durch das, was du gesehen hast, locken lassen. Das kann ein schönes Auto sein, es kann auch eine schöne Frau oder ein schöner Mann sein. Du hast deiner Phantasie freien Lauf gelassen und hast dich von deiner Begierde ins Schlepptau nehmen lassen.

Jak 1,15. Wenn dieser Prozess einmal in Gang gesetzt ist, wird die Begierde nicht nur ein inneres Verlangen bleiben, sondern wird es zur Tat kommen. Du bist in deinem Denken an das begehrte Objekt so weit gekommen, dass du es auch besitzen willst. Die Begierde gebiert die Sünde. Du beschaffst dir das Begehrte, sei es in Wirklichkeit – du kaufst dir beispielsweise das Auto –, sei es in deinen Gefühlen – innerlich nimmst du dir diese Frau oder diesen Mann zu eigen und hast in deinen Gefühlen Umgang mit ihr oder ihm. Wenn du in dieser Situation weiterlebst, wird die Sünde derart Macht über dich bekommen, dass sie dir über den Kopf wächst. Sie reift heran und wird stark. Sie hat dich so im Griff, dass sie dich tötet.

Jakobus sagt diese Dinge, um dich zu warnen, damit du dich in den Versuchungen, die aus dir selbst kommen, nicht irreführen lässt. Diese Versuchungen kommen nicht von Gott, und du brauchst also gar nicht darauf einzugehen. Tust du das doch, bedeutet das das Ende deines Lebens als Christ. Das Ende des Weges eines Sünders ist der Tod (Jak 5,20). Man kann sagen, dass die Begierde die Großmutter des Todes ist: Die Begierde gebiert die Sünde, und die Sünde gebiert den Tod.

Wenn du dir ansiehst, wie Paulus darüber spricht, scheint das nicht im Einklang miteinander zu sein. Natürlich stimmt das überein. Du musst nur wissen, wie Paulus diese Dinge vorstellt und wie Jakobus das tut. Wenn Paulus sagt, dass die Begierde aus der Sünde hervorkommt, denkt er dabei an die innewohnende Sünde, die Macht der Sünde (Röm 6,12). Die innewohnende Sünde, die sündige Natur, ist die Quelle, aus der alle sündigen Taten hervorkommen. Durch die innewohnende Sünde wird die Begierde geweckt (Röm 7,8). Wenn Jakobus sagt, dass die Begierde die Sünde gebiert, sieht das zwar zunächst wie ein Widerspruch aus, es ist aber nur ein scheinbarer Widerspruch. Was er sagt, ist nicht im Gegensatz zu dem, was Paulus sagt, sondern schließt daran an. Jakobus spricht über die Begierde als eine sündige Tat, und daraus kann nur eine weitere sündige Tat hervorkommen. Jakobus beschäftigt sich also mit der Wirkung, während Paulus sich mit der Quelle beschäftigt.

Jak 1,16. Nun ermahnt Jakobus, sich nicht zu irren: Was aus dir selbst hervorkommt, kommt nicht aus Gott. Er betont dabei besonders den Wert, den seine Brüder für ihn haben. Man hört das heraus, wenn er sie als „meine geliebten Brüder“ anspricht. Wenn du deine Brüder und Schwestern als deine „geliebten Brüder und Schwestern“ siehst, wirst du nicht wollen, dass diese Beziehung durch irgendwas gestört wird.

Jak 1,17. Eine falsche Sicht auf Versuchungen stört diese Beziehung. Wenn du beispielsweise sagst, dass Gott es auf dich abgesehen habe, wenn du versucht wirst, dann vermittelst du einen falschen Eindruck von Gott. Jakobus hat das angeprangert. Aber nun sagt er, dass du, obwohl du mitten in Versuchungen steckst und obwohl es Versuchungen geben kann, die aus dir selbst kommen, du doch zu einer völlig neuen Welt gehörst. Er spricht darüber, dass du „eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe“ bist. Das heißt, dass du durch den Glauben an den Herrn Jesus schon zu dieser neuen Schöpfung gehörst, die offenbar werden wird, wenn der Herr Jesus einmal in Majestät und Herrlichkeit regiert.

Dieses herrliche Neue – und alles, was damit verbunden ist – hat seinen Ursprung im Himmel, von wo es als eine gute Gabe und ein vollkommenes Geschenk herabkommt. Der Ausdruck „jede gute Gabe“ bezieht sich darauf, dass Gott gibt, und dabei hat Gott niemals einen falschen Beweggrund. Der Ausdruck „jedes vollkommene Geschenk“ bezieht sich auf das, was Gott gibt. Die gute Gabe und das vollkommene Geschenk Gottes ist der Herr Jesus (Joh 4,10). Man kann dabei auch noch an seinen Geist und sein Wort denken. So ist es mit allem, was von Gott kommt. Von Gott kommen nur gute und vollkommene Dinge herab. Du siehst hier, dass Gott ein Geber ist, während Er im Alten Testament ein Fordernder war.

Er gibt als der Vater der Lichter, das heißt als der Ursprung eines mehrfachen Lichtes. Jede Gabe und jedes Geschenk kommt aus dem Licht, aber bleibt immer in Verbindung mit dem Licht. Ein Geschenk Gottes kann daher auch niemals mit Finsternis und Sünde in Verbindung gebracht werden.

Jak 1,18. Wenn es für Gott möglich sein sollte, dir das, was Er im Herzen hatte, zu geben, dann musste Er zuvor selbst in dir wirken. Weil Gott sich nicht ändern kann, musst du dich ändern. Das hat Er bewirkt. Er hat das neue Leben in dich eingepflanzt. Das hat Er „nach seinem eigenen Willen“ getan, und das bedeutet, dass Er es sich nicht anders überlegt. Er hat das „durch das Wort der Wahrheit“ getan, denn durch dieses Wort lernst du Gott und auch dich selbst kennen. Dieses Wort ist durch den Heiligen Geist auf dich angewandt worden. Dadurch bist du ein neues Geschöpf geworden, zwar erst noch eine „gewisse“ Erstlingsfrucht, weil das noch nicht deinen Leib betrifft. Aber innerlich hast du schon Teil an dem, was bald im Friedensreich in der Schöpfung allgemein so sein wird. Gott sieht in der alten Schöpfung jetzt schon Menschen, die zu dieser neuen Schöpfung gehören. Dazu darfst du gehören. Ist das nicht ein Grund, Gott zu preisen?

Lies noch einmal Jakobus 1,13–18.

Frage oder Aufgabe: Was sind die Gegensätze zwischen dem Abschnitt Jak 1,13-15 und dem Abschnitt Jak 1,16-18?

Die Praxis des neuen Lebens

Jak 1,19. Nach dieser wunderschönen Darlegung, wie Gott in den Seinen wirkt, fährt Jakobus nun fort, über die Praxis des neuen Lebens zu sprechen. Er will, dass seine Leser, die er wieder „meine geliebten Brüder“ nennt, wissen, was das neue Leben vor allem kennzeichnen sollte. Das Erste, was er nennt, ist: hören, zuhören. Wenn du erst kurz bekehrt bist, ist es vor allem wichtig, auf den Herrn zu hören, und zwar in der Haltung des jungen Samuel. Eli hatte ihn gelehrt zu sagen: „Rede, Herr, denn dein Knecht hört“ (1Sam 3,9). Der Herr Jesus ist das vollkommene Beispiel für jemand, der hört (Jes 50,4). Daher konnte Er immer zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu den richtigen Menschen sagen. So kannst auch du nur etwas Vernünftiges sagen, wenn du zuerst zugehört hast. Gott hat dir zwei Ohren und nur einen Mund gegeben. Sei schnell, auf das zu hören, was der Herr dir zu sagen hat. Reagiere nicht zu schnell auf das, was Menschen sagen. Halte deine Zunge im Zaum und versuche nicht immer, deinen Senf zu allem dazuzugeben (vgl. Pred 5,1). Lass dich auch nicht zu einer scharfen, bösen Entgegnung verleiten, wenn dir Unrecht getan wird. Der Zorn kann sehr wohl in dir hochkommen, wenn du etwas hörst oder siehst, was ungerecht ist, oder wenn du angegriffen wirst. Dann verlierst du plötzlich deine Geduld.

Jak 1,20. Nun ist es nicht immer verkehrt, zornig zu werden. Zorn ist eine Eigenschaft Gottes. Wenn Er zornig wird, dann übt Er seinen Zorn auf eine vollkommen gerechte Weise aus. Manchmal ist es notwendig, dass du zornig wirst, aber pass auf, dass kein Eigennutz im Spiel ist. Paulus warnt nicht umsonst davor, dass du in deinem Zorn sündigen kannst (Eph 4,26). Wenn du zornig bist, weil du ein bestimmtes Unrecht siehst, kann es sein, dass du dich so entrüstest und erregst, dass du dich nicht mehr unter Kontrolle hast. Du sagst oder tust dann vielleicht Dinge, die nicht zu dir als einer „Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe“ passen. Bei dem Herrn Jesus verbinden sich Zorn und Betrübnis auf vollkommene Weise (Mk 3,5), während es bei uns leicht möglich ist, dass wir zwar zornig sind, uns aber zugleich persönlich gekränkt fühlen. Wenn wir zornig sind, weil wir persönlich beleidigt sind, hat das nichts mit Gottes Gerechtigkeit zu tun. Dann zeigt sich, dass es uns um unser eigenes Recht geht, während von Gottes Gerechtigkeit nichts zu sehen ist.

Jak 1,21. Damit man nicht in den Fallstrick eines verkehrten Zorns gerät, gibt Jakobus einige Hinweise. Man muss etwas ablegen und etwas aufnehmen. Achte auf die Reihenfolge. Du musst zuerst etwas ablegen, denn dann ist Platz da, um etwas aufzunehmen. Jakobus nennt zwei Dinge, die du ablegen musst. Er ist doch sehr aktuell, wenn er mit „Unsauberkeit“ beginnt. Die Welt ist voll davon, und sie haftet auch so leicht dem Gläubigen an. Die Unsauberkeit springt dir manchmal entgegen, sie sprüht von den Anschlagtafeln am Weg, und wenn du nicht aufpasst, auch von deinem Bildschirm. Schau nicht hin, wende deinen Blick ab, beschäftige dich nicht damit. Du musst innerlich auf Abstand gehen. Das gilt auch für das Überfließen von Schlechtigkeit, ein Übermaß an Bosheit. Lass dich nicht verleiten, dich auf eine Weise über Schlechtigkeit zu äußern, die mehr von dir offenbart als von den Dingen, über die du entrüstet bist.

Jakobus drängt auf eine gute Gesinnung. Die äußert sich in Sanftmut. Wenn du sanftmütig bist, kann Gott sein Wort in dich einpflanzen. Sanftmut ist der richtige Boden, auf dem das eingepflanzte Wort wachsen und zur Reife kommen kann. Das Wort kann dann seine Wirkung tun. Dann wirst du auf deinem Lebensweg durch das Wort geleitet und kannst diesen Weg bis zur vollen Errettung weitergehen. Dein Leben wird Frucht tragen, die aus dem neuen Geschöpf hervorkommt, das du ja bist, eine Frucht, an der Gott Freude hat.

Jak 1,22. Auf diese Weise wird deutlich werden, dass du nicht nur ein Hörer des Wortes bist, sondern auch ein Täter. Herodes zum Beispiel war nur ein Hörer. Er hörte Johannes gern (Mk 6,20), aber er tat nicht, was Johannes sagte. Als es darauf ankam, ließ er lieber den Johannes töten, als sein schnelles Versprechen zurückzunehmen, das er unter dem Einfluss seiner lebhaften Begierde gegeben hatte (Mk 6,21-27).

Jak 1,23; 24. Johannes hatte ihm den Spiegel des Wortes vorgehalten. Herodes hatte kurz hineingeschaut und gesehen, wer er war; aber er ging weg und vergaß, wie er aussah. Wenn du die Bibel liest, darfst du das nicht eilig tun, sondern musst es in Ruhe tun. Wenn du schnell, schnell eben etwas liest, schaust du nicht wirklich in den Spiegel. Du musst der Bibel Gelegenheit geben, dir zu zeigen, wer du bist, damit du dann dein Leben danach ausrichtest.

Jak 1,25. Dazu musst du in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, hineinschauen. Das vollkommene Gesetz ist nicht eine Anzahl von Regeln und Geboten, die Gott dir als seine Forderungen auferlegt. Mit dem vollkommenen Gesetz ist das ganze Wort Gottes gemeint. Das Wort Gottes hält dir das Gesetz, das ist die Gesetzmäßigkeit, der Freiheit vor. Wer das eingepflanzte Wort mit Sanftmut empfangen hat, wird die Früchte dieses Wortes zeigen. Das ist eine Gesetzmäßigkeit, ein Prozess, der nicht anders verlaufen kann.

In vollkommener Weise siehst du das im Leben des Herrn Jesus. Das Gesetz Gottes war in Ihm (Ps 40,9), und dieses Gesetz knüpfte an sein Verlangen an, den Willen Gottes zu tun. Ein Beispiel kann das vielleicht deutlich machen. Wenn ich einem meiner Kinder den Befehl gebe: „Iss diese Plätzchen auf“, dann tut es das gern, denn das ist genau das, was es sowieso gern möchte. Aus Liebe zu gehorchen und Dinge zu tun, die du von Natur aus gern tust, gibt die größtmögliche Befriedigung. Jakobus fügt hinzu, dass man schon darin bleiben muss, das heißt, dass man ausharren muss. Wenn du das tust, wirst du glückselig sein in deinem Tun, es gibt dir das Gefühl des Glückes. Es bedeutet nicht, dass dir alles gelingt, was du tust, sondern dass du bei dem, was du tust, glückselig bist.

Jak 1,26. Jakobus kommt auf die Zunge zurück. Die Zunge ist der wichtigste Gradmesser für das, was im Herzen des Menschen ist. Der Herr Jesus sagt sogar, dass wir aus unseren Worten gerechtfertigt oder verurteilt werden (Mt 12,37). Wenn du deine Zunge im Zaum halten kannst, bist du auch fähig, Gott auf eine gute Weise zu dienen. Wer jedoch meint, er verehre Gott, wer meint, Gott könne doch wohl zufrieden damit sein, wie er Ihm dient, während von seiner Zunge ein Schwall an Worten kommt, betrügt sein Herz (Spr 13,3; Spr 10,19).

Warum ist Jakobus in seiner Verurteilung der Zunge so scharf? Das wird er in Kapitel 3 nachdrücklich mitteilen, aber schon hier dürfte klar sein, dass es ihm nicht um schöne Worte, sondern um Taten geht. Er sagt gleichsam: „Zeige doch mal, was es für dich bedeutet, Gott zu dienen. Mit all dem Gerede kann ich nichts anfangen.“ Wer viel redet, aber nicht zu Taten kommt, dessen Gottesdienst ist nichtig, ohne Inhalt. Er denkt vielleicht, dass er Gott auf großartige Weise dient, aber es bringt nichts.

Jak 1,27. Wie es dann richtig sein soll, sagt Jakobus im letzten Vers dieses Kapitels. Es geht um einen „reinen und unbefleckten Gottesdienst vor Gott und dem Vater“. Aller Gottesdienst muss in Reinheit des Herzens geschehen. Dabei dürfen unaufrichtige Motive keine Rolle spielen. Auch der Dienst selbst muss geschehen, ohne dass er durch den Gebrauch unanständiger Mittel befleckt wird. Gott zu dienen bedeutet, dass Gott im Mittelpunkt steht. Er bestimmt, wie gedient wird. Wenn du Witwen und Waisen in ihrer Drangsal besuchst, zeigst du ihnen die Vaterliebe Gottes. Er ist ja der Vater der Waisen und der Richter der Witwen (Ps 68,6; Ps 146,9). Gottes Liebe wendet sich an die Hilflosen und die Benachteiligten. Sie in ihrer Drangsal zu besuchen, ist mehr, als nur Interesse an ihnen zu zeigen. Das bedeutet, dass du versuchst, dich in ihre Umstände zu versetzen, um auf diese Weise deine Betroffenheit zu zeigen.

Das ist jedoch nicht die einzige Weise, wie der „reine und unbefleckte Gottesdienst vor Gott und dem Vater“ ausgeübt wird. Wenn das so wäre, wäre das Christentum nicht mehr als ein soziales Programm. Gott ist nicht nur Liebe, Er ist auch Licht. Deshalb fügt Jakobus hinzu, dass du dich auch von der Welt unbefleckt erhalten sollst. Wahrer Gottesdienst verliert den Charakter der Welt nicht aus dem Auge, sondern denkt daran, dass die Welt den Herrn Jesus verworfen hat. Die Welt liegt in dem Bösen (1Joh 5,19). Du bist aus der Welt erlöst (Gal 1,4), du gehörst nicht mehr zu ihr. Um Gott zu dienen, kannst du auch nichts von der Welt gebrauchen. Alles, was du davon gebrauchen wolltest, nur, um dir den Aufenthalt dort so angenehm wie möglich zu machen, ist zur Unehre Gottes. Sein Urteil über die Welt muss bestimmend für dich sein, wenn es um deinen Umgang mit ihr geht, wie auch seine Sorge für die Wehrlosen in dieser Welt bestimmend sein muss für deine Sorge für sie.

Lies noch einmal Jakobus 1,19–27.

Frage oder Aufgabe: Wie setzt du in die Praxis um, was Jakobus in diesem Abschnitt sagt?

© 2023 Autor G. de Koning

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