Hebraeer 2
Hebrews 2 Kingcomments Bibelstudien

Am Wort festhalten

Heb 2,1. Die Heb 2,1-4 bilden einen Einschub. In diesem Abschnitt geht es darum, wie wichtig es ist, an dem festzuhalten, was Gott gesagt hat. Das Wort „Deswegen“, mit dem dieser Abschnitt beginnt, weist auf Hebräer 1 zurück. Darin wird gezeigt, dass die Stellung des Sohnes so viel höher ist als die der Engel. Darum ist das Wort, das Er geredet hat, auch so viel höher als das, was Engel geredet haben.

Der Ausdruck „umso mehr“ legt den Nachdruck darauf, dass das, was der Sohn sagt, von einer höheren Ordnung ist als das durch Engel geredete Wort. Was Gott zu den Vätern redete, war durch die Vermittlung von Engeln zu den Vätern gekommen. Es war damals überaus wichtig, daran festzuhalten. Jetzt, wo der Sohn gekommen ist und geredet hat, ist es noch viel wichtiger, sich danach zu richten, das heißt, dass sie ihr Leben völlig mit dem in Übereinstimmung bringen, was Er gesagt hat.

Was Er gesagt hat, steht nicht im Gegensatz zu dem, was Gott früher gesagt hat. Es ist nur von einer ganz anderen Ordnung. Das Gesetz forderte vom Menschen, und der Mensch konnte dem nicht entsprechen. Der Sohn hat alle Forderungen erfüllt. Aber Er hat viel mehr getan, als das Gesetz sagt. Er hat sein Leben für jeden gegeben, der an Ihn glaubt, und die Folge ist, dass jeder, der glaubt, neues und ewiges Leben hat. Dieses neue, ewige Leben ist der Sohn selbst (1Joh 5,20). Wer den Sohn als sein Leben besitzt, lebt unter der Gnade und nicht mehr unter dem Gesetz.

Wer das vergisst, läuft Gefahr, zu einem Leben unter dem Gesetz zurückzukehren, zu einem Leben im Judentum. Das meint der Schreiber mit „abgleiten“. Ich hoffe, dass du diese Gefahr für dich selbst erkennst. Wenn du anfängst, das Wort aufzugeben und das Gebet zu vernachlässigen, ist das der Anfang des Abgleitens.

Heb 2,2. Schon mit dem „durch Engel geredeten Wort“ war nicht zu spaßen. Es war ratsam, darauf zu hören (1Mo 19,17; 26). Das wird noch deutlicher, wenn man dabei an das Gesetz denkt (Apg 7,53; Gal 3,19). Das Gesetz ist Gottes Gesetz. Das konnte und kann man nicht ungestraft übertreten oder im Ungehorsam unbeachtet lassen. Gott hält immer die Autorität seines Wortes aufrecht. Er wird die Sünde, in welcher Form sie auch begangen wird, gerecht vergelten. Im Alten Testament hast du in dem Gericht über den Sabbatschänder ein Beispiel gerechter Vergeltung für die Übertretung des Gesetzes (4Mo 15,32-36).

Heb 2,3. Wenn die Übertretung des durch Engel geredeten Wortes schon solch ernste Konsequenzen hatte, wie ernst müssen dann die Folgen für jemanden sein, der das Wort der Gnade verachtet, das der Sohn geredet hat! Der Herr Jesus hat auf der Erde zu seinem Volk als Ganzem und auch zu dem Einzelnen über eine „so große Errettung“ geredet. Die nationale Errettung, das heißt die Errettung Israels als Volk, ist noch zukünftig.

In Lukas 4 steht ein wunderschönes Beispiel für das Reden des Herrn über die „große Errettung“, wozu Er eine Stelle aus Jesaja 61 anführt (Lk 4,16-22; Jes 61,1-2). Wenn Er dort „das angenehme Jahr des Herrn“ ankündigt, ist das dasselbe wie die „so große Errettung“ beziehungsweise das Friedensreich. Es ist eine so große Errettung, nicht nur eine große Errettung. Denselben Nachdruck hörst du in den Worten „so hat Gott die Welt geliebt“ (Joh 3,16). Dadurch wird jeweils die unermessliche Größe angegeben.

Die Errettung ist in erster Linie groß in ihrem Umfang, denn sie betrifft nicht nur die Juden, sondern alle Menschen. Die Errettung ist zweitens auch groß an Kraft, denn sie bewirkt Rechtfertigung und Vergebung. Dann kann es auch nicht anders sein, als dass derjenige, der dieses Wort der Gnade missachtet, eine gerechte Vergeltung empfängt, die härter ist als unter dem Gesetz. Unter der Gnade zu sündigen, ist schlimmer, als unter dem Gesetz zu sündigen, denn wer diese Errettung verachtet, verachtet damit den, der sie anbietet und der größer ist als die Engel.

Es geht nicht um eine Errettung, die auf eine unbestimmte, schemenhafte Weise zu ihnen gekommen ist. Das Wort darüber ist nicht kurz ertönt, um dann schnell wieder zu verklingen. Nein, über diese unvorstellbar große Errettung ist auf eine vollkommen überzeugende, deutliche und unmissverständliche Weise zu ihnen geredet worden. Es waren keine Engel als unsichtbare Mittler beteiligt.

Dieses Wort ist in klarer, gut verständlicher Sprache in erster Linie aus dem Mund des Herrn selbst gekommen. Danach, nachdem Er zum Himmel zurückgekehrt war, haben diejenigen, die es aus dem Mund des Herrn gehört hatten, den Lesern des Briefes dieses Wort bestätigt. Dabei muss man an die Jünger denken.

Heb 2,4. Schließlich hat Gott dieses Wort durch Zeichen und Wunder und allerlei Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen bestätigt. Viele der Leser werden sich an diese Dinge erinnert haben, weil sie die selbst gesehen hatten (Apg 2,43; Apg 5,12; 15). Es dürfte für sie also kein Zweifel an dem bestanden haben, was ihnen berichtet worden war. Wenn solch ein reiches Zeugnis missachtet wurde, war es nicht möglich, der Vergeltung zu entkommen. Dieses ernste Wort musste gut zu denen durchdringen, die noch zwischen dem Judentum und dem Christentum schwankten, die nur äußerlich dem Christentum anhingen.

Übrigens ist bemerkenswert, dass das Wort „mitzeugte“ in der Vergangenheitsform steht. Sollte das bedeuten, dass in der Zeit, als der Brief geschrieben wurde, die Zeit der Wunder und Zeichen schon vorbei war?

Heb 2,5. Nach diesem Einschub fährt der Schreiber fort, die Herrlichkeit des Herrn Jesus vorzustellen, jetzt aber in Verbindung mit dem zukünftigen Erdkreis. Darum beschreibt er jetzt seine Herrlichkeit als Sohn des Menschen. Wie in Hebräer 1 vergleicht er den Herrn Jesus mit den Engeln. Aber das Ergebnis ist hier ganz anders. Das Ergebnis des Vergleichs in Hebräer 1 ist, dass Er hoch erhaben über die Engel ist. Aber was ist das Ergebnis des Vergleichs in Hebräer 2? Dass Engel außer Betracht bleiben, sie werden völlig ferngehalten.

Der Grund dafür ist, dass sie im zukünftigen Erdkreis nicht regieren. In Zukunft wird Gott durch seinen Sohn als den Sohn des Menschen regieren. Wir werden mit Ihm regieren und dabei sogar Engel richten (1Kor 6,3). Der zukünftige Erdkreis ist das Reich des Sohnes des Menschen (Mt 13,41). Wenn Er auf die Erde kommt, um zu regieren, brechen die „Zeiten der Erquickung“ und die „Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge“ an (Apg 3,19-21).

Jeder Jude erwartete aufgrund der Verheißungen, die Gott den Vätern gegeben hatte, dass diese neue Ordnung mit dem Kommen des Messias eingeführt werden würde. Nun war der Messias gekommen und doch war diese Zeit nicht angebrochen. Diese Gläubigen mussten sich vor Augen halten – und das musst du auch –, dass das nicht bedeutet, dass diese Verheißungen aufgehoben sind. Sie sind nur aufgeschoben.

Dadurch wird der Glaube auf die Probe gestellt. Das galt für sie, und das gilt auch für dich. Glaubst du, dass Gott alle seine Verheißungen noch erfüllen wird? Wenn du das wirklich glaubst, wird diese Aussicht dich auf dem Weg des Glaubens bewahren. Du wirst dann nicht der Versuchung erliegen, auf der Erde einer Glaubensgemeinschaft anzugehören, mit der viel Prunk verbunden ist und der auch Ungläubige angehören.

Heb 2,6. Um zu beweisen, dass die Herrschaft über die Erde in Zukunft dem Sohn des Menschen gegeben werden wird, führt der Schreiber eine Stelle aus Psalm 8 an (Ps 8,4-9). Wenn du die Psalmen liest, siehst du, dass David (er ist also dieser „jemand“) einen ausgedehnteren Bereich beschreibt: Er weist auf die Erde und auf den Himmel hin, er spricht über die Majestät Gottes und über Kinder und Säuglinge, er erwähnt die Herrschaft des Menschen über das Geschaffene – die siehst du im Paradies und die wirst du im Friedensreich sehen. In dem Abschnitt, den der Schreiber anführt, kommt sowohl die Kleinheit und Unbedeutendheit des Menschen zum Ausdruck wie auch seine Größe.

Das Zitat beginnt mit der Frage: „Was ist der Mensch?“ Nachdem David unter den Eindruck des Himmels gekommen ist, drängt sich ihm diese Frage auf. Was stellt der Mensch dar, verglichen mit diesem überwältigenden Himmel, an dem in der Nacht der Mond und unzählige Sterne zu sehen sind? Was muss dieser schwache, sterbliche Mensch für Gott bedeuten, der mit seinen Fingern das ganze unermessliche Firmament mit unzählbaren Sternen bereitet hat, von denen viele die Erde viele Male an Größe übertreffen?

Was kann es in diesem nichtigen Menschen Anziehendes geben, dass Gott an ihn denkt? Die Antwort auf diese Frage ist: Schau nur auf den Herrn Jesus, „des Menschen Sohn“, der jetzt in der Herrlichkeit ist. In Ihm siehst du, wie Gott wirklich über den Menschen denkt. Er ist der wahre Sohn Adams, wie hier wörtlich steht (Lk 3,38).

Heb 2,7. Dass Gott den Menschen ein wenig (o. eine kurze Zeit) unter die Engel erniedrigt hat (o. geringer gemacht hat als die Engel), weist auf die Tatsache hin, dass ein Mensch durch seinen Leib weniger Bewegungsfreiheit hat als Engel. Ein Engel ist ein Geist und kennt diese Beschränkung nicht. Auch ist ein Engel einem Menschen weit überlegen, wenn es um Kraft geht.

Andererseits hat Gott den Menschen und nicht einen Engel als Herrscher über die Schöpfung gesetzt. Darin liegt die Herrlichkeit und Ehre des Menschen. Wir werden im folgenden Abschnitt bei der Betrachtung von Heb 2,9 sehen, wie diese Anführung auf beeindruckende Weise auf den Herrn Jesus angewandt wird.

Lies noch einmal Hebräer 2,1–7.

Frage oder Aufgabe: Wie kannst du sicher wissen, dass du nicht von dem Wort abgleiten wirst, das du gehört hast?

Wir sehen Jesus

Heb 2,8. Ein kleiner Teil des Zitates aus Psalm 8 steht noch aus. Aber dieser kleine Teil umfasst sehr viel. Dort steht: „Du hast alles seinen Füßen unterworfen“ (Ps 8,7b). Damit ist die vollkommene Herrschaft des Herrn Jesus über die Schöpfung beschrieben, wie im Anschluss an das Zitat deutlich wird. „Alles“ ist auch wirklich alles und lässt keine Ausnahme zu. Es umfasst alle Dinge im Himmel und auf der Erde, jede Einzelheit des geschaffenen Universums. Wohin du im Universum auch schaust, du findest nichts, das Ihm nicht unterworfen sein wird.

Doch wenn du um dich schaust, ist von dieser völligen Herrschaft noch nichts zu sehen. Du siehst viel Elend und Verdruss. Das liegt daran, dass der Mensch durch die Sünde die Herrschaft verloren und aus der Hand gegeben hat. Die liegt jetzt in den Händen Satans (Lk 4,6), der seit dem Sündenfall der Gott dieser Welt (o. dieses Zeitlaufs) und der Fürst dieser Welt ist (2Kor 4,4; Joh 12,31). Auf der Schöpfung liegt der Fluch: Friedliche Tiere wurden zu Raubtieren, und der Erdboden fing an, Dornen und Disteln hervorzubringen.

Heb 2,9. Aber das wird nicht immer so bleiben. Um zu sehen, wie es werden wird, musst du nach oben blicken. Da siehst du Jesus. Und wie siehst du Ihn dort? Mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Für die Erde ist der Tag seiner Krönung noch zukünftig, aber im Himmel trägt Er seine Krone schon. Gott hat Ihm diesen Platz der Ehre als Belohnung für sein Werk am Kreuz gegeben. Er hat das Leiden des Todes, das der Herr Jesus durchgemacht hat, so hoch bewertet, dass Er Ihm unmittelbar diesen alles und alle überragenden Platz bei sich gegeben hat (Joh 12,28; Joh 13,31-32).

Wegen dieses Leidens des Todes war der Herr Jesus eine kurze Zeit unter die Engel erniedrigt, denn Engel können nicht sterben, während der Herr Jesus wohl gestorben ist. Dabei ist Er doch der Schöpfer der Engel und dadurch ihr Herr! Es war nur eine kurze Zeit, nur drei Tage, aber doch war Er während dieser Zeit unter die Engel erniedrigt. Seine Erniedrigung kennt keine Grenzen und seine Erhöhung darum auch nicht. Du siehst Ihm zwar noch nicht alles unterworfen, aber im Glauben siehst du Ihn, dem alles unterworfen sein wird.

Dem Schreiber des Briefes geht es darum, dass unser Blick nach oben gerichtet wird, zu Ihm hin. Ihn zu sehen, bedeutet auch, sein Werk zu sehen, das Er im Auftrag Gottes auf der Erde getan hat. Er nahm den Platz der Erniedrigung ein, um für das ganze System, das fern von Gott war, den Tod zu schmecken. („Schmecken“ bedeutet „kennenlernen, indem man damit in Berührung kommt“.) Wo der erste Mensch so furchtbar und in nicht wiedergutzumachender Weise versagt hatte, kam der zweite Mensch, um das volle Recht auf die Schöpfung zu erwerben.

Er hat dieses Recht erworben, indem Er Gott dort verherrlichte, wo der erste Mensch versagt hatte. Er verherrlichte Gott auf dem Gebiet, wo der Feind, der den Menschen durch seine List betrogen hatte, in Macht und Bosheit die Herrschaft über den Menschen hatte. Darum schmeckte der Herr Jesus den Tod mit dem besonderen Ziel, die Kinder, die Gott zur Herrlichkeit bringen würde, zu erlösen. Aber Er schmeckte den Tod auch, damit die herrlichen Folgen seines Todes sich auf alles Geschaffene auswirken könnten, „für alles“. So groß ist die Gnade Gottes.

Für den Glauben ist dies alles eine enorme Ermutigung. Du siehst einen Menschen in der Herrlichkeit, der durch den Tod gegangen und auferstanden ist. Er ist die Garantie, dass es nicht um den gegenwärtigen, sondern um den zukünftigen Erdkreis geht. Der Weg, den Er durch Leiden zur Herrlichkeit gegangen ist, ist auch dein Weg. Indem du dein Auge auf Ihn gerichtet hältst, bekommst du die Kraft, alle Verfolgungen und Leiden durchzustehen.

Heb 2,10. Ab diesem Vers siehst du den Herrn Jesus inmitten seiner Brüder, wo Er auch den ersten Platz innehat (Röm 8,29). Das ist die ganz vertraute Sphäre. „Es geziemte ihm“ bedeutet, dass es Gott angemessen war und seiner ganzen Handlungsweise entsprach, die niemals im Widerspruch zu seinem Wesen ist. „Um dessentwillen alle Dinge … sind“ zeigt, dass es bei dem zukünftigen Erdkreis um Gott geht, um seine Verherrlichung. „Durch den alle Dinge sind“ macht deutlich, dass Gott der Ursprung von allem Neuen ist, das noch kommt, dass Er das gewollt hat. Aber Gott tut das alles durch den Sohn. Er ist der Mittelpunkt des zukünftigen Erdkreises, des tausendjährigen Friedensreiches.

Dann liest du etwas Wunderbares. Du liest von „Söhnen“, also Mehrzahl. Von diesen Söhnen liest du weiterhin, dass sie zur Herrlichkeit gebracht werden. Das ganze Ziel des Briefes ist, dein Auge auf das Endziel der Reise zu richten. Hier hörst du, dass der Herr Jesus von vielen Söhnen umgeben sein wird, wenn Er in der Herrlichkeit des Friedensreiches auf der Erde regieren wird. Und wer sind diese Söhne? Das sind die gläubigen Hebräer, an die der Brief gerichtet ist, und auch du gehörst zu diesen Söhnen. Du wirst hier als einer der „Söhne“ gesehen.

Es gibt sogar „viele“, also nicht nur einige. Du und noch unzählig viele andere Söhne haben sich irgendwann einmal auf den Weg zur Herrlichkeit gemacht. „Söhne“ sind alle, die im Glauben den Herrn Jesus angenommen haben und seine Rückkehr zur Errichtung des Friedensreiches erwarten.

Der Weg zur Herrlichkeit ist jedoch ein Weg der Erprobung und führt durch viele Schwierigkeiten. Doch da ist ein „Urheber“ (Heb 2,10; Heb 12,2; Apg 3,15; Apg 5,31), ein Anführer, der anderen auf dem Weg vorangeht. Das ist der Herr Jesus.

Er ist den ganzen Weg bereits gegangen und ist schon in der Vollkommenheit. Er ist durch alle Leiden hindurchgegangen, durch die die vielen Söhne auf der Erde hindurchmüssen. Das nun ist es, was Gott geziemte. Es würde Gott nicht geziemen, Dinge von den „vielen Söhnen“ zu fordern, an denen der Sohn keinen Anteil gehabt hätte. Es geziemte Gottes Wesen und seiner Natur, dass Er seinen Sohn als Anführer auf einem gleichen Weg vieler Erprobungen in die Herrlichkeit des Friedensreiches bringen würde. Auf diese Weise ist der Sohn vollkommen befähigt worden, der Anführer zu sein für alle Söhne, die noch auf der Erde einen Weg der Erprobungen zu gehen haben.

Heb 2,11. Du siehst, wie sehr Gott seinen Sohn mit den vielen Söhnen verbindet. Doch der Heilige Geist wacht auch darüber, dass der Sohn und die Söhne nicht gleichgesetzt werden. Es muss immer unterschieden werden. Das tut Er, indem Er über den spricht, „der heiligt“, und über die, die „geheiligt werden“. Du siehst diesen Unterschied auch in Johannes 20, wo nicht steht „unser Vater“ und „unser Gott“, sondern „mein Vater und euer Vater“ und „mein Gott und euer Gott“ (Joh 20,17; vgl. Mt 17,26).

Es steht hier auch nicht, dass der Sohn und die Söhne „alle eins“ sind, sondern dass sie „alle von einem“ sind. „Der, der heiligt,“ ist Christus, der Sohn. Dass Er heiligt, bedeutet, dass Er dich aus den Menschen der Welt heraus für sich absondert. „Die, die geheiligt werden,“ sind die Gläubigen, die Söhne.

Es bedeutet, dass Er dich weiht, damit du sein Genosse wirst und Ihm nachfolgst. Es geht um deine Heiligung als Gläubiger. Der Sohn wird hier als Mensch gesehen, denn nur so konnte Gott Menschen als Söhne mit seinem Sohn vereinigen, sie zu einer Gemeinschaft, einem Volk, bilden, natürlich mit dem Sohn an der Spitze.

Darum schämt Er, der Sohn, sich nicht, uns, die Söhne, „Brüder“ zu nennen. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir Ihn „Bruder“ nennen. Das wäre ein ungeziemend kumpelhaftes Reden über jemanden, der uns sicher sehr nahe ist, aber vor dem wir einen tiefen Respekt haben.

Heb 2,12. Anhand drei neuer Zitate aus dem Alten Testament macht der Schreiber deutlich, wie sehr der Herr Jesus und die Seinen „alle von einem“ sind. In den drei Zitaten zeigt sich die wahre Menschheit des Messias und werden die engen Beziehungen deutlich, die Er aufgrund davon mit seinem Volk hat.

Aber die Beziehung konnte erst zustande kommen, nachdem Er das Werk auf dem Kreuz vollbracht hatte, im Tod gewesen und auferstanden war. Erst dann konnte Er zu ihnen als „eurem Vater“ sprechen (Joh 20,17). Er konnte sie dem Vater erst vorstellen, nachdem Er als das Weizenkorn in die Erde gefallen und gestorben war und als Folge davon viel Frucht gebracht hatte (Joh 12,24). Die Frucht stellt Er dir hier vor: Brüder, Söhne, Kinder. Dazu gehörst auch du! In allen drei Beziehungen siehst du die besondere Verbindung zwischen dem Herrn Jesus und den Seinen.

Das erste Zitat stammt aus Psalm 22. Dieser Psalm spricht auf eindringliche Weise über das Werk des Herrn Jesus am Kreuz als den, der die Sünden getragen hat. Die Antwort Gottes auf dieses Werk siehst du auch in diesem Psalm. Gott hat Ihm geantwortet, indem Er Ihn aus den Toten auferweckte (Ps 22,22). Durch seine Auferstehung sind die Folgen jenes gewaltigen Werkes sichtbar geworden. Eins der Ergebnisse ist, dass Er denen, die Er „meine Brüder“ nennt, den Namen seines Vaters verkündigt.

Aber dabei bleibt es nicht. Dieses Verkündigen ergibt ein neues Ergebnis, nämlich dass Er inmitten seiner Brüder, der Versammlung, und zusammen mit ihnen lobsingt. Er selbst stimmt inmitten der Versammlung den Lobgesang an. Sein Lied ist der dankbare Lobgesang als Antwort auf die Tatsache, dass Gott Ihn auferweckt und verherrlicht hat. Und als Ergebnis seines Werkes dürfen du und ich in diesen Lobgesang einstimmen. So stehen wir mit Ihm in derselben Stellung vor Gott, einer Stellung, die wir nur Ihm zu verdanken haben. Ist das nicht groß?

Lies noch einmal Hebräer 2,8–12.

Frage oder Aufgabe: Was lernst du hier über die Verbindung zwischen dem Herrn Jesus und dir?

In allem den Brüdern gleich geworden

Heb 2,13. Unser Abschnitt beginnt mit einem Zitat, in dem das Menschsein des Messias auf wunderschöne Weise beschrieben wird. Wahres Menschsein kommt niemals besser zum Ausdruck als darin, dass jemand sein Vertrauen auf Gott setzt, wie die Umstände auch sein mögen. Hier wird Jesaja zitiert (Jes 8,17), der fest entschlossen ist, mit Ausharren auf den HERRN zu warten und nach Ihm Ausschau zu halten, während er sich inmitten eines Volkes befindet, vor dem der HERR wegen dessen Sünden sein Angesicht verborgen hat. Dieses Vertrauen kennzeichnete den Herrn Jesus, als Er auf der Erde war. Dieses Vertrauen durften die Empfänger des Briefes und darfst auch du haben.

Was Menschen spottend zu Ihm sagten, als Er am Kreuz hing: „Er vertraute auf Gott“, war die Kraft seines Lebens bis in den Tod. Dieses Vertrauen auf Gott ist fundamental wichtig in einer Lage, wo noch nichts von der Verwirklichung der Pläne Gottes zu sehen ist, sondern alles auf das Gegenteil hinzudeuten scheint. Aller Widerstand, den Christus auf seinem Weg auf der Erde erfuhr, konnte sein Vertrauen auf Gott nicht wegnehmen oder auch nur vermindern. Er ist darin dein und mein Vorbild.

Aber Er ist nicht nur ein Vorbild. Er verbindet uns auch mit sich in diesem Vertrauen, das Er auf seinen Gott hat. Er vertraut darauf, dass Er und wir, die Kinder, zusammen durch alle Schwierigkeiten hindurchkommen werden und in der Zeit des Segens und der Freude, nach der wir uns sehnen, ankommen werden. Auch hier wird Jesaja zitiert (Jes 8,18). Was Jesaja von sich und seinen Kindern gesagt hat, wendet der Schreiber wieder auf Christus und den Überrest an. Das „Ich und die Kinder“ bedeutet, dass Christus sich als Mensch mit den Kindern verbunden hat, die Gott Ihm gegeben hat. Es geht hier um die geistlichen Kinder Gottes in dieser Zeit. Sie stehen mit Christus in Verbindung.

Es geht also nicht um Kinder von Christus oder vom Herrn Jesus. Solche Ausdrücke gebraucht die Bibel nirgends für Gläubige. Es geht hier um Kinder Gottes, die Gott dem Herrn Jesus gegeben hat. So wie die Kinder Jesajas, auch in der Bedeutung ihrer Namen, inmitten des Volkes Gottes ein Zeugnis für die Treue Gottes waren, so sind die Gläubigen das heute inmitten der abgefallenen Christenheit auf der Erde.

In diesem Zitat liegt eine große Ermutigung. Mit dem Vertrauen, das Ihm eigen ist, unterstützt Er alle, die Ihm von Gott gegeben sind. Er weist auf sie hin und sagt gleichsam zu Gott: „Das sind die Kinder, die Du Mir anvertraut hast. Ich werde sie sicher durch alle Schwierigkeiten hindurch leiten und sie dorthin bringen, wo Ich bin.“

Heb 2,14. Bevor Gott sie allerdings dem Herrn Jesus anvertrauen konnte, musste der Herr selbst Mensch werden. Und nicht nur das. Wenn der Herr Jesus wollte, dass wir als Kinder in seiner Stellung vor Gott eins mit Ihm sind, dann war es notwendig, dass Er sich zuerst mit uns in unserer Not einsmachte. Dazu nahm Er Blut und Fleisch an. Bevor Er Mensch wurde, hatte Er kein Teil daran. Aber Er musste daran teilnehmen, um sterben zu können. Sein Tod war notwendig, weil der Mensch dem Tod unterworfen war.

Durch den Sündenfall hatte Satan den Menschen in seine Macht bekommen, eine Macht, die er durch den Tod ausübt. Der Herr Jesus ist gekommen, um dem ein Ende zu machen. Nichts anderes als der Tod konnte den Tod zunichtemachen. Ein schönes Beispiel hast du in David, der Goliath mit seinem eigenen Schwert tötete (1Sam 17,51). Es musste auch der Tod eines Menschen sein, damit der Tod für Menschen zunichtegemacht würde. Der Mensch Christus hat das getan. Dadurch hat der auferstandene Christus die Schlüssel des Todes und des Hades (Off 1,18), das heißt, dass Er vollkommene Gewalt darüber hat.

Heb 2,15. Durch seinen Sieg über den Tod und das Zunichtemachen (d. i. Ausschalten oder Kraftlosmachen) des Teufels hat der Herr Jesus eine gewaltige Befreiung bewirkt. Bei dieser Befreiung geht es um einen Feind, der dich so völlig in der Gewalt hatte, dass du selbst gar keine Möglichkeit hattest, daraus loszukommen. Indem der Teufel Furcht vor dem Tod verbreitete, sorgte er dafür, dass er die Menschen im Griff behielt. Der Teufel herrscht immer durch Furcht. Der Tod ist der „König der Schrecken“ (Hiob 18,14). Für uns ist diese Furcht verschwunden, denn Christus hat das Bedrohliche des Todes weggenommen. Nun jagt der Tod keine Furcht mehr ein.

Heb 2,16. Der Herr Jesus ist nicht auf die Erde gekommen, um für Engel zu sterben. Er hatte die Nachkommenschaft Abrahams im Blick. In der buchstäblichen Bedeutung sind das die, an die der Brief gerichtet ist. Sie sind nicht nur leiblich Abrahams Nachkommen, sondern auch und vor allem geistlich seine Kinder (Joh 8,33-39). Letzteres sind jedoch auch die Gläubigen aus den Heiden (Gal 3,7-9; Röm 4,9-12), und darum hat Er auch dich ergriffen und errettet. Er hat dich angenommen, du gehörst Ihm.

Heb 2,17. Um dich und die unzählbar vielen anderen annehmen zu können, musste der Herr Jesus „in allem“ den Brüdern gleich werden. Das bedeutet, dass Er vom Himmel zur Erde wechselte und als Mensch in der Mitte von Menschen wohnte und an ihrem Leben teilnahm. Das war für Ihn eine gewaltige Erniedrigung. Und wenn du dann bedenkst, dass Er unter den Menschen den niedrigsten Platz einnahm (Phil 2,5-8), dann hat Er wirklich alles durchgemacht, was ein Mensch nur durchmachen kann. Du kannst es dir so schlimm nicht ausdenken – der Herr Jesus kann darüber mitreden.

Er ist auf vollkommene Weise den Brüdern gleichgeworden. Er hat alle, die Er seine Brüder nennt, aus der Macht des Teufels befreit. Das hast du in Heb 2,14 gesehen. Aber da waren auch Sünden, die gesühnt werden mussten. Das steht am Ende von Heb 2,17.

Für beide Probleme gab es nur eine Lösung: den Tod. Um sterben zu können, musste der Herr Jesus Mensch werden. Durch seinen Tod und seine Auferstehung besiegte Er den Tod und den, der die Macht darüber hatte, das ist den Teufel, und sühnte die Sünden des Volkes Gottes. Mit Recht kann Er dadurch ein barmherziger und treuer Hoherpriester sein. Er ist barmherzig im Blick auf das Elend, die Versuchungen und Prüfungen, in denen du dich befindest. Er fühlt mit dir. Er ist auch treu, sich selbst und seinen Verheißungen. Er behält das Ziel im Blick und führt dich dorthin – durch alle Mühen und Nöte hindurch.

Bei alledem geht es Ihm um die „Sachen mit Gott“. Er tut niemals etwas für dich, was nichts mit Gott zu tun hat. Er sieht dein Leben in der Verbindung mit Gott. Er übt sein Hohepriestertum zu deinen Gunsten aus, um dir zu helfen, in allem dem Willen Gottes zu entsprechen.

Zuerst musste Er als Hoherpriester auf der Erde Sühnung tun für die Sünden seines Volkes. Das hat Er getan, und dadurch kann Gott eine Beziehung zu seinem Volk haben und bei ihnen auf der Erde sein. Solange sein Volk auf der Erde ist, hat es Unterstützung und Ermutigung nötig. Deshalb ist der Hohepriester, nachdem Er auf der Erde das Sühnungswerk vollbracht hat, jetzt im Himmel, um dort beständig Hoherpriester zu sein. Mit Blick auf Gott ist alles in Ordnung, die Sünden sind gesühnt, aber es ist noch ein Weg zurückzulegen. In Anbetracht dieses Weges setzt der Herr Jesus sich ein, damit Gottes Volk auf diesem Weg Gott verherrlicht, statt Ihm untreu zu werden und so den Segen zu verspielen.

Heb 2,18. Es gibt sonst niemanden, der seinem Volk so Hilfe geben kann wie Er. Vor seinem Tod führte Er ein vollkommenes Leben. Darin lernte Er alle Erprobungen und Versuchungen kennen, die einem Menschen widerfahren können. Es gibt kein Leiden, das du durchmachen kannst, das Er nicht kennt (Jes 63,9). Dadurch kann Er mit dir mitleiden und dir die nötige Hilfe geben. Diese Hilfe bezieht sich auf die Schwierigkeiten, die der treue Gläubige erfährt, wenn er den Willen Gottes tun will.

Kein Gläubiger schafft es aus eigener Kraft, das Endziel zu erreichen. Du benötigst Hilfe, Beistand, Anteilnahme, die Fürbitte von jemandem, der die Gefahren der Reise kennt und sie überwunden hat. Es muss jemand sein, der in den schwersten Prüfungen standgehalten und auf diese Weise gelitten hat und darum nun mit anderen mitleiden kann. Dieser jemand ist der Herr Jesus.

Er hat während seines Lebens auf der Erde alle Schwachheiten – nicht: Sünden, denn damit hatte Er nur zu tun, als Er am Kreuz hing (1Pet 2,24) – des Menschseins erfahren. Er weiß, was es heißt, ein hilfloses Baby und ein heranwachsendes Kind zu sein. Er weiß, was es heißt, ein Jugendlicher und ein Erwachsener zu sein. Er weiß, was es heißt, Hunger und Durst zu haben und ermüdet und betrübt zu sein. Er weiß, was es bedeutet, unverstanden, verachtet, abgelehnt, verkannt zu sein und gelästert zu werden. Er weiß, was es ist, zu leiden und zu sterben. Alles hat Er erfahren, um jetzt für dich Hoherpriester im Himmel sein zu können.

Die Versuchungen des Herrn Jesus in der Wüste sind hierzu ein wunderschönes Beispiel. Er wurde in den irdischen Dingen, in den weltlichen Dingen und in den Dingen des Glaubens versucht (Lk 4,1-12). Auf alle Versuchungen, die der Teufel an Ihm ausprobierte, antwortete Er mit dem Wort Gottes. Der Herr Jesus ist als der Hohepriester im Himmel für dich damit beschäftigt, dich an Gottes Wort zu erinnern, wenn du mit Versuchungen des Teufels zu tun bekommst. Wenn du Gottes Wort anführst, ergreift der Teufel die Flucht.

Lies noch einmal Hebräer 2,13–18.

Frage oder Aufgabe: Was hat der Herr Jesus alles getan, um Hoherpriester sein zu können? Worin ist Er für dich Hoherpriester?

© 2023 Autor G. de Koning

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