1.Johannes 1
1 John 1 Kingcomments Bibelstudien

Einleitung

Die drei Briefe die Johannes geschrieben hat, sind sehr wichtige Briefe für die Endzeit, in der wir leben. Viele felsenfeste Wahrheiten werden angegriffen und als unsicher hingestellt. Diese Briefe zeigen, dass das, was du in Christus empfangen hast und geworden bist, felsenfest sicher ist. Durch diese Briefen werden wir in unserem Glauben gestärkt. Wir werden feststellen, dass der Geist Gottes diese Briefe inspiriert hat, das heißt, dass Er ihr eigentlicher Verfasser ist. Das ist die Garantie dafür, dass sie auch für uns als Gläubigen in dieser Zeit sehr aktuell sind. Deshalb stehen sie in der Bibel.

Das Wort des Lebens

Der erste Brief des Johannes entstand als zweite seiner Schriften, die wir von ihm in der Bibel haben. Seine erste Schrift ist das Evangelium. Auf seinen ersten Brief folgen noch ein zweiter und ein dritter Brief. Das Buch der Offenbarung stammt ebenfalls aus seiner Feder. Wir haben in der Bibel also insgesamt fünf Schriften von ihm. Kennzeichnend für seine Schriften ist die Frage, wer und was Gott ist. In seinem Evangelium stellt er den Herrn Jesus als den Sohn Gottes vor. In seinem ersten Brief zeigt er, was das ewige Leben ist, das Gott dem Gläubigen gegeben hat. Das Leben ist der Sohn selbst. Du besitzt das Leben, denn „wer den Sohn hat, hat das Leben“ (1Joh 5,12). Im Buch der Offenbarung sehen wir Gott in seiner Regierung.

Wenn wir nun seinen ersten Brief lesen und studieren, werden wir sehen, dass es um den Gläubigen geht, in dem das neue Leben, das ist das ewige Leben, vorhanden ist. Der Brief ist nicht an eine örtliche Gemeinde geschrieben, sondern an individuelle Gläubige, also an dich persönlich. Zugleich spricht Johannes dich als jemanden an, der zu einer Gemeinschaft von Gläubigen gehört, nämlich der Familie Gottes. Die Bezeichnung „Kinder Gottes“ gibt das auch gut wieder. Wenn Kinder von denselben Eltern geboren sind, sind sie miteinander verwandt. Kinder Gottes sind ebenfalls miteinander verwandt, weil sie aus Gott geboren sind. Dadurch haben sie Leben, und zwar das ewige Leben, das ist Leben in seiner überfließenden Form (Joh 10,10b). Das ewige Leben ist der Herr Jesus selbst (1Joh 5,20).

Johannes zeigt dir in diesem Brief, wie das ewige Leben in dir als Gläubigem wirkt. Damit du siehst, wie es sich äußert, musst du auf den Herrn Jesus schauen. Er ist ja das neue Leben in dir. Du siehst das Leben auch in den Evangelien, wenn du den Herrn Jesus in seinem Leben auf der Erde betrachtest. So wie das Leben in Ihm ist und von Ihm in der Welt offenbart worden ist, so befindet es sich in dir und offenbart sich – selbstverständlich – auf genau dieselbe Weise.

Nun wirst du sagen, dass in deinem Leben (und das sage ich auch von mir) der Herr Jesus nicht immer deutlich zu sehen ist. Das ist auch so, wenn es um die Praxis deines Glaubenslebens geht. Johannes spricht jedoch nicht – und es ist sehr wichtig, das gleich zu Beginn, wenn du diesen Brief liest, festzustellen und festzuhalten – in erster Linie über unsere Praxis, sondern über das Wesen des ewigen Lebens, das du besitzt. Dazu gehören absolute Aussagen.

Ich will das mit einem Beispiel veranschaulichen. Wenn du untersuchen willst, was Wasser ist und woraus es besteht, darfst du nicht Kaffee untersuchen. Kaffee besteht zwar zu fast hundert Prozent aus Wasser, doch es sind Elemente darin, die den Geschmack und die Farbe des Wassers verändern, so dass es eben nicht zu hundert Prozent Wasser ist. So musst du, wenn du wissen willst, was das ewige Leben in dir ist, nicht auf deine Praxis sehen. In deiner Praxis gibt es viele Elemente, die die Äußerung dieses Lebens trüben. Du musst daher auf den Herrn Jesus sehen.

Der Herr Jesus ist dieses neue, ewige Leben in seiner reichsten Form. Johannes spricht in diesem Brief zwar auch über die Praxis des Glaubenslebens, doch sein Ausgangspunkt ist die Vollkommenheit des ewigen Lebens, wie es an sich ist. Diese Vollkommenheit ist in dem Herrn Jesus und auch in dir, weil du Ihn als dein Leben besitzt. Johannes schreibt darüber sehr eindringlich, weil in seinen Tagen Irrlehrer in die Gemeinden gekommen waren und eine Irrlehre brachten, die die Vollkommenheit des ewigen Lebens antastete. Sie lehrten, dass das Christentum zwar ein guter Anfang sei, doch dass sie mehr Licht und höheres Wissen über Gott besäßen.

Johannes macht deutlich, dass du, wenn du das ewige Leben hast, alles hast. Das ewige Leben ist vollständig und nicht ein „schöner Anfang“ deiner Beziehungen mit göttlichen Personen. Johannes entlarvt den Geist des Antichrists. Er gibt dir die Beweise, dass du das ewige Leben wirklich besitzt und dass dies das Leben des Herrn Jesus ist und dass dieses Leben in sich selbst vollkommen und unveränderlich dasselbe ist. Lass dir daher nichts weismachen von Menschen, die dir erzählen wollen, sie könnten dich tiefer in die Geheimnisse der Gottheit einführen. Es gibt keine Weiterentwicklung der Wahrheit Gottes über Christus hin zu etwas, was noch vollkommener wäre.

1Joh 1,1. Johannes beginnt – ohne Einleitung –, über den Herrn Jesus zu sprechen. Er tut das auf eine besondere Weise. Er stellt Ihn als „das Wort des Lebens“ vor, das „von Anfang an war.“ Johannes und die Apostel hatten Ihn so bei sich. Die Menschen konnten „das Wort des Lebens“ wahrnehmen.

Der Anfang, von dem Johannes spricht, ist nicht der Anfang von 1. Mose 1 (1Mo 1,1), wo wir zur Entstehung der Welt zurückgeführt werden, zur Schöpfung. Es ist auch nicht der Anfang, von dem er im ersten Vers seines Evangeliums schreibt. Der Anfang dort reicht viel weiter zurück: zu dem, was keinen Anfang hat, denn dort wird auf das hingewiesen, was „im Anfang war“ (Joh 1,1). Was Johannes hier zu Beginn seines Briefes mit „Anfang“ bezeichnet, ist die Offenbarung des ewigen Lebens auf der Erde durch das Leben des Herrn Jesus. Dieser „Anfang“ bezieht sich also auf die Menschwerdung des Herrn Jesus.

Der Brief ist eine Antwort auf den Irrtum des sogenannten Gnostizismus. Dieser Irrtum findet sich bei Menschen, die behaupten, dass sie etwas „erkennen“ (das Wort gnosis bedeutet „erkennen“ oder „wissen“). Der Gnostizismus leugnet, dass der Herr Jesus tatsächlich Fleisch geworden ist, und verkündet den Irrtum, dass Er lediglich eine menschliche Erscheinung auf der Erde gewesen sei. Als Reaktion darauf beschreibt Johannes Ihn als wahrhaftigen Menschen, den er und seine Mitapostel wirklich gesehen haben und mit dem sie Umgang hatten.

Die Antwort auf jeden Irrtum und jede Abweichung ist Christus. Wenn wir sehen wollen, wer Er ist, müssen wir zum Anfang zurückkehren, zu seinem Kommen und seinem Leben auf der Erde. In Ihm ist das Wort des Lebens in all seiner Vollkommenheit offenbart. Damit weist Johannes zurück auf die ersten Verse seines Evangeliums: „In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“ (Joh 1,4). Dass Johannes Ihn hier „das Wort des Lebens“ nennt, bedeutet, dass du in Ihm sehen kannst, was das Leben ist. Außer Ihm gibt es kein Leben. Was von Ihm getrennt ist, besitzt kein Leben. Er allein ist das Leben, und das in Vollkommenheit.

Johannes und die Apostel (er schreibt „wir“) haben den Herrn Jesus gehört, gesehen, angeschaut und sogar betastet. In den Worten, die Johannes gebraucht, kommst du Ihm immer näher. Hören kannst du auf große Entfernung; sehen kannst du, wenn du näher dran bist; zum Anschauen musst du noch näher dran sein; um etwas mit den Händen zu betasten, musst du ganz nahe sein. Das Leben, das Johannes dir auf diese Weise beschreibt, ist also keine mystische Erfindung, sondern eine konkrete Wirklichkeit, die man mit den Sinnesorganen wahrnehmen kann. Er spricht über eine reale und nicht über eine fiktive Person (vgl. Lk 24,39).

In gewissem Sinn hast du bei deiner Entdeckung des Herrn Jesus die vier Phasen durchlaufen, die Johannes hier nennt. Du hast zuerst von Ihm gehört und dadurch bist du zum Glauben gekommen. Der Glaube kommt aus dem Hören (Röm 10,14). Dadurch sind deine Augen für Ihn geöffnet worden und du hast Ihn im Glauben gesehen. Das hat dich dazu geführt, Ihn anzuschauen, indem du im Wort Gottes genauer untersucht hast, wer Er ist. Die Folge ist, dass du Ihn, geistlich gesehen, betastet hast. Du hast wirklich erfahren, dass Er da ist und dass Er der ist, der zu sein Er gesagt hat.

1Joh 1,2. Wenn das ewige Leben nicht offenbart worden wäre, hättest du niemals wissen können, was es ist. So wie es bei dem Vater war, kanntest du es nicht. Ist es nicht großartig, dass es offenbart worden ist? Der ewige Gott ist in seinem Sohn, dem Herrn Jesus, herausgetreten, und das an einem Ort der Erniedrigung und Verachtung. So kann Er gehört, gesehen, angeschaut und betastet werden. Er trat heraus, um sich selbst dem Menschen vorzustellen. Er kam, um dich in die überwältigende Gemeinschaft mit dem Vater zu bringen. Er offenbarte das ewige Leben.

Was das ewige Leben ist, siehst du in Ihm. Er hat es gezeigt. Er wurde als Baby geboren, Er, das ewige Leben, das bei dem Vater war. Die Menschen konnten Ihm so nahe kommen, dass sie Ihn sogar berühren konnten (vgl. Mk 5,27). Er kam, um auch dir diesen erhabenen Platz der Gemeinschaft und den entsprechenden Genuss daran zu geben. Als Mensch konntest du es nicht wahrnehmen, geschweige denn genießen, wenn es dir nicht durch den Geist Gottes offenbart worden wäre (1Kor 2,9; 10). Was Johannes hier beschreibt, findest du auch in Mich 5,1. Dort liest du von dem Herrn Jesus, wie Er in Bethlehem geboren werden sollte und zugleich der Ewige sein würde.

Bevor wir mit dem nächsten Abschnitt fortfahren, noch eine allgemeine Bemerkung über das „ewige Leben“. Das ewige Leben wird von Johannes auf zweierlei Weisen beschrieben. Zunächst spricht er über das ewige Leben als ein Lebensprinzip, als das Leben, das in Gott ist und das Er dir gegeben hat, als du an den Herrn Jesus gläubig wurdest (Joh 3,16). Dadurch hast du das ewige Leben in dir. Zweitens spricht er auch über das ewige Leben als eine Sphäre des Lebens, in der du lebst, eine Lebenssphäre oder Lebensumgebung, in die du eingetreten bist und in der du das ewige Leben genießt (Joh 17,3).

Das kannst du mit deinem natürlichen Leben vergleichen. Du lebst, du bewegst dich und denkst. Das sind Äußerungen des Lebens, das in dir ist. Zur gleichen Zeit lebst du auch irgendwo. Du lebst vielleicht in einer Stadt oder auf dem Land. Das ist deine Lebensumgebung.

Diese beiden Aspekte des ewigen Lebens zeigen, wie umfangreich das ewige Leben ist. Es ist in dir und du bist in ihm. Es beinhaltet alles. Es ist doch wirklich beeindruckend, daran teilhaben zu können! Das zeigen die folgenden Verse.

Lies noch einmal 1. Johannes 1,1.2.

Frage oder Aufgabe: Was siehst du in diesen Versen von dem Herrn Jesus?

Gemeinschaft und völlige Freude

1Joh 1,3. Was Johannes und die Apostel gesehen und gehört haben, wollen und können sie nicht für sich behalten. Es ist ihnen offenbart worden, doch sie wollen es gern an dich und mich weitergeben. Sie wollen uns daran teilhaben lassen. Sie müssen es „verkündigen“, denn sie können nicht davon schweigen (vgl. Apg 4,20). Wovon ihr Herz voll ist, fließt ihr Mund über (Mt 12,34).

„Verkündigen“ bedeutet, ein Zeugnis weiterzugeben oder das mitzuteilen, was man gelernt hat. Johannes hat vom Herrn Jesus gelernt, er hat einen Bericht verfasst, um ihn uns mitzuteilen. Der Bericht steht hier so, dass jedes Mal, wenn du ihn liest, die Verkündigung zu dir kommt. So geht es auch mir, wenn ich ihn lese. Wenn du seinen Bericht liest und auf dich einwirken lässt, ist es so, als würde die Zeit verschwinden und als würdest du dich in Begleitung des Herrn Jesus während seines Lebens auf der Erde befinden.

Der Zweck seines Berichtes ist es, dass du mit ihm und den Aposteln als Zeugen „Gemeinschaft hast“. Denn das Wort „Gemeinschaft“ könntest du in heutigem Deutsch vielleicht mit „Beziehung“ wiedergeben. Dennoch gibt das Wort „Beziehung“ m. E. das Wort „Gemeinschaft“ nicht gut wieder. Bei „Beziehung“ denkt man an ein bestimmtes Verhältnis, das man zu jemandem hat, oder an eine Verbindung, die man mit jemandem hat. Das Wort „Gemeinschaft“ bedeutet jedoch viel mehr. Es bedeutet, dass man etwas mit jemandem teilt, was man gemeinsam mit ihm besitzt. Man hat dasselbe Teil.

Kinder Gottes haben Gemeinschaft miteinander, weil sie Christus als ihr Leben besitzen. Johannes will, dass du und ich mit ihm und seinen Mitaposteln Gemeinschaft haben. Damit meint er also, dass du und ich mit ihnen das teilen, was wir und sie gemeinsam besitzen, und das sind der Vater und der Sohn.

Allerdings ist die Gemeinschaft mit den Aposteln kein Selbstzweck, sie reicht noch weiter. Johannes will dich mit einbeziehen in die Gemeinschaft, die er und seine Mitapostel mit dem Vater und dem Sohn haben, also mit göttlichen Personen. Der Apostel verlangt danach, den Kreis der Gemeinschaft auszudehnen. Es ist die Absicht von Johannes, dass du zusammen mit ihnen Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn hast. Er sagt damit, dass sie teilhaben an dem Teil, das der Vater hat, und an dem Teil, das der Sohn hat. Die Gemeinschaft mit den Aposteln ist möglich, weil du dasselbe Leben hast wie sie.

Indem Johannes zuerst den Vater nennt, liegt der Nachdruck auf der Gemeinschaft mit dem Vater. Der Sohn ist natürlich nicht geringer, denn Er ist ebenso Gott wie der Vater, Er ist eins mit Ihm (Joh 10,30). Der Unterschied ist, dass Er, der Sohn, das Herz des Vaters kundgetan hat (Joh 1,18). Alle, die Ihn, den Sohn, als ihr Leben empfangen haben, können nun bewusst dieselbe Gemeinschaft mit dem Vater genießen, die Er mit dem Vater hat. Du kennst den Vater als Vater, weil der Sohn dein Leben ist. Was in Bezug auf den Sohn immer der Fall war, ist nun auch bei dir der Fall. So wie der Sohn willst auch du den Vater verherrlichen, Ihn großmachen und ehren.

Die Gemeinschaft mit dem Vater steht daher im Vordergrund. Unmittelbar darauf folgt, sozusagen im gleichen Atemzug, dass die Gemeinschaft auch „mit seinem Sohn Jesus Christus“ ist. Es ist eine Gemeinschaft, die auf dem gleichen Niveau ist wie die Gemeinschaft mit dem Vater. Darüber lässt Johannes kein Missverständnis aufkommen. Durch das, was dir über das ewige Leben verkündigt worden ist und was du geglaubt hast, hast du auch Gemeinschaft mit dem Sohn. Das Herz des Vaters verlangt nach dem Sohn,und dein Herz verlangt nun auch nach Ihm.

Ich wiederhole, was ich bereits früher gesagt habe: Es geht nicht um das Maß, wie du das verwirklichst und erlebst, sondern um das, was für die neue Natur, die du bekommen hast, kennzeichnend ist.

1Joh 1,4. Johannes verkündigt mündlich, doch er verkündigt auch, indem er schreibt. Dadurch zeichnet er für die kommenden Generationen auf, was er verkündigt hat, damit jeder, der auf diese Weise davon hört, mit in die Gemeinschaft einbezogen werden kann. Alles ist in dem geschriebenen Wort aufgezeichnet. Du brauchst daher für diese Gemeinschaft keinen Kurs zu belegen oder durch den einen oder anderen erleuchteten Geist unterwiesen zu werden. Es steht im Wort Gottes, du kannst es selbst lesen und sie persönlich genießen.

Johannes spricht alle Gläubigen auf das an, was sie in Christus haben. Wer das Leben besitzt, hat Gemeinschaft. Wer Gemeinschaft hat, genießt sie. Sie gibt das höchste Maß an Freude. Wie könnte es auch anders sein: Wenn du Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus genießt, ist „völlige Freude“ vorhanden!

Diese Freude ist die Freude des Herrn Jesus, der zweimal über „meine Freude“ spricht (Joh 15,11; Joh 17,13). Und seinen Jüngern wünscht Er, dass diese ihre Freude völlig sei. Der Weg, den Er ging, zeigt den Inhalt seiner Freude: Er ging in ungetrübter Gemeinschaft mit dem Vater und tat immer das, was den Vater erfreute. Das war seine Freude. Er kannte und genoss die ungeteilte Liebe des Vaters. Um die vollkommene Freude, seine Freude, zu kennen und zu genießen, musst du in seiner Liebe bleiben (Joh 15,9). Das geschieht, wenn du seine Gebote hältst (Joh 15,10). Der Genuss vollkommener Freude hängt von einem Leben des Gehorsams ab.

Das siehst du im Leben des Sohnes. Er ist dein Leben und deshalb wirkt es in dir genauso. Du wirst darin sicher auch deinen Mangel empfinden. Weißt du, was du deshalb tun darfst? Du darfst den Vater im Namen des Herrn Jesus bitten. Das Ergebnis ist, dass du vollkommene Freude bekommst (Joh 16,24).

1Joh 1,5. Nach seiner Einleitung, in der es vor allem um das Leben geht, spricht Johannes in 1Joh 1,5 über Licht. In seinem Evangelium sind „Leben“ und „Licht“ ebenfalls eng miteinander verbunden (Joh 1,4; 5). Das Leben, das du von Gott empfangen hast, ist das Leben, das im Licht gelebt wird. Es gehört zum Licht und zu nichts anderem. Dein neues Leben hat nichts mit Finsternis und Sünde zu tun. Daher handelt die Botschaft des Johannes davon. Diese Botschaft hat er sich nicht ausgedacht, sondern er verkündigt, was er von Ihm, dem Herrn Jesus, gehört hat. Die Botschaft lautet, dass „Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist“.

Du wirst im Johannesevangelium allerdings vergeblich einen Ausspruch des Herrn Jesus suchen, wo Er das wörtlich sagt. Solch ein Ausspruch muss auch nicht dort sein, denn es ist klar, dass sein ganzes Leben gleichsam diese Botschaft verkündigte. Wenn du in dem Evangelium von Ihm liest und Ihn siehst, siehst du Licht; du siehst hingegen nichts, was mit der Finsternis zu tun hat.

Wenn hier steht, dass Gott Licht ist, ist damit nicht eine Eigenschaft Gottes gemeint, sondern es geht um sein Wesen, darum, wer Er ist. Sein ganzes Wesen ist Licht. Alle seine Eigenschaften fließen daraus hervor. Gott ist auch Liebe. Das steht später in diesem Brief, sogar zweimal (1Joh 4,8; 16).

Es ist wichtig, zu verkündigen, dass Gott Licht ist. Es geht um Gemeinschaft mit göttlichen Personen. Diese Gemeinschaft kann nur im Licht stattfinden, in Übereinstimmung mit der vollkommenen Reinheit Gottes. Gott ist immer Licht. Das war Er auch, als es die Schöpfung noch nicht gab. Er ist Licht und ist auch im Licht, Er ist davon umgeben (1Joh 1,7).

Dass trotzdem noch gesagt wird, dass keine Finsternis in Ihm ist, hat mit der Zeit zu tun. Das weist darauf hin, dass Gott in Verbindung steht mit seiner Schöpfung, in die durch die Sünde die geistliche Finsternis gekommen ist. Du liest auch, dass der Herr Jesus in die Finsternis kam und dass die Finsternis das Licht nicht erfasst hat (Joh 1,5).

1Joh 1,6. Dass Gott Licht ist und dass unsere Gemeinschaft nur im Licht genossen werden kann, schließt einen Wandel in der Finsternis aus. Es ist unmöglich, zu sagen, dass wir Gemeinschaft mit Gott und dem Herrn Jesus haben, während wir zur gleichen Zeit in der Finsternis wandeln. Johannes spricht sehr allgemein und schließt sich selbst mit ein. Das siehst du am Gebrauch des Wörtchens „wir“. Es geht nämlich um das Aussprechen eines bestimmten Bekenntnisses. Das gilt für jeden, der bekennt, Christ zu sein, und sagt, er sei in Gemeinschaft mit Gott und Christus.

Johannes weist darauf hin, dass eine Verbindung zwischen Licht und Finsternis grundsätzlich nicht möglich ist. Es ist nicht möglich, zur gleichen Zeit dem Licht und der Finsternis anzugehören. Hier siehst du wieder, dass Johannes die Dinge schwarzweiß vorstellt. Es geht ihm sozusagen nicht darum, wie du wandelst, sondern wo du wandelst. Es geht ihm hier also nicht um deine Praxis, sondern um dein neues Leben. Sicher ist die Praxis wichtig und dein neues Leben muss darin sichtbar werden. Das kommt später noch zur Sprache. Es geht hier um das, was charakteristisch für das neue Leben ist, wo es sich abspielt und wo es sich unmöglich abspielen kann.

Es ist eine Lüge, wenn jemand sagt, dass er Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn hat, während er in der Finsternis wandelt. So jemand lebt nicht in Übereinstimmung mit der Wahrheit. Er tut nicht die Wahrheit, denn er kennt sie nicht und besitzt sie nicht. Er kann sich zwar als jemand ausgeben, der die Wahrheit kennt und besitzt, doch sein Wandel in der Finsternis, also außerhalb von Gott, zeigt, dass er lügt.

Lies noch einmal 1. Johannes 1,3–6.

Frage oder Aufgabe: Was lernst du in diesen Versen über Gemeinschaft und über Freude?

Wandeln im Licht und Reinigung

1Joh 1,7. In 1Joh 1,6 hast du vom Wandel in der Finsternis gelesen, nun liest du vom Wandel im Licht. Es ist sicher klar, dass mit „wandeln“ nicht eine Aktivität deiner Beine gemeint ist, sondern dein ganzes Verhalten. Man kann sagen, dass der „Wandel“ anderen sichtbar macht, was du mit deinem Mund bekennst. Weiterhin ist es wichtig – ich wiederhole es noch einmal –, dass es darum geht, wo du wandelst. Jemand wandelt entweder in der Finsternis oder im Licht. Als Gläubiger wandelst du nicht in der Finsternis, sondern du bist immer im Licht.

Wenn du sündigst (und das kann leider geschehen, wie auch Johannes feststellt), sündigst du sozusagen im Licht. Du fügst dann zusammen, was nicht zusammenzufügen ist. Der Gegensatz zwischen einem Wandel im Licht und einem Wandeln in der Finsternis ist nicht der Gegensatz zwischen treuen Gläubigen und untreuen oder versagenden Gläubigen. Der Wandel im Licht und der Wandel in der Finsternis zeigen den Unterschied zwischen dem Wandel von Gläubigen und dem Wandel von Ungläubigen. Wer neues Leben hat, wandelt im Licht. Wer kein neues Leben hat, wandelt in der Finsternis.

Der Wandel im Licht ist der Wandel, der vollkommen zu Ihm, der das Licht ist, passt. Du hast Christus als dein Leben. Er ist vollkommen im Licht und Er ist das Licht. Weil Er dein Leben ist, bist auch du im Licht und wandelst darin.

Du wandelst dort jedoch nicht einsam und allein. Du bist im Licht und wandelst darin mit allen, die auch das ewige Leben haben. Du hast Gemeinschaft mit jedem, der im Licht wandelt, und der andere hat Gemeinschaft mit dir. Du teilst mit den anderen, was du in dem Vater und dem Sohn empfangen hast. Das neue Leben ist also keine rein individuelle Sache, sondern etwas, was du mit anderen teilst. Es geht um Gemeinschaft.

Die Grundlage dieser Gemeinschaft ist das reinigende „Blut Jesu Christi, seines Sohnes“. Johannes nennt den Namen „Jesus“, was daran erinnert, dass Er Mensch wurde, um sein Blut vergießen zu können. Er nennt Ihn gleichzeitig „sein Sohn“, was an seine ewige Existenz als Sohn Gottes erinnert. Der Wert des Blutes ist ewig unveränderlich. Johannes legt den Nachdruck darauf, dass das Blut die Grundlage ist, auf der du vor Gott stehst. Nur Gott kennt seinen vollkommenen Wert und handelt entsprechend mit dir. Wenn du dir das gründlich bewusst machst, gibt das deiner Seele Frieden. Es geht nicht in erster Linie um deine Wertschätzung des Blutes, sondern um Gottes Wertschätzung des Blutes. Wenn dir das bewusst ist, darfst du auch wissen, dass das die Grundlage für alle Segnungen ist, die Gott dir gegeben hat.

1Joh 1,8. Dieses Bewusstsein wird dich davor bewahren, zu sagen, du habest keine Sünde. Du würdest dich selbst täuschen, wenn du das sagen würdest, und es würde beweisen, dass die Wahrheit nicht in dir ist. Im Licht der Wahrheit Gottes hast du gerade gesehen und auch erkannt, was in dir ist.

Vielleicht ist die Gefahr nicht so groß, dass du sagen würdest, du habest keine Sünde. Allerdings kann es gelegentlich so sein, dass du Sünde nicht Sünde nennst, sondern ein „Fehlerchen“. Du kannst Sünde auch als ein Abweichen sehen, als etwas, für das du dich entschuldigen kannst, als könntest du nichts dafür. Eigentlich sagst du damit, dass du keine Sünde hast. Damit fängst du an, dich selbst zu täuschen. Es ist wichtig, Sünde wirklich Sünde zu nennen. Dann beweist du, dass die Wahrheit in dir ist.

1Joh 1,9. Die Wahrheit bringt dich dazu, Sünde zu bekennen. Wenn du das tust, vergibt Gott dir die Sünde. Das tut Er nicht nur, weil Er voller Liebe und barmherzig ist, sondern weil Er „treu und gerecht“ ist. Wenn jemand seine Sünden bekennt, kann Er ihn – du kannst sogar sagen, muss Er ihn – von aller Ungerechtigkeit reinigen. Warum kannst du sogar sagen, dass Er es tun muss? Weil Er sonst dem Wert des Blutes Christi untreu wäre. Er wäre ungerecht, wenn Er die Kraft des Blutes Jesu, seines Sohnes, leugnen würde. Natürlich kann Er die Kraft des Blutes nicht leugnen. Wenn jemand also seine Sünde bekennt, vergibt Er.

Bekenntnis ist in der Tat ein tiefgehendes Werk. Bekennen bedeutet auszusprechen, dass du die Sünde in derselben Weise beurteilst, wie Gott es tut. Du sprichst also nicht von einem „Fehlerchen“ und suchst keine Entschuldigung. Nur dann, wenn du die Dinge siehst, wie Gott sie sieht, wirst du die Notwendigkeit eines Bekenntnisses einsehen und zum Bekenntnis kommen. Die Vergebung, die du daraufhin erfährst, ist wohltuend und erleichtert. Es verschafft dir Raum und neue Kraft, auch weiterhin mit Ihm zu leben (Ps 32,1; 7).

1Joh 1,10. Wenn du weißt, was es bedeutet, deine Sünden zu bekennen, sagst du nicht, du hättest nicht gesündigt. Solche Menschen gab es in den Tagen von Johannes und es gibt sie immer noch. So wie in den 1Joh 1,6; 8 schreibt Johannes in 1Joh 1,10 wieder sehr allgemein und sagt: „Wenn wir sagen“. Er schließt sich selbst wieder mit ein. Er drückt sich so aus, weil das, was er sagt, für jeden gilt, der bekennt, Christ zu sein.

Zu sagen, du hättest nicht gesündigt, geht einen Schritt weiter, als zu sagen, du hättest keine Sünde, wie es in 1Joh 1,8 heißt. Wer sagt, er habe keine Sünde, leugnet, dass er eine sündige Natur in sich hat. Wer sagt, er habe keine sündige Natur, betrügt sich selbst. Wer jedoch sagt, er habe nicht gesündigt, behauptet, er habe nie eine Sünde getan. Das ist viel schlimmer als Selbstbetrug, denn dann wird Gott zu einem Lügner gemacht. Gott sagt ja in seinem Wort, dass alle Menschen gesündigt haben (Röm 3,23). In einer solchen Person ist nichts von Gott anwesend. Das zeigt eine Haltung der Rebellion und des Eigenwillens, eine Haltung, die völlig im Gegensatz zum Wort Gottes steht. In solch einer Person wohnt das Wort Gottes nicht.

Lies noch einmal 1. Johannes 1,7–10.

Frage oder Aufgabe: Was lernst du in diesen Versen über wandeln im Licht und über Sünde und Reinigung?

© 2023 Autor G. de Koning

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