Galater 6
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Einer trage des anderen Lasten

Gal 6,1. Um seine Verbindung mit den Gläubigen in Galatien und auch ihre Verbindung untereinander noch einmal zu betonen, beginnt Paulus seine letzten Ermahnungen mit dem schönen Wort „Brüder“. Dabei sind natürlich die Schwestern mit eingeschlossen. Das ist auch eine gute Einleitung zu den folgenden Versen, aus denen hervorgeht, dass diese Verbindung auf besondere Weise erlebt wird, nämlich durch die gegenseitige Fürsorge, die zu einer „Familiengemeinschaft“ gehört. Im vorigen Kapitel hat Paulus die Werke des Fleisches und die Frucht des Geistes einander gegenübergestellt. Er hat deutlich gemacht, dass das Leben des Christen das Kennzeichen des Heiligen Geistes haben muss, sodass darin die Frucht des Geistes sichtbar wird.

Nun kann es geschehen, dass jemand es unterlässt, in einem bestimmten Augenblick durch den Geist zu wandeln. Auf diesen Augenblick wartet die Sünde und „übereilt“ ihn. So wird es in diesem Vers vorgestellt. Die Sünde liegt auf der Lauer, um in dem Augenblick zuzuschlagen, wo die Wachsamkeit des Gläubigen kurz nachlässt. Und schon begehst du einen Fehltritt: eine Lüge, um dich irgendwo herauszuretten, dem sexuellen Trieb nachgeben, ein Griff nach dem Geld eines anderen, das dort herumliegt. Das Gesetz kennt bei diesen Übertretungen keine Nachsicht, sondern nur gerechte Vergeltung (Heb 10,28). Die Galater, die sich wieder unter das Gesetz stellen wollten, konnten nach der empfangenen Unterweisung über den Heiligen Geist nun angespornt werden, sich mit solch einem Übertreter zu beschäftigen. Man musste allerdings einige Voraussetzungen erfüllen, bevor man sich mit einem sündigenden Bruder beschäftigen konnte und durfte.

Zunächst musste man geistlich sein. Du kannst dich fragen: Wer wagt es, das von sich zu sagen? Ich denke, dass die folgenden Voraussetzungen das klar machen. Jemand, der geistlich ist, wird einen Geist der Sanftmut besitzen. Du gehst dann nicht von oben herab und verurteilend auf den anderen zu. Was für ein Gegensatz zu der Härte des Gesetzes!

Zweitens wird das „Wobei du auf dich selbst siehst“ helfen, dass du dir bewusst bist, dass du nicht besser bist als der andere. Was für ein Gegensatz zu dem Eigendünkel, den gesetzliche Menschen haben. Ein gesetzlicher Mensch ist nicht in der Lage, mit einem anderen zu leiden. Ich muss gut davon durchdrungen sein, dass ich, wenn Gott mich nicht bewahrt, genau dieselben oder noch schlimmere Dinge tue als die, die mein Bruder getan hat. Im Zusammenhang mit diesem Vers traf mich einmal ein Wort aus dem Buch Hiob, woran die gute Gesinnung Elihus gegenüber Hiob sehr schön festzustellen ist. Elihu sagt: „Siehe, ich bin Gottes wie du; vom Ton abgekniffen bin auch ich. Siehe, mein Schrecken wird dich nicht ängstigen, und mein Druck wird nicht schwer auf dir lasten“ (Hiob 33,6; 7). Wenn du dich mit jemand beschäftigen willst, der in Sünde gefallen ist, ist es nötig, dass du dich zu ihm niederbeugst und dich mit ihm und seiner Sünde einsmachst. Das ist die Bedeutung davon, dass der Priester, der für einen anderen ein Sündopfer darbringen musste, es essen sollte (3Mo 6,19). Das ist der Weg, den anderen wieder zur Umkehr zu bringen, wiederherzustellen und dafür zu sorgen, dass er seinen von Gott gegebenen Platz wieder einnimmt.

Gal 6,2. Nach dieser besonderen Form des Lastentragens mit seinen besonderen Voraussetzungen ruft Gal 6,2 alle Gläubigen dazu auf, einander die Lasten zu tragen. Die Lasten, die hier gemeint sind, sind allerlei Arten von Prüfungen und Anfechtungen, die das Leben so schwer machen können. Der Herr Jesus war und ist der große Lastträger. Auf Ihn dürfen wir alle unsere Sorgen werfen (1Pet 5,7). Doch Gott hat es in seiner Weisheit so geregelt, dass wir dabei auch einander helfen dürfen. Auf diese Weise werden wir noch besser den Wert der Gemeinschaft, die wir als Geschwister untereinander haben, erkennen und erfahren. Die Kraft einer örtlichen Gemeinde zeigt sich unter anderem daran, inwieweit Gläubige in der Lage sind, gegenseitig Schwierigkeiten mitzuempfinden und sie zu erleichtern.

Wenn wir einer die Lasten des anderen tragen, erfüllen wir das Gesetz des Christus. Dieses Gesetz bedeutet, dass das ganze Leben des Herrn Jesus darauf ausgerichtet war, den Willen des Vaters zugunsten anderer zu tun. Paulus sagt den Galatern damit gleichsam: Wenn ihr nun unbedingt ein Gesetz haben wollt, dann habt ihr hier eins; dann legt mal los damit. Christus tat niemals etwas für sich selbst.

Gal 6,3. Das ist bei Menschen, die das Gesetz predigen oder halten wollen, völlig anders. Sie meinen, etwas zu sein, meinen, alles selbst zu können, und haben kein Auge für die Not anderer. Doch solche Menschen sind in Wirklichkeit „nichts“. Sie sind blind für die Tatsache, dass im Fleisch „nichts Gutes wohnt“ (Röm 7,18). Sie täuschen sich, wenn sie sich einbilden, doch noch zu etwas Gutem wie zum Halten des Gesetzes fähig zu sein. Solche Menschen messen andere immer an sich selbst und kommen dann gut dabei weg.

Gal 6,4-5. Doch das, was wir sind und was wir tun, sollten wir nicht mit dem vergleichen, was andere sind oder tun. Dein eigenes Werk, alles, was du für Gott tust, deine ganze Haltung und alle deine Taten, kannst du im Licht Gottes prüfen. Es geht um deine ganz persönliche Beziehung zu Gott. Du darfst dich an dem erfreuen, was du für Ihn tun kannst. Und am Ende, vor dem Richterstuhl des Christus, wirst du dich nur für dein eigenes Werk verantworten müssen, deine eigene Last tragen müssen. Letzteres beinhaltet, dass du mit deiner eigenen Last an Tätigkeiten vor Gott erscheinen musst.

Gal 6,6. Die dritte Form des Lastentragens hat mit der Unterstützung derer zu tun, die in dem Wort Gottes unterweisen. Beachte wohl, dass es um die geht, die Unterweisung aus dem Wort Gottes geben, und nicht um Menschen, die allerlei eigene Ideen und Auffassungen über das Wort zum Besten geben. Diese Unterstützung wird Mitteilen von allem Guten genannt. Das kann zuerst einmal in finanzieller Hinsicht geschehen. Hast du einen Blick dafür? Es kann auch ein Mitteilen geistlicher Segnungen sein, wodurch ein Diener des Wortes ermutigt wird. Hast du so jemand schon einmal etwas Schönes vom Herrn Jesus, oder etwas, was du mit Ihm erlebt hast, erzählt? Du kannst dieses „Mitteilen“ auch weiter auf allerlei praktische Dinge anwenden wie z. B. jemand irgendwo hinbringen oder ihm eine Unterkunft bieten usw.

Lies noch einmal Galater 6,1–6.

Frage oder Aufgabe: Wo siehst du Aufgaben zum Lastentragen? Arbeitest du da auch mit?

Was ein Mensch sät, das wird er auch ernten

Gal 6,7. In diesen Versen geht es um das, was man die „Regierungswege Gottes“ nennt. Die Regierung Gottes hat es mit jemandes Verhalten und den Folgen dieses Verhaltens zu tun. Was du tust, hat immer eine bestimmte Wirkung, eine bestimmte Folge. Es bewirkt etwas, es hinterlässt eine Spur. Das bezieht sich auf dein eigenes Leben, und wenn jemand anders dabei beteiligt ist, auch auf das Leben des anderen. Es ist wahr, dass die Gnade Gottes vollkommen ist und dass du durch das Werk des Herrn Jesus vollkommen errettet bist. Nichts und niemand kann dich aus der Hand des Herrn Jesus und aus der Hand des Vaters rauben (Joh 10,28; 29). Das bedeutet jedoch nicht, dass es nichts ausmacht, wie dein Leben weiterhin aussieht. Gott hat mit der Weise, wie du lebst, unweigerliche Folgen verbunden.

Du kannst das schon wahrnehmen, wenn du einfach deine Augen offen hältst. Eliphas hat solch eine Beobachtung gemacht: „So wie ich es gesehen habe: Die Unheil pflügen und Mühsal säen, ernten es“ (Hiob 4,8; vgl. Spr 22,8; Hos 8,7). Denke z. B. einmal an den Slogan, der gelegentlich bei einer Anti-Alkohol-Kampagne gebraucht wird: „Trinken zerstört mehr als dir lieb ist.“ Jemand, der zu viel getrunken hat, kann in Unbesonnenheit einen anderen totfahren. Er kann das bekennen, es kann vergeben werden, er verliert die Errettung dadurch nicht, aber das Opfer wird dadurch nicht wie-der lebendig. Für immer wird das Bewusstsein, werden die Gewissensbisse bleiben: Ich habe jemand totgefahren. Dieser Grundsatz lässt sich auf zahlreiche andere Dinge anwenden. Es ist wichtig, dass du dir klar bist, dass du beständig, Tag für Tag, durch das, was du denkst, sagst und tust, etwas säst. Die Umgebung, in die du diese „Saat“ säst und worin sie sich entwickelt, ist der Nährboden. Frag dich deshalb immer: An welchen Orten halte ich mich auf, wo sollte ich sein (durch meine Arbeit oder andere Verpflichtungen), und wo bin ich durch meine eigene Entscheidung; was lese ich, was sehe ich mir an, was höre ich?

„Irrt euch nicht“, das bedeutet, betrüge dich nicht selbst in dieser Hinsicht. Gott lässt sich nicht spotten, du kannst Ihn nicht zum Besten halten. Eigentlich steht dort so viel wie: deine Nase über Gott rümpfen, Ihn geringschätzig behandeln. Und das tust du, wenn du nicht berücksichtigst, was Er in seinem Wort gesagt hat. Vielleicht ist das die Verbindung zwischen Gal 6,7 und Gal 6,6, worin es um das Wort geht. Es war ja gerade der Fehler der Galater, dass sie den Judaisten mit ihren menschlichen Lehren Gehör gaben und dass sie dadurch das Wort Gottes beiseite stellten. Nun, wenn du nicht auf das Wort hörst, verspottest du Gott und hast die Folgen zu tragen. Ich drücke das etwas scharf aus, doch das tut Paulus hier auch.

Gal 6,8. Die Entscheidung liegt bei dir: Du kannst für das Fleisch säen, und du kannst für den Geist säen. Wenn du für dein eigenes Fleisch säst, verfolgst du deine eigenen Interessen, bist du selbstsüchtig. Du denkst dann an dein eigenes Vergnügen und deine eigene Bequemlichkeit. Die unausweichliche Folge ist, dass du Verderben ernten wirst. Es bleibt nichts davon übrig. Wenn du für den Geist säst, in seinem Interesse beschäftigt bist, denkst du nicht an dich, sondern an Christus und die Seinen. Dann kann es nicht anders sein, als dass du genießt, was das ewige Leben beinhaltet, was du vollkommen genießen wirst, wenn wir bei dem Herrn Jesus sind.

Gal 6,9. Nun, diese Lebensart wird dir nicht leicht gemacht. Oft muss man lange auf die Ergebnisse des Säens für den Geist warten. Da kann leicht der Gedanke aufkommen: Wofür tue ich das eigentlich alles? Ich sehe überhaupt kein Ergebnis, es wird eigentlich nur schlimmer und schlechter. Daher der Ansporn, im Gutestun nicht müde zu werden. Um bei der Bildersprache dieses Abschnitts zu bleiben: Von einem Stück Land, auf das du heute Samen gesät hast, kannst du nicht morgen schon eine reiche Ernte einbringen. Fahr fort, Gutes zu tun, sei treu in deinen täglichen Beschäftigungen, denn die Ernte kommt. Tu es reichlich, mit milder Hand, dann wirst du auch eine reiche Ernte haben. Lass nicht nach, halte noch ein wenig durch! Lass dich durch Rückschläge und Schmerzen nicht entmutigen, die du erfährst, wenn das Gute, das du tust, mit Bösem vergolten wird. Zur rechten, von Gott bestimmten Zeit, kommt die Belohnung.

Gal 6,10. Schau auf all die Menschen um dich her. Sie brauchen jemand wie dich, der die Gnade des Herrn Jesus kennt. Säe seine Gnade in deiner Umgebung. Die Menschen in der Welt brauchen diese Gnade, um errettet zu werden; Christen, die in der Gesetzlichkeit gefangen sind, brauchen diese Gnade, um daraus befreit zu werden. Christen, die es auf andere Weise schwer haben, brauchen diese Gnade, um ermutigt zu werden.

Du hast also ein riesiges Gebiet zum Säen: alle Menschen, denen du täglich begegnest. Das Feld, das du besäst, oder anders gesagt, deine Zielgruppe besteht aus allen Menschen. Wenn sich Gelegenheit bietet, kannst du ihnen Gutes tun. Dadurch zeigst du gleichzeitig, wer Gott ist. Gottes Zielgruppe, mit Ehrfurcht gesagt, besteht ebenfalls aus allen Menschen (Mt 5,45; Tit 2,11). Inmitten all dieser Menschen lebt eine besondere Zielgruppe, die „Hausgenossen des Glaubens“ genannt wird. Ihnen kannst du auf besondere Weise Gutes tun. In 1. Timotheus 4 steht, dass Gott auch so handelt (1Tim 4,10). Die „Hausgenossen des Glaubens“ sind alle Kinder Gottes, ungeachtet, welcher Gruppe oder welcher Kirche sie meinten, sich daneben noch anschließen zu müssen.

Gal 6,11. Es sieht so aus, als sei Paulus mit diesen Ermunterungen zum Schluss seines Briefes gekommen. Obwohl der Brief verhältnismäßig kurz ist, weist er darauf hin, dass es ein langer Brief war. Er hatte ihn vollständig selbst geschrieben. Normalerweise diktierte er seine Briefe und fügte einen eigenhändigen Gruß hinzu (1Kor 16,21). Doch weil der Irrtum, dem die Galater sich geöffnet hatten, so ernst war, hatte er selbst die Feder zur Hand genommen.

Lies noch einmal Galater 6,7–11.

Frage oder Aufgabe: Überprüfe einmal deine „Sä-Aktivitäten“, und stelle ehrlich fest, in wessen Interesse du „säst“ – für dein eigenes Fleisch oder für den Geist?

Das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus

Gal 6,12. Ich habe schon darauf hingewiesen, dass es so aussah, als sei Paulus bereits mit Gal 6,11 mit dem Schreiben des Briefes fertig. Doch es ist so, als ob er den Brief, bevor er Gal 6,11 niederschrieb, noch einmal durchgelesen hätte und wegen der Wichtigkeit seines Schreibens nochmals auf die Absicht des Briefes zurückkommt. Bei den Galatern waren Menschen eingedrungen, denen es um ihre eigenen Interessen ging. Sie „säten für das Fleisch“. Sie legten den Nachdruck auf äußere Dinge, auf religiöse Satzungen und Gebräuche. Der Zweck, den galatischen Gläubigen die Beschneidung aufzuerlegen, lag allein darin – und das sollten die Galater zum Abschluss noch einmal hören –, der Verfolgung zu entkommen, die mit dem Kreuz Christi verbunden war. Auch heute siehst du, dass man da, wo eine Religion gepredigt oder verteidigt wird, in der man das Fleisch anerkennt und wo man der menschlichen Anstrengung noch etwas Raum lässt, der völligen Ablehnung entgeht. Die Erfüllung äußerer Formen gibt dem Menschen einen guten Schein. Diese Gefahr ist immer groß, doch in religiöser Hinsicht wohl am allergrößten.

Wer das Kreuz als die einzige Möglichkeit zur Errettung und als das einzige Mittel, wodurch man als Christ leben kann, predigt und verteidigt, braucht nicht mit Applaus zu rechnen. Das Kreuz setzt der Weisheit der Welt und dem Hochmut der jüdischen Religion ein Ende.

Gal 6,13. Die Prediger der Beschneidung und des Gesetzes taten das nur im Blick auf ihre eigene Ehre und Verherrlichung. Damit konnten sie protzen. Es ist dasselbe, wenn man sich heutzutage der Zahl der Menschen rühmt, die man getauft hat oder die man durch seine kluge Argumentation überzeugt hat, wie man Gott am besten dienen kann, wobei man das Kreuz außen vor lässt. Doch, sagt Paulus, lasst euch nicht zum Narren halten. Die Leute, die so auf die Bedeutung von Satzungen pochen, halten sich selbst nicht daran. Sie sind Heuchler.

Gal 6,14. Paulus stellt dem seine eigene Haltung gegenüber, und er tut das im Licht der Bedeutung des Kreuzes. Das Kreuz war für ihn der Ort, wo alles deutlich geworden ist. Dort sah er den wahren Charakter der Welt, und dort sah er alle Vollkommenheiten des Herrn Jesus; dort sah er, wer Gott war, und dort sah er, wer der Mensch war. Wer das Gesetz hält, rühmt sich der Natur des Menschen, wozu dieser in der Lage ist. Wer sich des Kreuzes rühmt, rühmt nicht sich selbst. Ist das Kreuz nicht der Ort, wo das ganze Gericht Gottes über seine böse, sündige Natur vollzogen wurde? Es ist das Kreuz „unseres Herrn Jesus Christus“. Paulus benutzt hier den vollen Namen seines und ihres („unseres“) Heilandes. Das macht das Kreuz, das der Platz der Schande, der Verwerfung und des Fluches ist, zugleich zu dem Platz, wo für den Glauben die ganze Herrlichkeit Gottes sichtbar geworden ist.

Das Kreuz ist die radikale Trennung zwischen der Welt und dem Gläubigen. Dort bin ich in Christus gerichtet und bin also für die Welt erledigt, so wie Christus für die Welt erledigt ist. Die Welt, und vor allem die religiöse Welt, hat Christus ans Kreuz genagelt. Weg mit Ihm! So sieht die Welt auch mich. Doch es ist auch anders herum wahr. Die Welt ist für mich auch gerichtet. Durch das Kreuz ist die ganze Bosheit und Verdorbenheit der Welt sichtbar geworden. Damit will ich als Gläubiger nichts mehr zu tun haben. Die Welt kann für das Herz dessen, der das Kreuz so betrachtet und gelten lässt, wie Paulus es hier vorstellt, nichts Anziehendes mehr haben. Jeder Kompromiss mit der Welt ist ein Schlag ins Gesicht Gottes und Christi und macht das Kreuz lächerlich. Ich hoffe von Herzen, dass du das Verlangen mit mir teilst, mehr von der Bedeutung des Kreuzes Christi zu erkennen und auch konsequent nach dieser Bedeutung zu leben.

Gal 6,15. Alle äußeren Satzungen haben keinerlei Wert für Gott. Es kommt darauf an, dass jemand eine neue Schöpfung ist. Nur dann bist du in der Lage, die Dinge zu sehen, wie Gott sie sieht.

Gal 6,16. Willst du eine Regel, nach der du leben kannst? Dann findest du sie hier: Lebe das neue Leben, das du bei deiner Bekehrung empfangen hast. Darin ist Christus der Punkt, auf den du dich ausrichtest, und der Heilige Geist die Kraft. Auf diesem Weg findest du Barmherzigkeit und Frieden. Diese Dinge findest du nicht, wenn du das Gesetz halten willst. Dann empfängst du nur Gericht, Fluch und Tod. Außerdem nennt Paulus noch „den Israel Gottes“. Das sind die Gläubigen aus Israel, die in dieser Zeit, der Zeit der Gnade, den Herrn Jesus als Heiland angenommen haben. Sie gehören daher zur Gemeinde. In Römer 11 sagt Paulus von derselben Gruppe von Gläubigen: „So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade“ (Röm 11,5).

Israel als Volk wird seit der Verwerfung des Herrn Jesus von Gott nicht mehr als sein Volk anerkannt. Wenn die Gemeinde entrückt ist, wird Gott den Faden mit seinem Volk wieder aufnehmen und alle Verheißungen, die Er dem Volk gegeben hat, in Erfüllung gehen lassen. Das kannst du alles aus Römer 9–11 lernen. Die Einzelnen, die jetzt aus seinem irdischen Volk zum Glauben kommen, erkennt Gott als „sein Israel“ in dieser Zeit an, ohne aus ihnen ein besonderes Volk, getrennt von der Gemeinde, zu machen.

Gal 6,17. Er spricht den Wunsch aus, dass die Galater ihm fortan keine Mühe mehr machen. Sie hatten ihm durch ihr Abweichen von dem Evangelium, das er ihnen gepredigt hatte, Mühe bereitet. In diesem Brief hatte er dieses Evangelium glühend und mit viel innerem Kampf verteidigt. Das sollte reichen. Die Narben, die er sich z. B. bei der Geißelung und Steinigung zugezogen haben musste – siehe dazu und zu weiteren Entbehrungen in 2. Korinther 11 (2Kor 11,23-25) –, nennt er „die Malzeichen des Herrn Jesus“. Er nennt hier seinen Meister ausnahmsweise ohne weitere Hinzufügung nur „Jesus“. Ich denke, dass er das tut, um anzudeuten, dass es um das Leben des Herrn Jesus in seiner Erniedrigung auf der Erde geht, wo Er Schande und Schmerzen erfahren hat (Jes 52,14). Paulus wollte seinem Meister so weit wie möglich ähnlich sein (Phil 3,10). Das war seine Ehre!

Gal 6,18. Dann beendet er seinen Brief so, wie er ihn begonnen hat – kurz und kühl. Es gibt keine Grüße wie in anderen Briefen, obwohl viele Brüder bei ihm waren (Gal 1,2a). Auch sein eigener Gruß fehlt. Er kann nicht anders, als ihnen die „Gnade unseres Herrn Jesus Christus“ zu wünschen, weil allein die Gnade das einzige Gegengewicht zu den Einflüssen gesetzlichen Denkens bildet. Das ist es, was ich brauche, das ist es auch, was du brauchst. Die Gnade muss auf das Innere, das Denken, den Geist des Christen einwirken. Erneut verwendet Paulus den vollen Namen des Herrn Jesus, indem er „unseres“ voranstellt. Dieses „Unseres“ zeigt die Verbundenheit, die zwischen Paulus und den Galatern bestand. Diese Verbundenheit kommt auch so schön in dem Wort „Brüder“ zum Ausdruck, was ebenfalls zeigt, wie innig er sie liebte. Er drückt damit auch aus, dass er ihnen geschrieben hatte gerade aus dem tiefen Bewusstsein der Verbindung, die zwischen ihm und seinen Kindern im Glauben bestand. Sollte nach allem, was er ihnen geschrieben hatte, noch irgendein Zweifel daran bestehen, wie er sie sah, dann waren diese Zweifel hiermit im Keim erstickt.

Das letzte Wort des Briefes ist „Amen“. Von allen anderen Briefen, die Paulus geschrieben hat, endet auch der Brief an die Römer mit „Amen“. Das ist noch ein Hinweis darauf, wie eng diese beiden Briefe aneinander anschließen; sie haben beide die Beschreibung und Verteidigung des Evangeliums zum Inhalt. Mit diesem „Amen“, d. h. „so ist es“, versiegelt Paulus gleichsam den Brief. Was dort steht, bleibt so!

Ich möchte diesen Kommentar gern mit den Worten eines anderen Gläubigen (G.C. Willis) abschließen, und ich füge die Bitte hinzu, dass dieser Brief in meinem und deinem Leben die Wirkung haben möge, wozu Gott der Heilige Geist ihn hat niederschreiben lassen:

„Es ist nicht zu sagen, wie schwer es für Paulus gewesen sein muss, diesen Brief zu schreiben, doch welch einen Schatz haben wir für heute darin. Sicher war es das Werk des Teufels, damals die Gesetzeslehrer nach Galatien zu senden. Doch es gab eine höhere Hand und ein Herz voller Liebe, die alles führten. Durch den Angriff des Feindes schmiedete Gott für uns ein Schwert aus feinstem Stahl, womit allen Anläufen des Feindes in den zurückliegenden zwei Jahrtausenden widerstanden wurde. Und es ist noch immer genau so frisch und stark, wie es durch die Jahrhunderte hindurch gewesen ist. Möge Gott selbst unsere Hände unterweisen, damit zu kämpfen, und unsere Finger, damit Krieg zu führen (Ps 144,1), zu seiner Ehre. Amen.“

Lies noch einmal Galater 6,12–18.

Frage oder Aufgabe: Lies den Brief noch einmal durch und notiere die Stellen, wo über das „Kreuz“ oder „gekreuzigt“ gesprochen wird. Lass es auf dich einwirken, in welchem Zusammenhang die Wörter vorkommen und was das für die Praxis deines Glaubenslebens bedeutet!

© 2023 Autor G. de Koning

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