Jakobus 2
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Die Armen auserwählt, reich zu sein im Glauben

Jak 2,1. Du hast in den letzten Versen gesehen, dass Gott ein fürsorglicher Vater ist und dass Er Licht und Liebe ist. Wenn du Witwen und Waisen hilfst, kannst du zeigen, dass Gott ein Vater ist, der sich liebevoll über solche erbarmt, die ohne jede Hilfe sind. Um dich davor zu bewahren, dass du in deiner Absonderung von der Welt über das Ziel hinausschießt und in Pharisäismus verfällst, stellt Jakobus dir im ersten Vers dieses Kapitels den „Herrn der Herrlichkeit“ vor. Er tut das in Verbindung mit der Ermahnung, dass bei denen, die an „unseren Herrn Jesus Christus“ glauben, kein Ansehen der Person sein darf. Jakobus nennt den Herrn mit seinem vollen Namen, weil er gegen das große Übel in der christlichen Gemeinde angehen muss, dass bestimmte Menschen wegen ihrer sozialen Stellung bevorzugt werden. Eine solche Handlungsweise ist in völligem Gegensatz zu der Person Christi und dem Bekenntnis, an Ihn zu glauben. Die Person anzusehen, ist Ihm völlig fremd (Apg 10,34). Hat Er denn mit dir und mir so gehandelt?

Wenn du dich von Menschen beeindrucken lässt, die gesellschaftlichen Erfolg haben, Menschen in hoher Stellung, und sie bewunderst wegen des tollen Autos, mit dem sie zur Zusammenkunft kommen, und wegen der teuren Kleidung, die sie zu dieser Gelegenheit angezogen haben, dann hast du noch nicht wirklich auf den Herrn der Herrlichkeit geschaut. Was bedeutet all diese irdische Pracht im Licht seiner Herrlichkeit? Er hatte Herrlichkeit bei dem Vater, ehe die Welt war (Joh 17,5). Auch auf der Erde hatte Er Herrlichkeit, nicht vor den Menschen (Jes 53,2), aber doch für den Glauben (Joh 1,14). Diese Herrlichkeit strahlte durch seine demütige Gestalt hindurch. Er wird Herrlichkeit haben, wenn Er auf die Erde zurückkehrt (2Pet 1,16; 17). Er hat auch eine Herrlichkeit, die Ihm eigen ist, die wir anschauen werden, an der wir aber kein Teil haben werden (Joh 17,24). Er ist das Zentrum und die Ausstrahlung aller Gedanken Gottes und seiner Herrlichkeit.

Zu dieser Herrlichkeit steht irdische Herrlichkeit in krassem Gegensatz. Im Licht des Herrn der Herrlichkeit haben Rang und Stellung keinen Platz. Alles, was für den Menschen der Welt begehrenswert ist und was auch auf uns als Gläubige noch immer Anziehungskraft ausübt, wird vergehen: Reichtum, Ansehen, Stellung, Macht. Das alles sind Dinge, die den Menschen für die wahre Herrlichkeit blind machen und wodurch er zur Hölle fortgezogen wird. Auch wir sind geneigt, auf das Äußere zu sehen (1Sam 16,7). Lasst uns daran denken, dass das, was unter Menschen hoch ist, vor Gott ein Gräuel ist (Lk 16,15). Jakobus ruft übrigens nicht dazu auf, alles auf die gleiche Ebene herabzuziehen, Rang und Stellung aus der Welt zu schaffen und jeden gleichzuschalten. Er will nur, dass die Unterschiede, die es im gesellschaftlichen Leben gibt, bei den Gläubigen in ihrem Umgang miteinander als Gläubige keine Rolle spielen. Wo das doch geschieht, will er, dass dieses Böse verurteilt wird. Es gibt zwar Unterschiede unter den Gläubigen, die sie in ihrem Umgang miteinander berücksichtigen müssen, wie Unterschiede im Alter, im Geschlecht und in den Gaben. Diese Unterschiede sind vom Herrn so gemacht und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sind dazu gedacht, dass man sich gegenseitig ergänzt.

Jak 2,2; 3. Jakobus nennt das Böse beim Namen. Er beschreibt, wie Menschen sich gegenüber einem Reichen und gegenüber einem Armen verhalten, wenn solche Leute in die Synagoge hereinkommen. Sowohl die Art, wie sie dem Reichen begegnen, als auch wie sie dem Armen begegnen, ist völlig unpassend. Es ist entsetzlich weit unter dem Niveau der Herrlichkeit des Herrn, an den zu glauben sie sagen. Zu dem Reichen sehen sie auf wegen seines goldenen Ringes und seiner prächtigen Kleidung, und auf den in Lumpen gekleideten Armen blicken sie herab. Den Reichen führen sie unter Verbeugungen zu einem guten Platz, dem Armen weisen sie einen Stehplatz zu oder benutzen ihn als Fußbank.

Jak 2,4. Durch ein solches Verhalten zeigen sie eine Anmaßung, die darauf hinausläuft, dass sie sich zum Richter aufwerfen. Dazu sind sie weder befugt noch befähigt. Den Unterschied, den sie gemacht haben, haben sie bei (unter) sich selbst aus eigenem Interesse heraus gemacht. Das hat nichts mit dem Herrn zu tun. Sie handeln vielmehr „mit bösen Überlegungen“. Solch eine böse Überlegung ist beispielsweise, dass sie versuchen, sich bei dem Reichen anzubiedern, weil ihnen das Profit bringen könnte. Bei armen Menschen kann man nichts gewinnen, also braucht man sich um sie nicht zu kümmern. Was hat Jakobus doch soeben über einen „reinen und unbefleckten Gottesdienst vor Gott und dem Vater“ gesagt? Ging es da nicht gerade darum, dass die Bedürftigen in ihrer Drangsal besucht werden sollten? Wie weit ist es doch von dem wahren Gottesdienst entfernt, mit bösen Überlegungen einen solchen Unterschied zu machen!

Jak 2,5. „Hört“, sagt Jakobus. Mit anderen Worten: Ihr müsst einmal gut zuhören. Ihr seid wirklich meine geliebten Brüder, und darum sage ich euch, wie Gott über die Armen der Gesellschaft denkt. Die Armen in der Welt haben bei Ihm einen Stein im Brett und einen besonderen Platz. Paulus sagt das auch zu den Korinthern, die ebenfalls empfänglich für die Ehre und das Ansehen seitens der Welt waren (1Kor 1,16-28). Dass Gott die Armen auserwählt hat, heißt nicht, dass Er sie auserwählt hat, weil sie kein Geld haben, sondern weil sie keine Rechte haben und abhängig sind. Gott geht es um die Menschen, die nicht viel gelten. Durch ihre Auserwählung sind sie im Glauben reich geworden. Reich im Glauben sein, heißt reich sein in Bezug auf Gott (Lk 12,21). Dieser Reichtum ist nicht in Geld auszudrücken. Sogar die Welt gehört ihnen (1Kor 3,21-23), weil sie dem gehören, dem alles Gold und Silber gehört (Hag 2,8). Auf den Besitz dieser Dinge müssen sie noch warten, bis der Herr Jesus wiederkommt. Er war in besonderer Weise der Arme. Er war reich, aber Er ist um unsertwillen arm geworden, damit wir durch seine Armut reich würden (2Kor 8,9). Die Armut betraf nicht den Stall, in dem Er geboren wurde, und die Windeln, in die Er gewickelt wurde, denn das konnte uns nicht reich machen. Es war auch nicht seine Armut auf der Erde, wo Er keinen Platz hatte, um sein Haupt hinzulegen (Mt 8,20). Wir sind durch nichts anderes reich geworden als durch seine Armut in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz, in denen Er das Gericht Gottes über unsere Sünden trug.

Das ist auch die einzige Grundlage, auf der Gott uns zu Erben des Reiches machen konnte. Wenn der Herr Jesus kommt, um sein Reich in Besitz zu nehmen, werden alle Erben an seinem Reich beteiligt sein. Gott hat es denen verheißen, „die Ihn lieben“. Jakobus verknüpft die Verheißung des Reiches mit der Liebe zu Gott. Nur solche, die wissen, wer Gott in seiner Liebe ist, schätzen das Reich. Die Liebe zu Gott ist bei jedem vorhanden, der weiß, dass Gott ihn zuerst geliebt hat (1Joh 4,19). Wenn du gesehen und auch erfahren hast, dass Gott dich geliebt hat – und der höchste Beweis dafür ist die Gabe seines Sohnes –, dann kannst du doch gar nicht anders, als Ihn zu lieben, oder?

Darum darfst du als Erbe auch das Reich herbeisehnen. Bis zu dem Augenblick darfst du, wie die Armen, über die Jakobus spricht, deine geistlichen Reichtümer genießen. Kennst du schon etwas von deinen Reichtümern? Sie sind alle in Christus enthalten und verborgen. Es ist deine Sache, sie auszugraben. Im Licht seines Reichtums wird aller Reichtum der Welt seine Anziehungskraft auf dich verlieren. Wenn der Herr Jesus wiederkommt, wird sich der Nutzen alles dessen zeigen, was du an Zeit und Anstrengung investiert hast. Wenn du so reich bist, kannst du auch andere reich machen. Dann kannst du so jemand sein wie die, von denen Paulus sagt: „Als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und alles besitzend“ (2Kor 6,10).

Jak 2,6. Jakobus weist seine Leser darauf hin, dass sie den Armen durch ihre geringschätzige Behandlung verachtet haben. Sie sind blind dafür, was diese Armen für Gott bedeuten. Sie scheinen aber auch für das Verhalten der Reichen, bei denen sie so gerne in der Gunst stehen wollen, blind zu sein. Was Gott mit den Armen getan hat, ist dem, was die Reichen mit den Armen getan haben, genau entgegengesetzt. Schau dir nun einmal gut an, was die Reichen tun, sagt Jakobus. Sie unterdrücken euch und ziehen euch vor die Gerichte. Ihr denkt, dass es euch Vorteile bringt, wenn ihr ihnen Ehre erweist, aber in Wirklichkeit ziehen sie euch aus. Diese Leute gehen über Leichen.

Jak 2,7. Und was noch schlimmer ist: Durch das Verhalten der Reichen wird der gute Name des Herrn Jesus, der über euch angerufen worden ist, gelästert. Es gibt also gar keinen Grund, zu ihnen aufzusehen und vor ihnen zu dienern.

Lies noch einmal Jakobus 2,1–7.

Frage oder Aufgabe: Begegnest du deinen Glaubensgeschwistern ohne Ansehen der Person?

Das königliche Gesetz

Jak 2,8. Es ist verwerflich, in der Zusammenkunft einen Unterschied zwischen Armen und Reichen zu machen. Jakobus zieht da ziemlich vom Leder. Er verurteilt das mit scharfen, unmissverständlichen Worten. Wenn sie die Armen verachten, handeln sie im Gegensatz zu dem königlichen Gesetz. In diesem Gesetz werden alle Israeliten als Empfänger der Gunst Gottes betrachtet. Das Volk wird darin als ein Ganzes angesprochen. Jakobus stellt es positiv dar. Er hält ihnen vor, dass sie gut daran tun, wenn sie das königliche Gesetz nach der Schrift halten, also so, wie es im Wort Gottes aufgezeichnet ist. Das königliche Gesetz ist das Gesetz der zehn Gebote. Jakobus nennt es „das königliche Gesetz“, um seinen hohen Wert zu betonen. Das soll sie besonders ermutigen, diesem Gesetz zu gehorchen. In dem zukünftigen Friedensreich, über das der Herr Jesus als König regieren wird, wird dieses Gesetz in seiner Fülle und Erhabenheit gelten. Es wird dann auf die Herzen der Glieder des Volkes Gottes geschrieben sein (Heb 8,10). Und weil das dann so ist, werden sie auch danach leben können.

Wir halten das königliche Gesetz, wenn wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst. Dann machen wir es gut, dann leben wir gut, dann leben wir so, wie Gott es beabsichtigt hat. Dieses Gebot macht deutlich, dass im Alten Testament jedes Glied des Volkes Gottes seinen eigenen Platz vor Gott hatte und dass vor Gott jeder gleich war. Jedes Glied des Volkes war der Nächste des anderen, und der andere musste mit derselben Liebe behandelt werden, mit der man sich selbst behandelte. Indem man so miteinander umging, gab es keine Vorzugsbehandlung des einen oder eine Benachteiligung des anderen. In der Liebe zum Nächsten wird das ganze Gesetz erfüllt (Gal 5,14; Röm 13,8-10).

Nun könntest du sagen: „Aber wir leben doch nicht mehr unter Gesetz.“ Das stimmt, wir leben nicht mehr unter Gesetz. Jakobus bringt uns auch nicht wieder unter das Gesetz. Er zeigt, dass du das tust, was das Gesetz fordert, wenn du den anderen liebst. Erinnerst du dich noch, dass Jakobus seinen Brief zu einer Zeit schrieb, als Gott es noch duldete, dass sein zerstreutes Volk sich an das Gesetz hielt? Darum weist Jakobus darauf hin. Er spricht sie auf ihr Bekenntnis an. Dieses Wort muss auch dich ansprechen. Nicht in der Weise, wie Jakobus zu seinen Lesern spricht, denn du gehörst (höchstwahrscheinlich) nicht zu Israel. Wenn du den anderen liebst, wirst du nichts tun, was dem anderen Nachteile bringt oder ihm wehtut. Lieben ist nicht eine Leistung, die du erbringst, weil das Gesetz das von dir fordert. Im Lieben äußert sich das neue Leben, und das sucht das Gute des anderen. Wenn du das Gute und nicht das Schlechte des anderen suchst, ist klar, dass du damit sozusagen automatisch das Gesetz erfüllst.

Jak 2,9. Das Gesetz stellt jeden in die gleiche Verantwortung vor Gott. Das Gesetz sagt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Wenn wir dann doch einen Unterschied machen, handeln wir nicht nach dem königlichen Gebot. Der Nächste ist mein Bruder oder meine Schwester im Glauben, jemand, der zur Gemeinde Gottes gehört, zu der auch ich durch Gnade gehöre. Alle Israeliten gehörten zu dem einen Volk, und jeder Israelit war ein Nächster jedes anderen Volksgenossen. So sind auch wir miteinander verbunden. Wenn du für deinen Bruder betest, dass es ihm gut gehen möge, betest du das zugleich für dich selbst, denn wenn es deinem Bruder gut geht, geht es auch dir gut. Wenn die Liebe echt ist, wird die Bevorzugung verschwinden. Gott hat mit dir auch nicht nach Sympathie gehandelt. Verhältst du dich doch so, dass du die Person ansiehst, dann sündigst du ganz klar. Das ist doch eindeutig im Widerspruch zum Gesetz, das sagt, dass jedes Glied seines Volkes dem anderen gleich ist und dass du jedem Glied des Volkes Gottes mit derselben Liebe begegnen musst. Die Übertretung ist offensichtlich.

Jak 2,10. Wenn du in diesem einen Gebot strauchelst, bist du des ganzen Gesetzes schuldig, obwohl du nicht jedes Gebot tatsächlich übertreten hast. Das kommt daher, dass Gott dir im Gesetz seinen Willen mitteilt. Die Autorität des Gesetzgebers steht hinter dem Gesetz. Als Mose von dem Berg herabkam, kratzte er nicht nur ein einziges Gebot von den Tafeln, sondern zerbrach beide Gesetzestafeln in Stücke (2Mo 32,19). Das Brechen des einen Gebotes machte das Volk aller Gebote schuldig. Wenn du ein Gebot übertrittst, hast du es mit Gott zu tun, der sowohl das eine Gebot, das du übertreten hast, als auch alle anderen Gebote gegeben hat.

Jak 2,11. Jakobus nennt ein Beispiel. Es ist möglich, dass du ein bestimmtes Gebot hältst, aber ein anderes übertrittst. Dann bist du per Definition der Übertretung dieses Gebotes schuldig, und du bist vor dem Gesetz schuldig, in dem auch die anderen Gebote festgelegt sind. Das Gesetz bildet ein Ganzes, weil Gott der Gesetzgeber ist. Wenn du ein Gebot übertrittst, heißt das, dass du deinem eigenen Willen gefolgt bist und den Willen Gottes, den Er im ganzen Gesetz mitgeteilt hat, verachtet hast.

Jak 2,12. Wie schon gesagt, ist es nicht die Absicht von Jakobus, uns unter das Gesetz der zehn Gebote zu bringen. Durch seine Darlegung will er anhand des Gesetzes klarmachen, wie die gegenseitigen Beziehungen in der Gemeinde sein sollen. Das Gesetz ist das Wort Gottes, und es enthält nützliche Belehrungen für sie. Jakobus gibt diese Belehrungen für die jüdisch-christliche Gemeinde, aber auch wir können viel davon lernen. Die wirkliche Bedeutung, die das Gesetz für ihn bekommen hat, seit er an den Herrn der Herrlichkeit glaubt, ist die der Freiheit. Darüber hat er schon in Kapitel 1 gesprochen (Jak 1,25), und hier kommt er darauf zurück. Freiheit ist keine Zügellosigkeit. Freiheit kennt Grenzen. Die Grenzen sind nicht da, um unsere Freiheit einzuschränken, sondern um zu verhindern, dass wir sie auf verkehrte Weise gebrauchen. Es ist wahre Freiheit, den Willen Gottes zu tun und zu zeigen, wer Er ist. Das hat der Herr Jesus in vollkommener Weise getan. Das Gesetz der Freiheit sehen wir daher auch in seinem Leben in vollkommener Weise zum Ausdruck kommen. Er war völlig frei, weil nichts an Eigenwillen oder Sünde in Ihm war. Dadurch konnte Er völlig an den Willen Gottes gebunden sein. Es gab nichts, was Ihn davon trennte, nichts, was sich zwischen Ihn und seinen Gott und Vater zwängen konnte.

Jak 2,13. Dieses Gesetz der Freiheit ist der Prüfungsmaßstab, den wir in unseren Kontakten mit anderen anwenden sollten. Wenn wir wie der Herr Jesus in ungestörter Gemeinschaft mit dem Vater leben, wird das an unserem Reden und Tun zu hören und zu sehen sein. Ob wir uns bewusst sind, dass wir durch das Gesetz der Freiheit beurteilt werden, wird sich vor allem darin zeigen, dass wir Barmherzigkeit erweisen. So ist Gottes Liebe auch zu uns gekommen. Er ist mit seiner Barmherzigkeit in unsere elenden Umstände gekommen. Wenn wir die Barmherzigkeit, die wir empfangen haben, in unserem Reden und Handeln anderen gegenüber nicht erweisen, zeigen wir, dass wir das neue Leben nicht haben und nicht nach dem Gesetz der Freiheit handeln können. Darüber kommt Gottes Gericht, und das wird genauso ohne Barmherzigkeit sein, wie wir anderen ohne Barmherzigkeit begegnet sind. Wenn wir Barmherzigkeit erweisen, handeln wir, wie Gott auch mit uns gehandelt hat. Wir verurteilen den anderen dann nicht, sondern erweisen ihm Gottes Barmherzigkeit. Dadurch triumphiert die Barmherzigkeit über das Gericht. Die Barmherzigkeit rühmt sich gegen das Gericht.

Jak 2,14. Wenn du barmherzig bist, zeigst du, dass du selbst die Barmherzigkeit Gottes erfahren hast. Du kannst zwar behaupten, dass du Glauben hast, aber wenn du das nicht aus deinen Werken zeigst, indem du zum Beispiel Barmherzigkeit erweist, ist das nichts als Schönrederei. Reden ist billig, beweist aber nichts von innerem Leben. Zu sagen, dass du Glauben hast, ist hohl, wenn keine Werke vorhanden sind. Glauben kann man nicht sehen, aber er wird durch Werke sichtbar. Darum gehören Glaube und Werke untrennbar zusammen. Der Glaube, den jemand zu haben behauptet, kann ihn nicht retten. Bei einer Pflanze sieht man die Wurzeln nicht, aber wenn sie wächst und blüht, ist das der Beweis, dass Wurzeln vorhanden sind. Elektrizität siehst du nicht, aber wenn eine Lampe leuchtet, ist das der Beweis, dass Elektrizität da ist. Der Herr Jesus spricht in dieser Weise auch über die neue Geburt. Man weiß nicht, wie sie vor sich geht, aber man hört ihr Sausen (Joh 3,8).

Werke beweisen, dass Glaube vorhanden ist. In den folgenden Versen gibt Jakobus ein Beispiel. Der Reformator Luther hatte mit diesem Ausspruch von Jakobus solche Mühe, dass er diesen Brief „eine stroherne Epistel“ nannte, das heißt einen Brief ohne Nährwert. Das sagte er, weil er den Irrtum in der Lehre der römischen Kirche entdeckt hatte, die sagt, dass Werke notwendig seien, um errettet zu werden. Aber Luther hat dadurch das Kind mit dem Bad ausgeschüttet. Jakobus lehrt gar nicht, dass ein Mensch durch Werke errettet werden muss. Er dringt im Gegenteil darauf, dass sich der Glaube durch Werke erweist, die aus diesem Glauben hervorkommen und die beweisen, dass Glaube vorhanden ist. Andernfalls ist gar kein Glaube vorhanden und also auch keine Errettung. Ein „eingeredeter Glaube“ errettet nicht.

Lies noch einmal Jakobus 2,8–14.

Frage oder Aufgabe: Wie setzt du das königliche Gesetz um?

Werke, die den Glauben beweisen

Jak 2,15. Jakobus verdeutlicht anhand eines Beispiels, was er unter Werken versteht, die zeigen, dass Glaube vorhanden ist. Er weist seine Leser auf einen Bruder und eine Schwester hin, die nicht genügend Kleidung zum Schutz vor der Kälte haben und gerade genug Nahrung zum Überleben. Dieses Beispiel ist für seine Leser sehr aktuell, denn sie hatten für die Armen nicht sehr viel übrig (Jak 2,2; 3). Vielleicht fühlten sie sich doch angesprochen.

Jak 2,16. Es kann durchaus sein, dass sie dem einen oder anderen Armen, einem Bruder oder einer Schwester, eine wunderschöne Rede gehalten haben, ohne ihnen das zu geben, was für den Leib nötig war. Wer selbst genug hat, kann leicht zu den Armen sagen: „Geht hin in Frieden.“ Wenn so jemand dann auch noch hinzufügt, sie möchten sich doch wärmen und sättigen, ohne dass er selbst etwas dazu tut, ist all dieses Reden regelrechte Scheinheiligkeit.

Jak 2,17. Über ihren Mangel zu reden oder sogar dafür zu beten, ohne etwas dagegen unternehmen zu wollen, ist ein toter Glaube. Da fehlt die Barmherzigkeit, und wenn die fehlt, ist gar kein Glaube vorhanden. Wo keine Werke sind, ist der Glaube, der im Mund geführt wird, an sich tot. Der Glaube lebt nicht, es ist kein lebendiger Glaube da. Glaube und Werke sind nicht zu trennen. Der Glaube ist nicht sichtbar. Er kann nur durch Werke sichtbar gemacht werden. Durch die Werke zeigt sich, dass Glaube vorhanden ist.

Jak 2,18. Die Beweisführung von Jakobus ist sehr einleuchtend. Und doch kommt ein Einwand von jemand, der eine Trennung zwischen Glauben und Werken vornehmen will. Es ist jemand, der gehört hat, was Jakobus über Glauben und Werke gesagt hat. Am Glauben hat diese Person selbst kein Teil, kann aber doch eine ganze Reihe guter Werke vorweisen. Weil er kein Teil am Glauben hat, ist ihm die Botschaft von Jakobus entgangen. Er rühmt sich seiner Werke.

Jakobus antwortet ihm, dass die Trennung, die er zwischen Glauben und Werken macht, nicht möglich ist. Wenn er diese Aufteilung machen will, dann soll er doch einmal seinen Glauben ohne seine Werke zeigen. Das kann er nicht. Jakobus hingegen kann wohl aus seinen Werken seinen Glauben zeigen. Nicht, dass Jakobus Gott seinen Glauben zeigen muss. Gott weiß schon, dass er glaubt. Nein, die Werke des Glaubens sind dazu da, um Menschen zu zeigen, dass echter und lebendiger Glaube in ihm ist.

Jak 2,19. Wenn es nur um Glauben geht, ohne dass Werke damit verbunden sind, dann ist das nicht mehr als ein orthodoxes Bekenntnis. Das kann man mit dem Mund aussprechen, ohne dass es irgendeine Bedeutung für das Herz hat. Sieh dir das jüdische Bekenntnis an. Der orthodoxe Jude bekennt offen, dass Gott einer ist. So hat Gott das auch vorgeschrieben (5Mo 6,4). Ein wunderschönes und völlig richtiges Bekenntnis. Es ist sehr gut, dass dieses Bekenntnis abgelegt wird. Aber glaubst du, dass das bloße Aussprechen dieses Bekenntnisses ein Beweis echten Glaubens ist? Vergiss es. Dann würden die Dämonen auch echt glauben, das heißt auf Gott vertrauen. Sie glauben dem Bekenntnis nach, aber sie zittern dabei, denn sie wissen, dass Gott sie wegen ihrer Werke richten wird, die alle im Aufstand gegen Gott getan werden.

Jak 2,20. Jakobus beschließt sein Streitgespräch mit seinem (möglicherweise gedachten) Widersacher. Er sagt als eine Art Schlussfolgerung zu dem, den er mit „o nichtiger Mensch“ anredet, ganz klar, dass der Glaube ohne die Werke unwirksam oder tot ist. Wie der Glaube aber wirkt, zeigt er in den folgenden Versen an zwei Beispielen.

Jak 2,21. In den beiden folgenden Beispielen macht Jakobus klar, was denn eigentlich Werke des Glaubens sind, wie man den Glauben aus Werken erkennen kann. Es sind keine Beispiele für Werke, die die Menschen gute Werke nennen. Nach menschlichen Maßstäben, ohne den Glauben dabei in Betracht zu ziehen, würden wir Abraham einen Kindesmörder nennen, Rahab wäre nichts anderes als eine Landesverräterin. Aber du wirst sehen, dass es zwei gewaltige Glaubenstaten sind. Diese Taten wurden aus Liebe zu Gott getan (Abraham) und aus Liebe zum Volk Gottes (Rahab). Das sind die beiden Kennzeichen, die jedes Werk des Glaubens hat. Der Glaube richtet sich auf Gott und auf sein Volk. Aus beiden Werken spricht das volle Vertrauen auf Gott.

Jakobus beginnt mit Abraham. Er sagt ausdrücklich, dass Abraham auf dem Grundsatz von Werken gerechtfertigt wird, ohne den Glauben zu erwähnen. Indem er das so vorstellt, unterstreicht Jakobus erneut, wie notwendig Werke sind, wenn man von Glauben sprechen will. Wenn du nur diesen Vers liest, ohne das Folgende zu beachten, scheint es so, als vergäße er einen Augenblick, dass die Rechtfertigung doch nur aufgrund des Glaubens geschieht und dass er hier in Konflikt mit dem kommt, was Paulus in Römer 4 lehrt (Röm 4,2; 3). Wie du schon gesehen hast, widersprechen Jakobus und Paulus sich natürlich nicht. Jeder geht durch den Geist Gottes geleitet von einem anderen Blickwinkel aus an die Wahrheit heran. Paulus spricht über die Person Abraham und sein Verhältnis zu Gott. Gott sah bei Abraham Glauben, der sich auf Ihn richtete, den Glauben, dass Er tun würde, was Er gesagt hatte, obwohl nichts darauf hindeutete, dass es geschehen würde. Wegen dieses Glaubens erklärte Gott Abraham für gerecht. Jakobus hat es nicht mit der Person von Abraham vor Gott zu tun, sondern mit dem Glauben Abrahams, der vor den Menschen sichtbar wurde. Der Glaube, den Gott in ihm sah, wurde für die Menschen erkennbar.

Jak 2,22. Gott brauchte keinen Beweis für den Glauben Abrahams, aber er brachte Abraham in eine Lage, in der dessen Glaube für seine Umgebung sichtbar wurde. Darum liest du in 1. Mose 22, dass Gott Abrahams Glauben auf die Probe stellte (1Mo 22,1). Er forderte von Abraham, seinen Sohn Isaak auf dem Altar zu opfern (1Mo 22,2; 9). Jakobus sagt, dass „Abraham, unser Vater“ (er war ja ihr Stammvater), gerechtfertigt wurde, „da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte.“ Du weißt ja, dass er Isaak nicht buchstäblich zu opfern brauchte, aber für Gott hat Abraham seinen Sohn tatsächlich geopfert. Dadurch hat er gezeigt, dass sein Glaube mit seinen Werken zusammen wirkte. Es geht sogar noch weiter. Der Glaube, den Abraham innerlich besaß, wurde durch seine Werke vollendet, vollständig, eine runde Sache.

Jak 2,23. Durch diese Tat, durch dieses Werk des Glaubens, wurde die Schrift erfüllt, die sagt: „Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.“ Dieses Zitat stammt aus 1. Mose 15 (1Mo 15,6) und hat dort Bezug auf die Rechtfertigung Abrahams wegen seines Glaubens an Gott. Aber Jakobus verbindet dieses Zitat mit der Glaubenstat Abrahams in 1. Mose 22, weil diese Glaubenstat beweist, dass er echten Glauben hatte. Nur dadurch konnte Abraham alles, was er hatte, auf den Altar legen. Tust du das auch? All deinen Besitz, dich selbst, deine Familie?

Jak 2,24. Mit Isaak legte Abraham alles auf den Altar, sogar alle Verheißungen Gottes. Damit bewies Abraham, dass Gott ihm über alles ging. Der Geber ist mehr als die Gabe. Abraham konnte seinen Sohn opfern, weil er auf Gott sah, weil er Gott vertraute und Ihn liebte. Er verhielt sich in alledem als „Freund Gottes“. So spricht Josaphat über ihn zu Gott (2Chr 20,7), und so nennt Gott ihn auch selbst (Jes 41,8). Wenn du ein Freund Gottes bist, bedeutet das, dass du Ihn liebst. Jakobus beschließt dieses Beispiel von Abraham mit dem unbestreitbaren Schluss, dass Werke des Glaubens absolut notwendig sind, um zu beweisen, dass Glaube vorhanden ist. Du kannst nur dann zu Recht davon sprechen, dass du glaubst, wenn das auch an deinen Werken sichtbar wird.

Jak 2,25. Um das noch besser zu illustrieren, weist Jakobus auf ein anderes Beispiel aus der Schrift hin. Neben den großen Glaubensmann Abraham stellt er Rahab, die Hure, die Frau aus einem verfluchten Volk. Damit gibt er einen klaren Beweis dafür, dass bei Gott kein Ansehen der Person ist. Er sagt, dass sie „ebenso“, das heißt genauso wie Abraham, aufgrund von Werken gerechtfertigt wurde. Und worin bestanden ihre Werke? Sie nahm die Boten in ihr Haus auf und verbarg sie vor ihren Landsleuten. Jakobus nennt die Kundschafter (Heb 11,31). Boten, weil sie mit einer guten Botschaft zu ihr kamen. Indem sie die Boten aufnahm, entschied sie sich für das Volk Gottes, gegen ihr Land. Sie glaubte, dass das Land in dem sie wohnte, unter dem Gericht stand und dass Gott seinem Volk dieses Land geben würde. Sie gab den gegenwärtigen Besitz preis, um ihn zusammen mit dem Volk Gottes zu besitzen. Das ist praktizierter Glaube.

Gibst du auch das Land, in dem du bist, die Welt, auf, um sie bald mit dem Herrn Jesus zu besitzen? Wenn du dich dem Volk Gottes verbunden weißt, das bald die ganze Welt in Besitz nehmen wird, bist du in den Augen der Welt ein Verräter, denn du wirst dich nicht für alles Mögliche einsetzen, was zur Welt gehört. Lass es dir nicht schwer fallen. Schau auf den Herrn der Herrlichkeit; dann weiß du, für wen du das tust.

Jak 2,26. Jakobus beschließt diese Belehrung über den Glauben und die Werke mit einem Bild, das jeder versteht. Wie der Leib tot ist, wenn kein Geist darin ist, so ist der Glaube ohne Werke tot.

Lies noch einmal Jakobus 2,15–26.

Frage oder Aufgabe: Welche Werke des Glaubens hat Jakobus bis jetzt genannt?

© 2023 Autor G. de Koning

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